Ursula Bengel ist Schauspielerin und Regisseurin

In ihrem Zuhause fühlt sich Ursula Bengel sichtlich wohl, die Rahmenbedingungen in Sasbachwalden stimmen.
  • In ihrem Zuhause fühlt sich Ursula Bengel sichtlich wohl, die Rahmenbedingungen in Sasbachwalden stimmen.
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Ursula Bengel scheint nur so vor Energie zu strotzen. Erst vor kurzem hat die 53-Jährige ein Bauernhaus in ihrer
Wahlheimat Sasbachwalden fast alleine renoviert, Wände rausgerissen,
Fachwerk freigelegt und verputzt. „Wenn ich nur meine Kunst leben würde,
wäre ich wahrscheinlich schon tot, weil ich völlig abdriften würde“,
sagt die Schauspielerin. Sie brauche das Theater auf der einen, aber das
Leben und Arbeiten in der Natur auf der anderen Seite. „Vielleicht
züchte ich auch einmal Schafe, das ist eine Option, die ganz real im
Raum steht.“ Ob sie jemals dazu kommen wird, ist allerdings fraglich,
denn Ursula Bengel hat jede Menge Ideen und Projekte, die sie in die Tat
umsetzen will.

Die gebürtige Koblenzerin absolvierte ihre Ausbildung in München und ist seit 1989 freie Schauspielerin und
Regisseurin. Es würde den Rahmen sprengen, all ihre Engagements für
Theater, Film und Fernsehen aufzuzählen. Die Stationen reichen von
München und Hamburg bis zum Theater und Festspielhaus Baden-Baden. In
den vergangenen Jahren hat sie immer mehr die Regie „geholt“. Zum ersten
Mal hat Ursula Bengel in den 90er-Jahren am Grimmelshausen-Gymnasium im
Offenburg zusammen mit der Theater-AG ein Stück inszeniert. „Meine
Schwester Claudia war damals Lehrerin am Grimmels“, erzählt sie.

Aktuell ist sie an der Lender in Sasbach aktiv und führt Regie bei einem
Musical, das die Schüler selbst geschrieben und komponiert haben. „Ich
bin dabei nur eine Art Hilfestellung“, sagt sie, „mir ist es ein großes
Anliegen, an Schulen zu arbeiten, die musischen Fächer sind enorm
wichtig, was leider zu oft verkannt wird.“ Dinge wie Konfliktbewältigung
oder soziale Kompetenz seien eben nicht im Mathe-Unterricht zu lernen.
Vier Jahre lang arbeitete sie zuletzt mit dem Grimmelshausen-Spielkreis
Renchen zusammen.

Weil aus diesem und aus anderen Projekten, etwa dem Illenau-Theater in Achern oder der Theater-AG der Realschule
Achern, einige junge Amateur-Schauspieler weiter machen möchten, plant
Bengel derzeit ein eigenes Kinder- und Jugendtheater. „Ich habe sie
entflammt, ich kann sie doch jetzt nicht damit alleine lassen“, so ihre
Motivation. Aber auch ein Theater-Projekt mit Senioren kann sie sich
vorstellen, ebenso ein Theater mit „Nicht-Deutsch-Muttersprachlern“.
„Man kann nur heimisch werden, wenn man die Landessprache beherrscht.
Und wie kann man sie besser lernen, als im Spiel?“, fragt sie. Und: „Ich
möchte diejenigen auf die Bühne und in unser Bewusstsein holen, die wir
sonst zu wenig wahrnehmen.“

„Das Andere Theater“ will sie in Sasbachwalden beheimaten: „Ich möchte mich in ‚meiner‘ Gemeinde mehr
engagieren. Hier fühle ich mich zuhause, das macht mich wirklich
glücklich“, unterstreicht Bengel. Wegen passender Räumlichkeiten für
ihre Pläne ist sie schon im Gespräch mit Bürgermeister Valentin Doll.
Diesem – oder vielmehr der Gemeinde – will sie auch helfen, das Rathaus
nach dem Brand Ende Oktober wieder aufzubauen. Hierfür hat sie schon
drei Benefizveranstaltungen organisiert: Am 19. Januar steht sie mit
ihrem Kollegen Berth Wesselmann in „Love Letters“ auf der Bühne im
Kurhaus Zum Alde Gott, am 8. März steht eine Rocknacht mit drei Bands
aus der Region ins Haus und am 30. März kommt Mara Kayser nach
Sasbachwalden.

„Ich muss selbst wieder mehr auftreten, um mich weiter zu entwickeln und auch mehr Geld zu verdienen“, sagt Bengel. „Das
ist aber die Hölle für mich, gesehen zu werden und die ganze
Aufmerksamkeit zu bekommen. Verrückt, dann solch einen Beruf zu wählen,
nicht wahr?“, fragt sie. Die Schauspielerei sei eine Art Selbsttherapie.
„Ich neige dazu, die Dinge zu tun, vor denen ich am meisten Angst
habe“, bekennt Ursula Bengel. So verfolgt sie auch weiter ihren großen
Traum, zusammen mit Fazil Say, dem berühmten türkischen Pianisten und
Bürgerrechtler, zu arbeiten. „Ich habe ihm ein konkretes
Melodramen-Projekt vorgeschlagen. Aber wer weiß, ob es klappt, in
Kontakt stehen wir jedenfalls“, sagt Bengel, die sich nach eigenen
Aussagen bewusst hohe Ziele stecken müsse, weil sie sonst nicht wachsen könne.

Autor: Daniela Räubig-Santo

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