Auf zwei Raststätten in der Ortenau entdeckt – Rekord bei Zahl der Einsätze
Kampf gegen Schnaken und die Asiatische Tigermücke

Kann verschiedene für den Menschen gefährliche Erreger übertragen: Asiatische Tigermücke.
  • Kann verschiedene für den Menschen gefährliche Erreger übertragen: Asiatische Tigermücke.
  • Foto: KABS
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Ortenau. Schnakenplage in der Ortenau und am südlichen Oberrhein: Noch nie waren so viele Einsätze wie in diesem Jahr erforderlich, betonte der wissenschaftliche Direktor
der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage
(KABS), Norbert Becker, auf Anfrage. Anlass für den Präsidenten Dr. Paul
Schädler, eine Sondersitzung einzuberufen, um die Lage der
Arbeitsgemeinschaft, die sich aus Beiträgen der an den
Schnakenbekämpfungsaktionen beteiligten Gemeinden finanziert, zu
erörtern. „Das Budget“, so Becker, „ist erschöpft.“ Derweil hat die KABS
ein weiteres besonderes Problem im Visier:  Die Asiatische Tigermücke,
die unter anderem das Gelbfiebervirus übertragen und das Denguefieber
auslösen kann, ist aus dem Süden gen Norden auf dem Vormarsch und wurde
laut Becker auch an zwei Autobahnraststätten in der Ortenau entdeckt.

Mit der Überwachung solcher Raststätten wurde die KABS unter der
Koordination des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg
beauftragt, nachdem das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau
und Reaktorsicherheit 2011 ein bundesweites Projekt mit dem Ziel
gestartet hatte, mögliche Importwege exotischer Mücken nach Deutschland
aufzudecken und das Risiko ihrer Etablierung vor dem Hintergrund des
Klimawandels abzuschätzen.

Raststätten sind im Visier der Fahnder, weil Tigermücken hauptsächlich durch den Güter- und
Personenverkehr ins Ländle kommen – und dies insbesondere aus Italien
mit der höchsten Tigermückendichte Europas. So wurde nicht von ungefähr
in einer Kleingartenanlage am Freiburger Messegelände im Juni
vergangenen Jahres die erste große Population der Invasoren in
Deutschland entdeckt. In der Nähe befindet sich ein Umschlagplatz der
sogenannten „Rollenden Landstraße“, bei der   Lkw in Italien auf die
Schiene umgeladen werden, um später die Fahrt auf der Straße
fortzusetzen. Resultat einer anschließenden Bekämpfungsaktion: Etwa 3500
 schwangere Weibchen wurden in rund  40 aufgestellten speziellen
Eiablagefallen abgefangen und damit Eiablagen und eine weitere Vermehrung verhindert.

Solche Fallen befinden sich auch auf den Raststätten und auf Friedhöfen, denen ebenfalls das besondere Augenmerk der Tigermücken-Jäger gilt. Diese setzen auch auf die Mithilfe der
Bevölkerung, weshalb sie in entsprechenden Gebieten einen Flyer –
„Helfen Sie uns, die Asiatische Tigermücke zu bekämpfen!“ – verteilen.
Über die Reaktionen nach dem Fall in Freiburg ist Norbert Becker voll
des Lobes: „Wir erhielten viele gute Rückmeldungen.“

Über Aushänge und im persönlichen Gespräch wurden die Parzellenpächter und
der Vorstand des Kleingärtenvereins über die aktuellen
Untersuchungsergebnisse und über wichtige Sofortmaßnahmen informiert. Da
es sich bei der dort aufgetauchten Art um einen typischen
Containerbrüter handelt und die Entwicklung vieler Larven bereits weit
vorangeschritten war, wurde unter anderem zur sofortigen, vollständigen
Entleerung und Reinigung potenzieller Brutgewässer aufgerufen. Auch
wurden den Pächtern sogenannte B.t.i.-Tabletten zur Verfügung gestellt –
ein Proteinkomplex, der gezielt Stechmücken abtötet und bei sachgemäßer
Anwendung keine anderen Organismen schädigt.

Der Wirkstoff wird auch gegen Schnaken in der Ortenau eingesetzt – unter anderem per
Hubschrauber im Taubergießen. In diesem Jahr, so scheint es, wird es
noch etliche solche Einsätze geben.

Autor: Norbert Rößler

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