Die Glosse im Guller zum Frauentag
Auf die Frauenpower, auf uns Frauen!
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Bis 1971 glaubte ich noch an den Klapperstorch und legte für ihn Würfelzucker auf das Fensterbrett. Das hatte mir meine damalige Tagesmutter Tante Emma geraten, damit sich der Wunsch nach einem Geschwisterchen erfüllt. 1972 erkannte ich am Beispiel meiner Mama, dass Babys im Bauch von Frauen heranwachsen. Was für Letztere nach der Geburt mit einem lebenslangen Anspruch auf Blumen zum Muttertag einhergeht. Diesen erwarb ich 1992. Ab da durfte ich die Freuden dieses Ehrentags selbst genießen – inklusive verbranntem Toast in Herzchenform zum Frühstück im Bett. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist toll, dass wir Mütter überhaupt gefeiert werden. Aber Hand aufs Herz: Insgeheim habe ich immer ein kleines bisschen die Männer beneidet. Die dürfen nämlich am Vatertag mit Geschlechtsgenossen und einem Fässchen Bier auf dem Leiterwägelchen einen drauf machen. Doch dann kam der 8. März 1994 – mein erster aktiver Internationaler Frauentag.
Fräulein
Zugegeben, meine feministische Bildung war zu diesem Zeitpunkt noch lückenhaft. Als Entschuldigung kann ich aber anführen, 1966 in einem bayerischen Dorf geboren zu sein. Meine Sozialisierung als weibliches Wesen geschah zwar in Baden. Allerdings in einer Zeit, in der uns erst ein Ehering zur Frau machte. Unverheiratete waren in der allgemeinen Wahrnehmung selbst mit 80 nur Fräuleins. Zumindest bei uns Wessis – die Mädels im Osten hatten wohl ein anderes Selbstbewusstsein. Was mir aber ebenfalls nicht klar war, weil ich bis zum Mauerfall keine kannte.
Lahrer Stadtpark
Und dann kam der 8. März 1994. In Lahr war eine große Aktion angekündigt. Mangels anderer weiblicher Redaktionsmitglieder wurde ich hingeschickt. Was für ein Termin! Wir verkleideten die olle Bismarckbüste im Lahrer Stadtpark, benannten Straßen um und hatten einen tollen Tag.
In diesem Sinne, Ladys, lasst die Korken knallen: auf die Gleichberechtigung, auf die Frauenpower, auf uns!









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