Störche im Hanauerland
Noch nie zuvor gab es so viel Geklapper über den Dächern

Paulette Gawron beim Beringen der Jungvögel

Ortenau (als). Bereits seit einigen Wochen klappern sie wieder mit ihren Schnäbeln über den Dächern der Städte und Gemeinden. Der Kehler Nabu-Vorsitzende Gérard Mercier erzählt, dass die artengeschützten Weißstörche aus ihren Winterquartieren seit Ende Januar zurückgekommen sind. Dabei bevorzugen manche inzwischen nahegelegene Winterquartiere, etwa Mülldeponien in der Umgebung des elsässischen Mühlhaus, andere zieht es nach Spanien oder sie fliegen gen Nordafrika bis in den Tschad, so Mercier. Von den derzeit 120 Storchenpaaren würde etwa ein Dutzend in den heimischen Regionen überwintern.

Anfang der 1980er-Jahre habe es nur noch ein Storchenpaar im Ortenaukreis gegeben. Daraufhin seien sieben Paare angesiedelt worden, die ihren Zug- und Wildtrieb verloren hatten. Ergebnis: Die Population stieg wieder an, so Mércier. Im Jahre 1990 waren es immerhin schon wieder neun Storchenpaare. Der Nabu hat sich kontinuierlich in Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg für die Wiederansiedlung der Störche eingesetzt. Denn ein Storch wird immerhin zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Seit 2003 werden die Störche mit einem laserbeschichteten Kunststoffring, dem sogenannten Elsa-Ring, beringt. Dieser Markierung, die oberhalb des Gelenks angebracht wird, ist wie ein Personalausweis für die Vögel. Der Ring ist verfügt über sehr gute Ableseeigenschaften aus der Entfernung. Dabei gilt: Ungerade Jahre werden am linken Bein angebracht, gerade Jahre am rechten.

Die Beringung erfolgt in den Nestern, die nur mit Drehleitern zu erreichen sind. Die Jungvögel würden bei der Beringung einen „Totstellreflex“ vollziehen, erklärt Mercier. Vogelkundler können mit Hilfe von Fernrohren anhand eines durchlaufenden Zahlensystems feststellen, von welcher Beringungsstation der Storch stamme, und wie viele Flugkilometer er bereits zurückgelegt habe, so Mércier.

Störche sind orts-und heimattreu: Sie kehren immer wieder an ihren Ursprungsort und auch zu ihrer Nestbrutstätte instinktiv zurück. In einem bekannten Fall verschlug es einen Storch aus dem Hanauerland ausnahmsweise gen Osten nach Leipzig.

Das vergangene Jahr war ein Rekord Storchenjahr, da aufgrund des heißen Klimas insgesamt 190 Nesthorte im Ortenaukreis mit 380 beringten Jungstörchen und insgesamt 240 Jungvögeln verzeichnet worden sind, so Mércier. Dies ergab einen Durchschnitt pro Paar von zwei Prozent an Jungvögeln, rechnet Mercier vor. Im Jahre 2017 wurden dagegen 64 Storchenpaare im Ortenaukreis registriert, wovon 99 Jungstörche hervorgingen, einem etwas geringerem Durchschnitt pro Storchenpaar. Für die insgesamt 32 Nesthorten der Störche sind 23 in der Pflegeobhut des Nabu. Die anderen neun Nester unterliegen der kommunalen Verantwortung zur Unterhaltung.

Bevorzugte Nesthorte

Bevorzugte Nesthorte seien Kirchtürme, Rathaus- und Schuldächer. In Bodersweier gab es im vergangenen Jahr 60 Jungstörche zu verzeichnen, in Querbach 58, in Wagshurst 64, in Legelshurst 50, in Goldscheuer 49, berichtet Mercier. 15 Paare könne man in Gamshurst und zehn Paare in Wagshurst verzeichnen. Störche kommen auch auf der Kirchturmspitze in Hausgereut und auf dem Schwimmbaddach in Rheinau-Freistett vor, so Mércier. In Legelshurst könne man eine starke Zunahme von bisher drei Storchenpaaren im laufenden Jahr beobachten, so Mércier. In Baden-Württemberg wurden im Vorjahr 1.160 Paare mit 2.538 Jungvögeln verzeichnet werden, so Mércier.

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