Eine Frage, Herr Martini
Erinnerung wachhalten

Oliver Martini

Der Volkstrauertag wird seit 1952 begangen. Über die heutige Bedeutung des Gedenktages sprach Matthias Kerber mit Offenburgs Baubürgermeister Oliver Martini.

Wie wurde der Tag trotz Coronapandemie begangen?
Die Kranzniederlegung für Offenburg fand in Offenburg trotzdem statt, aber in einem ganz kleinen Kreis. Es war ein sehr stilles, aber sehr bewegendes Gedenken, stellvertretend für die vielen Menschen, die sonst dabei sind. Teilgenommen haben Vertreter der Stadt, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des Reservistenverbandes.

Warum ist der Volkstrauertag heute immer noch wichtig?
Wir gedenken der Opfer zweier Weltkriege. Diese Kriege haben unermessliches Leid über die Menschen gebracht. Nur noch wenige können noch aus eigener Erfahrung berichten. Deshalb ist es sehr wichtig, die Erinnerung wachzuhalten – auch als Warnung an künftige Generationen. Es gibt aber noch einen zweiten Aspekt: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich die Traumata in unterschiedlicher Form auch in den nachgeborenen Generationen manifestieren. Deshalb ist es gut, einmal im Jahr so einen Ankertag zu haben, einfach um innezuhalten und gemeinsam der immer noch vorhandenen Trauer Raum zu geben.

Wie lässt sich der Volkstrauertag trotz fehlender Gedenkfeier öffentlich begehen?
Indem darüber berichtet und damit öffentlich gemacht wird, dass trotz Corona das Gedenken stattfindet. Vielen Menschen ist es wichtig, in irgendeiner Form persönlich teilzuhaben. Von einigen weiß ich, dass sie in diesem Jahr zu den Gedenkstätten kommen und ein stilles Gedenken abhalten werden. Auch das ist eine würdige und in gewisser Weise öffentliche – wenn auch keine offizielle – Form. Im kommenden Jahr können wir den Volkstrauertag dann hoffentlich wieder gemeinsam begehen.

Was bedeutet der Volkstrauertag für Sie persönlich?
Ich persönlich habe das Privileg, zu einer in Europa kriegsfreien Generation zu gehören. Umso wichtiger ist, sich dessen bewusst zu sein und es auch wertzuschätzen. Deshalb ist es unerlässlich, nicht nur der Opfer sondern auch der Familienangehörigen zu gedenken, die diese Zeit durchstehen mussten. Darüber hinaus sprengt das Leid der beiden Weltkriege jede Vorstellungskraft. Alle Teilnehmenden können sicherlich eine eigene Geschichte erzählen, wie ihre Familie und Freunde betroffen waren.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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