Fußnote, die Glosse im Guller
Wer soll das bezahlen?

Zunächst stehen bei den meisten natürlich noch die Prüfungen selbst an. Davon unabhängig laufen die Vorbereitungen für die Abschlussfeiern aber bereits auf Hochtouren. Egal ob Haupt-, Realschule, Gymnasium oder sonstige Lehranstalt, wer die letzte Klasse erfolgreich hinter sich gebracht hat, will das natürlich entsprechend feiern. Und das wird heutzutage viel glanzvoller gemacht als noch in meiner Jugend.

Top-Location Josefshaus

Wenn ich mich richtig erinnere, fanden die Festivitäten zu meiner bestandenen Mittleren Reife im Josefshaus statt. Das galt in Achern damals als Top-Location und ich trug dem feierlichen Anlass entsprechend schwarze Jeans und ein hübsches Top. Jedenfalls kam ich mir sehr elegant vor.
Zur Abi-Abschlussfeier ein paar Jahre später in der Sulzberghalle im Lahrer Stadtteil brachte jeder von uns Absolventen etwas für das Büffet mit. Während des Abends wechselt ich mehrfach das Outfit, unter anderem ein rosa Dirndl sowie ein Teufelskostüm. Das war dem Unterhaltungsprogramm auf der Bühne geschuldet, bei dem ich eine tragende Rolle spielte. Beim großen Finale war ein kurzes dunkles Baumwoll-Kleid angesagt, das mir eine Klassenkameradin geliehen hatte und aus Teenagersicht einem kleinen Schwarzen schon sehr nahe kam. Manche fanden mich darin sogar etwas overdressed.

Aschenputtels Putzkittel

Für die Abiturfeier meiner Tochter konnte ich immerhin in ein echtes kleines Schwarzes aus dem eigenen Bestand schlüpfen. Verglichen mit den Outfits der Abiturientinnen sah es allerdings aus wie Aschenputtels Putzkittel. Denn die Schulabgängerinnen glänzten allesamt in glamourösen langen Abendkleidern. Natürlich war der eigene Nachwuchs ebenfalls entsprechend ausstaffiert und sah toll aus. Es war ein einzigartiger Auftritt, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn seither langweilt sich die edle Abi-Robe mangels weiterer Gelegenheiten im Kleiderschrank.

Trend zum Einzelkind

Aber es sind ja nicht nur die Ausgaben für Kleider, Anzüge, Schlips und Schuhwerk, die zu Buche schlagen. 40, 50 und mehr Euro muss heutzutage oft jeder Gast für das Abschlussvergnügen bezahlen. Saalmiete, Catering, Dekoration und natürlich ein DJ sind alles andere als billig. Die Frage, ob Eltern ihren Kindern eine ordentliche Schulausbildung bezahlen können, spielt in Zeiten der Lernmittelfreiheit wohl weniger eine Rolle. Viel problematischer ist: Wer kann sich die Abschlussfeier noch leisten? Das könnte durchaus eine Erklärung für den Trend zum Einzelkind sein.

Firma "Selbstgemachtes & Co."

Aber ernsthaft, natürlich gönne ich jedem einen schönen Schulabschlussball. Tolle Outfits müssen zudem keineswegs teuer sein. Karten für das Event auch nicht, wenn die Schüler durch entsprechende Aktionen die Klassenkasse aufbessern. Was sich bei der Finanzierung von Klassenfahrten bewährt hat, funktioniert genauso für Feiern. Und nur mal so am Rande: Das Patchwork-Büffet von der Firma "Selbstgemachtes & Co." der IBG-Abschlussklassen 1988 in der Sulzberghalle war sehr lecker.
Anne-Marie Glaser

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