Die Glosse im Guller
Für die Rubrik "Der Friedrich der Woche"
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Ach, der Friedrich Merz, es gibt Dinge, die hat er einfach drauf. Bemerkenswert, wie es unserem Kanzler in schöner Regelmäßigkeit gelingt, mit Äußerungen für heftiges Rauschen im Blätterwald zu sorgen. Schade nur, dass es selten positive Schlagzeilen sind. Immerhin bleibt er so im Gespräch, und sei es auch nur als Elefant im Politikladen. Nur der Kanzleramtschef bemüht sich immer redlich, der Welt das Ganze irgendwie schönzureden. Das ist aber halt auch der Job von Thorsten Frei. Um den beneide ich ihn wirklich nicht.
Gesetz der Höflichkeit
Nun leben wir natürlich in einem freien Land. Da darf jeder denken, empfinden und meinen, was er will. Und wenn der Friedrich Merz Brasilien unendlich viel hässlicher findet als Deutschland, dann hindert ihn kein Gesetz daran, das offen auszusprechen. Außer vielleicht das Gesetz der Höflichkeit – das allerdings mehr so etwas wie eine unverbindliche Preisempfehlung ist. Umgekehrt dürfen über 200 Millionen Brasilianer auf allen Kanälen verkünden, der deutsche Kanzler sei ein arroganter Schnösel.
Rentenversicherung
Den jüngsten Beitrag für die Serie "Der Friedrich der Woche" lieferte unser lieber Herr Merz auf einer Veranstaltung für Banker: "Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter." Aha, und dafür geben mein Arbeitgeber und ich 18,6 Prozent meines Bruttogehalts an die Rentenkasse ab. Wäre es da nicht besser, die Arbeitnehmer behielten das Geld und kümmerten sich einfach selbst um ihre Altersversorgung? Ich meine ja nur, wenn es der Merz halt so gar nicht kann.
Vielleicht wäre es überhaupt besser gewesen, er hätte keine Rede gehalten, sondern sich von den Bankern mal ein paar Sachen erklären lassen. Beispielsweise, dass Arbeitnehmer für das Alter leichter etwas zurücklegen können, wenn man ihnen mehr Nettolohn lässt. Und warum muss der Fiskus an den Zinsen und Dividenden der Rentner mitverdienen? Ach, der Friedrich Merz, es gibt Dinge, die hat er einfach gar nicht drauf.
Anne-Marie Glaser






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