Fußnote, die Glosse im Guller
Gleiche Lebensverhältnisse

Unsere Familie überlegt, ob wir unsere Ersparnisse zusammenlegen sollen, um eine Immobilie in Raschau-Markersbach zu kaufen. Dort sucht gerade ein "liebenswertes Haus gute Hände". Es kann 163 Quadratmeter Wohnfläche mit sechs Zimmern aufweisen und ist für 35.000 Euro zu haben. Nur ein paar Kilometer weiter in Crottendorf gibt es ein Gebäude mit sechs Zimmern auf 110 Quadratmetern für 18.000 Euro. Das Angebot ist überschrieben mit: "Für Oma und Opa ist auch noch Platz!".

Gleiche Lebensverhältnisse

Die beiden Orte liegen in einer Ferienregion und können Sehenswürdigkeiten aufweisen wie die Erzgebirgische Aussichtsbahn und die "Mühlchen am Unterbecken". Nachdem die Lebensverhältnisse per Regierungsbeschluss in Ost und West angepasst sind, ist sicherlich davon auszugehen, dass die Immobilienpreise dort ordentlich steigen werden. Zum Vergleich: In Lahr gibt es für 18.000 Euro gerade mal einen Tiefgaragenplatz.

Erzgebirge

Okay, die Häuschen im Erzgebirge könnten ein paar Pinselstriche Farbe vertragen. Aber vielleicht gibt es Fördermittel. Immerhin werden in Süddeutschland genug Steuern bezahlt. Das Geld muss ja irgendwo wieder ausgegeben werden. Warum nicht für mein Spekulationsobjekt im Erzgebirge? Die Politik hat schon Ideen, wie sie mehr Menschen in strukturschwächere Regionen locken will. Beispielsweise wird darüber nachgedacht, öffentliche Institutionen dort anzusiedeln. Auch von Bildungseinrichtungen ist die Rede. Da müssen starke Städte halt mal was abgeben. Baden-Württemberg könnte als Solidaritätsbeitrag die Hochschule Offenburg umsiedeln. Das würde auch junges Blut in den ländlichen Raum im Osten bringen. Und vielleicht hätte Hochschulrektor Prof. Dr. Winfried Lieber dann sogar Interesse daran, mein Häuschen in Crottendorf zu mieten. Immerhin hätte er dort sogar noch Platz für Oma und Opa.

Immobilienspekulationen

Warum ich da nicht selbst einziehe? Weil ich lieber am Fuße des Schwarzwalds lebe. Das tun viele Menschen in der Ortenau, obwohl mancherorts die Busverbindungen lausig sind, teilweise das Internet eher badisch gemütlich denn schnell ist und in Offenburg Zugezogene einen Facharzttermin, wenn überhaupt, frühestens in einem Jahr bekommen. In Baden-Baden ist man da besser aufgestellt. Dort gibt es aber andere Nachteile. Völlig gleiche Lebensverhältnisse wird es nie geben. Das kann der Staat selbst mit viel Steuergeldern nicht richten. Deshalb lassen wir mal lieber die Hochschule in Offenburg und meine Familie lässt die Finger von Immobilienspekulationen. Obwohl die "Mühlchen am Unterbecken" schon eine gewisse Anziehungskraft auf mich ausüben.
Anne-Marie Glaser

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