Psychotherapeut Michael Karle gibt Tipps
Corona-Krise und die Probleme

Für Michael Karle ist Kommunikation sehr wichtig.

Ortenau (mak). Maske tragen, Abstand halten, gemütliches Beisammensein mit Freunden und Familie ist eingeschränkt oder fällt phasenweise ganz aus. Seit mehr als einem halben Jahr hat uns die Corona-Krise fest im Griff. Die Folgen wirken sich für viele Menschen mit Kurzarbeit nicht nur ökonomisch aus, sondern vor allem auch sozial. Was macht die Corona-Krise mit uns?

"Pandemie bringt hohe Belastung"

"Die Unsicherheit bezüglich Ausmaß, Dauer und Langzeitfolgen der Pandemie bringt eine hohe Belastung", weiß Michael Karle, Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeut, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle Achern und Fachstelle Frühe Hilfen Achern. In seiner täglichen Arbeit erfahre er vor allem von Verstärkungen von schon vorher bestehenden Belastungen, so Karle weiter. Dabei gehe es nicht immer nur um die konkrete Angst vor dem Virus, sondern vor allem auch um den Druck wegen der Perspektive eines weiteren Lockdowns.

"Mütter, ob allein- oder gemeinsam erziehend, sind sehr belastet, sie sehen sich stark gefordert, viel Flexibilität aufzubringen", erklärt Karle. Die Krux dabei sei, das entlastende Aktivitäten wie Urlaub oder andere Freizeitaktivitäten momentan teilweise wegfallen oder einfach nicht planbar seien. Viele Menschen seien zudem das erste Mal im Leben mit der Angst vor Arbeitslosigkeit konfrontiert. "Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass wir länger mit diesem Virus leben müssen, als wir es gehofft oder gedacht hatten, also geht es auch um eine Art von Enttäuschung, mit der wir zurechtkommen müssen", erklärt der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut.

Auf die Belastungen reagiert jeder anders – vom Maskenverweigerer bis hin zum überängstlichen Menschen. "Sich von der einen oder anderen Selbstverständlichkeit zumindest zeitweilig zu verabschieden – das macht seelische Arbeit, für sich und im Team", erklärt Karle. Auch in Richtung Politik gebe es Unzufriedenheit, Ärger oder gar Wut. "Die Erwartung, dass jemand das Virus und die Situation im Griff haben müsste, gehört vielleicht dazu. Viele vermeiden es auch, Nachrichten zu schauen, sich zu informieren, weil sie dies zusätzlich verunsichert, ängstigt und verwirrt. Die Belastungen nehmen zu", macht Michael Karle deutlich.

Ganz wichtig sei aber in dieser Situation das Mittel der Kommunikation. "Menschen, die mir nahestehen, denen ich vertrauen kann, meine Angst, Ungeduld, Ärger, oder Verzweiflung oder Einsamkeit mitzuteilen, bringt Entlastung, fördert eine relativ realistische Einschätzung und fördert auch neue Perspektiven", ist sich Karle sicher. Denn eine angemessene Neuorientierung helfe auch, "auszuhalten, dass nicht jederzeit alles für jeden gleich aussieht und in dieser schwierigen Zeit seine Perspektiven zu finden."

Konkrete Alltagsfragen wie Besuche oder die Geburtstags- oder Hochzeitsfeier würden Herausforderungen und Auseinandersetzungen mitbringen – mit sich und anderen. Dabei müsse gelernt werden, unter den gegebenen Bedingungen für sich und andere zu sorgen. "Dazu kann auch gehören, andere anzusprechen, die gefährlich und gefährdend unterwegs sind. Ob ich an einem bestimmten Ort eine Maske trage, ist eben nicht nur Privatsache", sagt Karle. Und weiter: "Wir machen jetzt die Erfahrung, dass aus dem gedachten Mittelstreckenlauf plötzlich ein Langstreckenlauf mit noch unbekannten Steigungen wird."

Ansprechpartner in der Ortenau

Psychologische Beratungsstellen im Ortenaukreis gibt es in

  • Achern, Telefon 07841/60484400;
  • Haslach, Telefon 07832/99955300;
  • Kehl, Telefon 07851/899740;
  • Lahr, Telefon 07821/91570;
  • Offenburg, Telefon 0781/79010.
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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