Die Glosse im Guller zu Stuttgart 21
Schaffe, schaffe, Kabel verlege

Was haben wir in Süddeutschland doch fassungslos den Kopf geschüttelt über das Bau-Chaos rund um den Flughafen Berlin-Brandenburg. Von wegen arm, aber sexy – was da rund um den Hauptstadtflughafen geschah, war einfach nur unbezahlbar peinlich. Bei uns in Baden-Württemberg, da waren sich Badener und Schwaben tatsächlich mal einig, wäre so etwas nie und nimmer passiert. Und dann wurde Stuttgart 21 in Angriff genommen.
Nein, ich werde jetzt nicht den Witz machen, dass das Projekt wegen des voraussichtlichen Bauendes in Stuttgart 31 umbenannt werden muss. Die Zahl steht nämlich für das 21. Jahrhundert. So clever waren die Verantwortlichen dann doch, sich im Namen auf kein konkretes Jahr festzulegen. Davon abgesehen war man bei Baubeginn 2010 noch der Ansicht, dass 2019 der erste Zug losrollen kann. Ach ja, und 2,6 Milliarden Euro sollte das zukunftsweisende Verkehrs- und Städtebauprojekt zur Neuordnung des Verkehrsknotens Stuttgart kosten.

Unverschuldet

Nun wissen alle, die schaffe, schaffe Häusle baue, dass es immer mal unverschuldet zu Verzögerungen und Kostensteigerungen kommen kann, wenn Fundamente ausgehoben und Leitungen verlegt werden müssen. Selbst die sparsamste schwäbische Hausfrau kann so etwas nicht verlässlich verhindern. Aber eine Verschiebung von 2019 auf vermutlich 2030 sowie eine Kostenexplosion um 8,8 Milliarden Euro erinnert schon fast an Berliner Verhältnisse. Dabei stammt die Schätzung von 11,4 Milliarden noch von 2024. Da ist der neueste Unfug noch gar nicht eingerechnet.
Gerade flog nämlich auf, dass über 1.000 Kilometer Kabel falsch verlegt wurden. Und warum? Weil die Bahn mal pünktlich sein wollte, deshalb angeblich die Planung nicht abgewartet und vorschnell Arbeiten beauftragte hat. Mensch, dabei ist doch unser Credo im Südwesten: nur net hudle. Ich höre die Berliner schon lachen.

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