Ausstellung im Vitra Design Museum
Die Stühle der Macht

Emmanuel Macron nach seiner Amtseinführung 2017: Das Bild zeigt, wie wichtig der klassische Thronsessel für die Inszenierung der Politik bis heute ist. | Foto: Getty/Charles Platiau
  • Emmanuel Macron nach seiner Amtseinführung 2017: Das Bild zeigt, wie wichtig der klassische Thronsessel für die Inszenierung der Politik bis heute ist.
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Das Vitra Design Museum zeigt mit der Ausstellung "Stühle der Macht", wie eng die Geschichte des Stuhls und des Sitzens seit jeher mit dem Ausdruck von Macht verbunden ist.

Ausstellung in Weil am Rhein

Die Ursprünge des modernen Stuhls gehen auf Thronsitze der Antike zurück, und für lange Zeit waren Sessel und Stühle den Herrschern und der Oberschicht vorbehalten. Mit dem Durchbruch der industriellen Möbelproduktion im 19. Jahrhundert wurden Stühle dann endgültig für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich, doch ihre Verbindung zu Status und Macht ist bis heute offenkundig. Die Ausstellung untersucht diese Verbindung anhand von rund 20 ausgewählten Objekten aus der Museumssammlung und zeigt, wie sich Auffassungen von politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Macht bis heute in unseren Sitzgelegenheiten ausdrücken.
Die frühesten Exponate sind Beispiele dafür, wie Sitzmöbel in Zusammenhang mit den eher  traditionellen Auffassungen von politischer und religiöser Macht stehen. Ein Beispiel dafür ist die vom belgischen Hoftischler Jean-Joseph Chapuis gestaltete Chaise de Garde (etwa 1802), die auf die Stuhlformen der römischen Antike zurückgreift und von Napoleon Bonaparte für die Neugestaltung des Schlosses Laeken bei Brüssel bestellt wurde.

Ebenfalls zu sehen ist ein Papstthron, der für den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Zagreb im Jahr 1994 entworfen wurde. Die Ausstellung zeigt jedoch auch, wie sich die Demokratisierung vieler westlicher Gesellschaften hin zu Werten wie Flexibilität, Transparenz und Gleichberechtigung in den entsprechenden Sitzmöbeln und Sitzhaltungen spiegelte. So saßen John F. Kennedy und Richard Nixon in ihrem legendären Fernsehduell 1960 auf dem vom dänischen Designer Hans J. Wegner entworfenen Holzstuhl JH501 (1949/50), der aufgrund seiner modernen und zugleich zurückhaltenden Formensprache geradezu idealtypisch für einen bescheideneren, volksnahen Politikstil stand. Auch jenseits der offiziellen Politik unterliegt der Ausdruck von Macht und Status im Sitzmöbeldesign einem ständigen Wandel der gesellschaftlichen Werte. So kamen im 19. Jahrhundert Schaukelstühle und Bequemlichkeitsmöbel in Mode, weil man damit zeigen wollte, dass man sich Freizeit leisten konnte. Im 20. Jahrhundert entstanden viele Designklassiker, die Macht und Autorität durch Bequemlichkeit und Großzügigkeit ausdrückten, etwa Ludwig Mies van der Rohes Barcelona-Sessel, der Lou
nge Chair (1943-1956) von Charles und Ray Eames oder Arne Jacobsens Ei-Sessel (1957/58).
Ergänzend zu diesen und weiteren Beispielen für "Stühle der Macht" präsentiert die Ausstellung beeindruckende Fotografien von Räumen, in denen diese Möbel eingesetzt werden. 

Info: Die Ausstellung "Stühle der Macht" im Vitra Schaudepot in Weil am Rhein ist noch bis zum 17. Februar zu sehen. Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen im Schaudepot acht Euro Eintritt. Weitere Infos gibt es unter www.design-museum.de.

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