Gesprächsrunde: BMVW macht mobil
Bahntunnel am Oberrhein im Blick
- Frank Roser, Projektleiter DB NBS Karlsruhe-Basel, auch für den BAu des Offenburger Tunnels zuständig
- Foto: BMVW
- hochgeladen von Christina Großheim
Rastatt/Ortenau (st) Im Rastatter Rossi-Haus wurde jüngst in fachkundiger Runde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „BVMW macht mobil“ nicht nur über die herausforderndsten Konstruktionen im Verkehrsnetz, Projekte im Tunnelbau, informiert – es wurden laut einer Pressemitteilung auch klare Worte an die Politik gerichtet. So ist laut Frank Roser, Projektleiter der DB Neubaustrecke Basel-Karlsruhe, die Finanzierung des geplanten Offenburger Güterzugtunnels trotz des angekündigten Infrastrukturprogramms noch keineswegs gesichert. Claus Haberecht, Repräsentant des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) für Baden-Württemberg und Moderator der Veranstaltung, erläuterte: „Tunnel verkörpern entscheidende Verbindungselemente für ein durchgängiges und funktionierendes Infrastrukturangebot.“
Neubau und Sanierung
In den nächsten Jahren sind im Oberrheingebiet außer dem nahezu fertig gebauten Rastatter Bauwerk und dem anstehenden Offenburger Tunnelbau – übrigens gesteuert in identischer Verantwortlichkeit - keine weiteren neuen Straßentunnelprojekte neben den 20 bereits existenten vorgesehen. Doch auch auf der Ertüchtigung und Sanierung der teils über 30 Jahre alten Infrastruktur liegt der Fokus: Konkret stehen in den nächsten Jahren am Tunnel an der B 462 in Nagold, am Bauwerk an der B 535 in Schwetzingen wie auch am Kirchbergtunnel und Schlossbergtunnel an der B 294 in Schiltach umfassende Sanierungsarbeiten an.
Die Komplexität an Herausforderungen beim maschinellen Tunnelbau schilderte Referent Martin Forster, Herrenknecht AG, mittels einer umfangreichen Präsentation. Die Technologie der Tunnelvortriebsmaschinen, teilweise über 200 Meter lang und mit Durchmessern von über 15 Metern, beeindruckte das Publikum. Das Schwanauer Familienunternehmen liefert weltweit an Bauunternehmen überwiegend projektspezifische Technologie, die unter anderem auf die Bodenbeschaffenheit abgestimmt ist. Diese wartet im Oberrheingraben, etwa beim Offenburger Tunnel, mit anderen Herausforderungen auf als beispielsweise beim Gotthard-Basistunnel. Auch die Automatisierung dieser Technik schreitet voran, künftig kommt auch hier KI zum Einsatz.
In der interaktiven Gesprächsrunde bat Bürgermeister Lorenz, Appenweier die betroffen Kommunen und Bevölkerung mitzunehmen und einzubeziehen.
Zeitvorteil für Güter
Alfons Hartmann, Hartmann Logistic AG aus Muggensturm, sieht in den Tunnelneubauten auch einen entscheidenden Zeitvorteil für den Transport von Gütern. Daher fordert er, dass der Güterfernverkehr neben dem Personenfernverkehr (ICE) grundsätzlich durch die Tunnels geleitet wird. Bürgermeister Raphael Knoth, Stadt Rastatt, zeigte nochmals die Vorteile einer kontinuierlichen Information durch die DB beim Bau des Rastatter Tunnels auf. Ein wichtiger Punkt war für ihn auch die Thematisierung des Bevölkerungsschutzes und die Sicherung der Transportwege im Krisenfall, bei der Tunnel wie Brücken entscheidende Rollen spielen dürften. Anwesende wie der Vertreter der Bürgerinitiative Offenburger Tunnel als auch Ursula Cantrup, ITK Transport Kontor Karlsruhe, oder Kuno Uhl, Capitell Vermögens AG Baden-Baden, zeigten sich von der Informationsfülle positiv überrascht. Bemängelt wurde jedoch die sehr zurückhaltende Beteilung der betroffenen Kommunen und Gebietskörperschaften.
„Ich fahre jetzt mit einer ganz anderen Wahrnehmung durch einen Tunnel“, so Josef Stumpf, Leiter der Wirtschaftsregion BVMW Baden-Württembergs, in seinem Schlussplädoyer.









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