Fußnote, die Glosse im Guller
Hoch-Zeit für Homeoffice

Technisch ist es meist kein Problem und die Coronakrise hat es populär gemacht. Die Rede ist vom Homeoffice. Statt sich durch die morgendlichen Staus oder in überfüllten Bussen und Zügen in das Büro zu quälen, wechselt man einfach mit der Tasse Kaffee in der Hand vom Frühstücks- an den Schreibtisch, um dort am Laptop seinem Tagwerk nachzugehen. Mal abgesehen von einer anstehenden Videokonferenz, braucht man sich nicht einmal die Haare zu kämmen.

Candy Crush

Vor Corona war Homeoffice meist das Privileg der Freiberufler. Viele Unternehmen standen Mitarbeiterwünschen, lieber zu Hause zu arbeiten, eher ablehnend gegenüber. Klar, wer kann schon wissen, ob diese dann nicht während der Arbeitszeit Candy Crush spielen oder sich sonstigem sündigen Tun hingeben. Als Leiterin der Guller-Redaktion ist es für mich beispielsweise auch viel einfacher zu kontrollieren, ob jemand pünktlich erscheint und nicht zu früh geht, wenn er an meinem Büro vor muss. Sobald das Klappern der Tastatur im Nebenzimmer verstummt, ist es mir ein Leichtes nachzuschauen, ob jemand über eine Formulierung sinnt oder vor dem Taschenspiegel Frisuren ausprobiert. Und wenn ich mein Ohr fest an die verschlossene Tür drücke, merke ich schnell, ob am Telefon der Landrat interviewt wird oder mit der Cousine in Castrop-Rauxel die Torchancen des SC Preußen Münster erörtert werden.

Kosten sparen

Ja, all das kann ich nur tun, wenn die Leute vor Ort sitzen. Mache ich aber nicht. Denn die Guller-Redakteure beginnen ihren Dienst eher zu früh und beenden ihn später als umgekehrt. Außerdem arbeiten sie so viel und effektiv, dass es mir so etwas von wurst ist, wenn jemand zwischendurch mal eine gekürzte Hose aus der Änderungsschneiderei holt. Daran ändert sich nichts, ob sie im Verlag oder zu Hause arbeiten. Ähnliche Erfahrungen haben nun wohl auch andere Personalverantwortliche gemacht. Deshalb denkt manches Unternehmen jetzt sogar über das andere Extrem nach: Mitarbeiter dauerhaft zu Hause arbeiten zu lassen. Das spart Firmen schließlich Raum-, Heiz- und andere Kosten.

Rudeltier

Für mich persönlich wäre das der absolute Horror. So bequem das Homeoffice auch sein mag, als Rudeltier kämme ich mir auf Dauer morgens lieber die Haare und quäle mich durch Staus, um in den Verlag zu fahren. Trotz aller hilfreichen Technik funktioniert Zusammenarbeit für mich am besten, wenn man auch zusammen sitzt.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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