Rudi Beiser weiß, wie man Heilkräuter findet und nutzt
Wildromantische Ader für die Gaben der Natur

Leidenschaft für Tee und Heilkräuter haben einen Namen: Rudi Beiser.
  • Leidenschaft für Tee und Heilkräuter haben einen Namen: Rudi Beiser.
  • Foto: Bode
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Rudi Beiser nimmt eine Handvoll Pfefferminze. Er drückt das Kraut zusammen und bricht die Pflanze auf, damit die ätherischen Öle in einem bei 80 Grad wohltemperierten Glas Tee zur
vollen Entfaltung kommen können. Wenn der 52-Jährige Kräuterexperte aus
Schuttern Tee „kocht“, ist das kein schnelles Aufbrühen. Es erinnert
eher an die japanische Tee-Zeremonie: „Man schmeckt die Zeit und die
Aufmerksamkeit, die man bei der Tee-Zubereitung aufwendet.“

Die La Luna-Kräutermanufaktur ist dort zufinden, wo auch Rudi Beisers
Anfänge als Heilkräuter-Spezialist liegen. Seit 1993 baut er auf dem
elterlichen Grundstück Tees und Kräuter in akribischer Handarbeit an.
„Bei der maschinellen Verarbeitung gehen zuviele wertvolle Aromen
verloren“, erklärt Beiser den Grund, warum er sich den Namen
„Manufaktur“ ausgewählt hat. „Bei Obst und Gemüse achten wir genau
darauf, wann die Pflanzen reif sind, bei Heilkräutern wird das oft
vernachlässigt.“ Dabei sei es zudem wichtig, nicht nur bei der Ernte den
richtigen Zeitpunkt zu wählen, sondern auch bei der Aussaat. „Anfangs
dachte ich, dass der Mond die wichtigste Rolle dabei spiele. Daher auch
La Luna.“ Mittlerweile habe er aber gelernt, dass die Kraft der Sonne
der entscheidende Faktor ist: „Pflanzen leben durch Licht.“ Eine helle
Vollmondnacht unterstütze zwar das Wachstum der lichtkeimenden Kräuter,
zu voller Reife bringe sie aber nur die Sonne.

Beisers Interesse für Heilkräuter wurde bei der Arbeit auf dem elterlichen Feld geweckt.
„Mich interessierte aber weniger der Anbau, das was da zwischendrin
wuchs, faszinierte mich.“ Die Geschwindigkeit mit der diese „Unkräuter“,
wie sie der Volksmund bezeichnet, emporschossen, beeindruckte den
52-Jährigen. „Ich wollte wissen, was das für Pflanzen sind und was man
mit ihnen anstellen kann.“ Bald wusste er, welche man essen und wofür
man sie gebrauchen kann. Seine berufliche Laufbahn verlief ebenso
wildromantisch wie das Wachstum der Heilkräuter.

Er engagierte sich in der Umweltbewegung, betrieb eine Musikkneipe, in der die
Besucher vegetarisch Essen konnten und leistete Pionierarbeit mit seinem
Naturkostladen, den er Anfang der 80-er Jahre in Oberkirch eröffnete.
„Ich habe damals schon Tee verkauft, war aber immer mit der Qualität
unzufrieden.“ Über die Jahre reifte der Wunsch, den eigenen
Qualitätsanspruch im Eigenanbau zu verwirklichen. Mit der Rückkehr nach
Schuttern begann er auf ein paar 100 Quadratmetern den Anbau der eigenen
Kräuter und Tees. Parallel dazu arbeitete er bis 1996 weiterhin im
Oberkircher Bioladen. So konnte er testen, ob die Qualität ankommt und
ob auch der Preis für die vielen Mühen bezahlt werden würde.

Seine Fachartikel in Zeitschriften fanden eine breite Leserschaft  und so
brachte er 1999 auch sein erstes Buch „das La Luna Kräuterbuch“ im
Selbstverlag heraus. Deutschlandweit als Kräuterfachmann geachtet, kamen
auch bald Verlage auf ihn zu. Sein Bestseller „Tee aus Kräutern und
Früchten: Sammeln, zubereiten, genießen“ ist mittlerweile in sieben
Ländern zu haben.

Auch in Seminaren und Vorträgen gibt er sein erworbenes Wissen weiter. Das ist der Grund, warum er den eigenen Anbau immer mehr zurückfährt. „Wenn die Größe gesprengt wird, leidet die Qualität“, sagt er und weiß, dass er neben seinen vielfältigen
Buchprojekten – Anfang des Jahres erschienen: „Mein Heilpflanzengarten“,
„Essbare Wildkräuter und Wildbeeren“ und „Heilpflanzen finden“ – nicht
auch noch eine expandierende Manufaktur möglich ist. Wichtig ist Rudi
Beiser auch seine Familie. Zusammen mit seiner Frau Helga, die als
Heilpraktikerin die Pflanzen und Informationen aus erster Hand erhält
und zu nutzen weiß, und den beiden Töchtern genießt er auch die Auszeiten.

Golden glänzend dampft der Pfefferminztee aus Beisers Teetasse: Der Duft ein Genuss. Wer davon kostet, weiß nicht nur „mit Pfefferminz ist er der Prinz“ – Beiser ist der König der Kräuter.

Autor: Matthias Stenzel

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