Stadtarchivarin Andrea Rumpf
"Verwaltung musste ich erst erziehen"

Andrea Rumpf leitet seit 25 Jahren die Geschicke des Stadtarchivs Achern und hat vor allem am Anfang echte Grundlagenarbeit geleistet.
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  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Achern. "In der Schule habe ich Geschichte eigentlich nicht gerne gemacht. Mit 14 Jahren wollte ich viel lieber Wildhüterin in Kenia werden", erzählt Andrea Rumpf, Leiterin der Stadtarchivs Achern. Dass sie sich dann doch für Historisches interessierte und sich für den Beruf der Archivarin entschied, wurde ein Glücksfall für die Stadt Achern. Seit mittlerweile 25 Jahren leitet sie die Geschicke des Archivs.
Erst mit einem Praktikum in der 12. Klasse im Generallandesarchiv in Karlsruhe wurde ihr Interesse für das Archivwesen so richtig geweckt. "Nach dem Praktikum war klar, dass will ich werden", erzählt Rumpf. Dass sie dort auch ihren späteren Ehemann kennenlernte, war ein zusätzlicher Glücksfall. Es folgt ein duales Studium der Archivwissenschaften beim Bundesarchiv in Koblenz. Nach Stationen bei der ehemaligen Gauck-Behörde und in Karlsruhe kommt sie 1995 nach Achern. "In der Zeitung hatte ich gelesen, dass das Archiv in Achern in einem 'erbärmlichen' Zustand gewesen sein sollte. Das hat mich gereizt und ich habe mich initiativ beworben", so Rumpf. Die Arbeit in Achern hatte viele Vorteile für sie: 1994 wurde der erste von drei Söhnen geboren, ihr Ehemann arbeitete in Bühl und sie musste auch nicht mehr nach Karlsruhe pendeln.
Und dass die Entscheidung goldrichtig war, sieht man am heutigen Zustand des Stadtarchivs. Andrea Rumpf, zu Beginn mit nur 22 Stunden im Monat ausgestattet, hat echte Grundlagenarbeit geleistet, verbunden mit viel Staub und Dreck. "Die FFP2-Masken waren mir auch schon vor Corona ein Begriff", sagt sie lachend. Angefangen hat ihre Arbeit in einem Kellerraum des Rathauses am Markt. Dort war zu Beginn das Archiv des Haupt- und Personalamtes untergebracht. "Ich war am Anfang fassungslos", so Rumpf, "es gab noch nicht mal eine Registratur."

Dokumente für rund 50.000 Euro restauriert

Darüber hinaus ging man damals davon aus, dass ein Großteil der Dokumente bei einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs verlorengegangen sind. "Nach kurzer Zeit habe ich aber festgestellt, dass Vieles noch vorhanden und nur falsch einsortiert war", erklärt Rumpf. Und weiter: "Ich musste die Verwaltung erstmal erziehen, dass der Keller kein Abstellraum ist", sagt sie heute lachend. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Einführung einer eigenen Archivordnung.
Zuerst musste alles gesichert, sortiert und umgebettet werden. Der Zustand mancher Schriftstücke sei in einem schlechten Zustand gewesen. "Manche Dokumente waren von Schimmel befallen, die Auswandererakte zerbröselte unter den Fingern", erzählt sie. In den vergangenen 25 Jahren hat das Stadtarchiv rund 50.000 Euro für Restaurierungen ausgegeben, erzählt sie. "Mein Job ist es, Unterlagen zu erschließen." Das faszinierende an ihrer Arbeit, die sie längst in Vollzeit betreibt, unterstützt von je zwei Fachkräften und ehrenamtlichen Helfern, sei die Vielseitigkeit. "Man kommt inhaltlich schon ziemlich rum. Geschichte ist spannend und wird bei der Arbeit einfach richtig lebensnah. Ich tauche bei der Arbeit ein in vergangene Wirklichkeit", so Rumpf. Wenn Andrea Rumpf über ihren Beruf spricht, merkt man schnell die Leidenschaft, die sie für ihre Arbeit hat. "Es ist ein schönes Gefühl, wenn man Leute mit den passenden Archivalien versorgen kann." Manchmal gebe es aber auch bewegende Anfragen, wenn beispielsweise "ein Senior seine Jugendliebe sucht, die er nach dem Krieg beim Tanzen kennengelernt hat, ich nach umfassender Suche die Angebetete tatsächlich finde, und ihm sagen muss, dass sie ihn nach so langer Zeit nicht mehr sehen möchte."
Eine wichtige Arbeit sei beispielsweise auch die Erbenermittlung. Hierbei leiste das Archiv Amtshilfe für die Gerichte.
Um die verborgenen Schätze, die in den insgesamt 842 laufenden Metern an Bestand – 382 laufende Meter sind noch unbearbeitet – verborgen sind, heben zu können, brauche es Kombinationsgabe. "Man muss auch um die Ecke denken können und darf nicht zu schnell aufgeben. Das macht besonders großen Spaß."
Großen Spaß macht ihr in ihrer Freizeit auch das Kitesurfen sowie Wandern, Lesen, Gartenarbeit und Vögel beobachten und die Musik. Sie spielt Bratsche im Streichorchester und Klarinette im Musikverein.
Matthias Kerber

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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