Angedacht: Antke Wollersen
In guter Resonanz mit sich selbst sein

Antke Wollersen

Bald ist Pfingsten! Dabei geht es um das Kommen des Heiligen Geistes, den Jesus als "Beistand" bezeichnet hat. Was bedeutet das eigentlich? Was macht dieser Beistand, damit die Menschen Zuversicht bekommen und getröstet werden?
Wie beruhigen Sie sich, wenn Sie voller Sorge sind? Was hilft Ihnen, um Energie zu bekommen? Gehen Sie in die Natur, zu Ihrer besten Freundin oder in ein Konzert? Machen Sie eine Atemübung, Sport oder essen ein Stück Schokolade? Ich habe mir gerade ein Buch gekauft, das heißt „Besser als Schokolade“. Die Autorin schreibt über das Lächeln, die Dankbarkeit, Musik, Schlafanzug-Tage, Zuhören und die eigene Mitte. Sind das alles nur alltägliche Dinge, die nichts mit dem Geist Gottes zu tun haben? Ich verstehe die christliche Rede von Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, so: Gott will uns in allem Menschlichen begegnen, im Schönen und im Schweren. Er interessiert sich für uns und unser Befinden: Wo er Trauer sieht, erkundigt er sich: „Frau, warum weinst du?“ Einen Blinden fragt er: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Wo er Angst und Abwehr sieht, ist er glaubwürdig zugewandt, weil er als selbst zutiefst Verletzter auf uns zukommt. Er zeigt seine Wunden, auch darin können wir ihn erfahren. Die Erscheinungsformen des Geistes Gottes haben selten etwas mit mystischer Verzückung zu tun, sondern er will sich in alltäglichen Ereignissen zeigen. Mitten im Straßenverkehr, beim Spaziergang, in meinem Bauchgefühl. Ich kann den Geist Gottes nur dann entdecken, wenn ich in guter Resonanz mit mir selbst bin.
Das mit der Resonanz erzähle ich oft im Ausbildungskurs der Telefonseelsorge. Unsere Ehrenamtlichen wollen den Anrufenden beistehen. Stärkung, Trost und Sehnsucht nach Gemeinschaft mitten in Mutlosigkeit, Einsamkeit und Ängsten – all diese Themen werden bei uns am Telefon und im Chat angesprochen. Und vermutlich auch in Gesprächen Ihres Alltags?
Wie da dieses „Beistehen“ gut gelingen kann? Ich werde jetzt keinen Schnelldurchlauf unserer Gesprächsführungsabende versuchen, aber ich verrate Ihnen das Entscheidende: In gutem Kontakt zu sich selbst sein! Dann schwingt etwas, es gibt Resonanz und ein Gespür für die richtigen Worte oder auch das richtige Schweigen. Dann kann ein guter Geist wirken und es wird Pfingsten, täglich neu!
Antke Wollersen, Leiterin der Telefonseelsorge Ortenau- Mittelbaden

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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