Willi Stächele im Porträt
"Hatte immer Freude am Umgang mit Menschen"
- Der 73-jährige Willi Stächele wird im kommenden Jahr aus der aktiven Politik aussteigen und nicht wieder für den Landtag kandidieren. Dann hat er wieder mehr Zeit für seine Hobbys wie zum Beispiel das Klavierspiel.
- Foto: Foto: Michael Bode
- hochgeladen von Matthias Kerber
Achern "Bei den momentanen politischen Herausforderungen, wäre ich gerne 30 Jahre jünger", sagt der 73-jährige Willi Stächele, CDU-Urgestein der Ortenau und des Landes Baden-Württemberg. Die Herausforderungen müssen in Zukunft aber andere bewältigen, denn Stächele wird bei der Landtagswahl im kommenden Jahr nicht wieder für ein Abgeordnetenmandat kandidieren.
"Der Politik ganz den Rücken kehren, werde ich aber nicht, sondern mein Wissen und meine Erfahrung gebe ich gerne weiter. Trotzdem muss ich mich natürlich umstellen." Und weiter: "Zunächst will ich mich als Hausmann bewähren, da meine Frau erst später in den Ruhestand geht", erzählt der Vater von zwei erwachsenen Töchtern mit einem Lächeln.
Im Elternhaus früh für Politik begeistert worden
Politik habe ihn schon früh interessiert, erzählt Stächele. Im Elternhaus sei immer viel diskutiert worden: "Das hat unglaublich viel Spaß gemacht." Seinen Vater, der selbst Bürgermeister war, zählt Stächele zu seinen politischen Vorbildern.
Nach einem erfolgreichen Studium der Rechts- und Staatswissenschaften betritt Willi Stächele mit 22 Jahren erstmals die politische Bühne. Er wird in den Kreistag von Lörrach gewählt. "Das war eine große Freude, aber auch Herausforderung", erinnert er sich. "Die Zeit dort wurde zur echten Lehrzeit." Sie sei die Voraussetzung für seinen weiteren beruflichen Werdegang gewesen. Mit 29 Jahren wird er zum Bürgermeister von Oberkirch gewählt. 1989 und 1997 wird er wiedergewählt. Seit 1992 ist er zudem Landtagsabgeordneter und 1998 folgt mit 47 Jahren der Wechsel in die Landesregierung. Dort nimmt er in den kommenden Jahren unterschiedliche Funktionen wahr. Unter anderem war er Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Staatsminister für europäische Angelegenheiten des Landes Baden-Württemberg, Finanzminister und Landtagspräsident.
"Für mich war der Job als Politiker immer Berufung", sagt Stächele. Der direkte Draht zu den Leuten habe ihn immer getragen. "Ich hatte immer Freude am Umgang mit Menschen." Und weiter: "Die Diskussion mit den Menschen in vollen Sälen oder auf Festen war immer toll. Ich war immer daran interessiert, Volkes Stimme zu hören. Der Glaube, man wisse alles, ist gefährlich." Er bedaure, dass diese Form der Kommunikation heute weniger gefragt sei.
Volksnähe wird er wohl vermissen
"Diese Volksnähe werde ich wohl vermissen", blickt er in die nahe Zukunft. "Die vielen Sitzungen und Dienstreisen eher weniger", sagt er mit einem Lachen.
Die Volksnähe habe ihm auch in schwierigen Zeiten geholfen. "Der Rücktritt als Landtagspräsident war schmerzhaft, aber die Bevölkerung hat mich aufgefangen." Wichtig sei, dass man über eine innere Stabilität verfüge: "Und dazu gehört für mich auch der Glaube und Humor."
Seine Bodenständigkeit, sein Humor und seine Verlässlichkeit sind Eckpfeiler seiner Lebensart und seiner Beliebtheit: "Meinen privaten Freundeskreis habe ich auch während meiner Amtszeit immer aufrechterhalten. In geselligen Runden konnte ich auftanken."
Und welchen Rat gibt er der neuen Politikergeneration? Soziale Kompetenzen und Berufserfahrung seien wichtig, um von der Politik unabhängig zu sein. Sein eigenes Interesse an Politik und Gesellschaft bleibe ungebremst, aber nicht mehr an vorderster Front: "Alles hat schließlich seine Zeit."








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