Asiatische Tigermücke bekämpfen
Die Larven sind die Achillesferse
- Was tun, wenn im heimischen Garten Asiatische Tigermücken umhersurren? Darüber informierte der KABS-Biologe Artur Jöst (links) im Kulturhaus.
- Foto: Stadt Kehl/Norman Mummert
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Kehl (st) Seit Anfang April surren sie wieder durch die Stadt: die Asiatischen Tigermücken. Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Stadt und der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (kurz: KABS) im Kulturhaus am Dienstagabend, 21. April, erläuterte der Diplom-Biologe Artur Jöst, woran sich die lästigen Tierchen erkennen lassen, wo sie üblicherweise ihre Eier ablegen und wie sich die Ausbreitung der Tigermücken eindämmen lässt, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung.
Das erste Gelege einer Asiatischen Tigermücke wurde im Oktober 2021 in Kehl entdeckt. Seither wächst die Population der eingeschleppten Stechinsekten rasant. Begünstigt wird die Ausbreitung der eigentlich aus den Tropen stammenden Stechtiere unter anderem durch die Klimaveränderungen. Die heißen Sommer und milden Winter erleichtern es den Insekten, sich hierzulande zu akklimatisieren. Inzwischen ist die Tigermücken-Population in Kehl so groß, dass eine vollständige Ausrottung nicht mehr zu erreichen ist. „Wir haben einen Stand erreicht, an dem sich die Tiere nicht mehr vollständig verdrängen lassen“, konstatierte Artur Jöst. Allerdings: Als Resignation oder Kapitulation vor der Überzahl der Tigermücken will der Biologe diese Aussage nicht verstanden wissen. Stattdessen appellierte er an die rund 30 Besucherinnen und Besucher, dabei mitzuhelfen, die Ausbreitung der Tropenfliegen wirksam einzudämmen. „Die Schnakenbekämpfung ist kein Hexenwerk“, sagte Artur Jöst. Es brauche lediglich die Bereitschaft der Menschen, aktiv zu werden. „Wir sind auf den guten Willen der Bevölkerung angewiesen.“
Brutstätten identifizieren und trockenlegen
Die Asiatische Tigermücke, daran erinnerte Artur Jöst an diesem Abend, legt ihre Eier knapp oberhalb eines stehenden Gewässers ab. Wenn der Wasserspiegel beispielsweise durch Regen steigt und die Eier erreicht, schlüpfen die Larven. Diese leben im Wasser, bis sie sich schließlich verpuppen und als stechfreudige Tigermücke aus dem Kokon steigen. „Die effektivste Methode ist, gegen die Larven vorzugehen“, berichtete Artur Jöst. Die Asiatische Tigermücke ist ursprünglich in tropischen Regenwäldern beheimatet und legt dort ihre Eier in dunkle Baumhöhlen ab, in denen sich Wasser angesammelt hat. Durch die großflächige Rodung tropischer Regenwälder wurde die Asiatische Tigermücke ihrer Brutstätten beraubt und unfreiwillig zu einem Kulturnachfolger.
Auf der Suche nach einer geeigneten Eiablagestelle sucht die Stechfliege nach Plätzen, die ihrer ursprünglichen Brutstätte entsprechen. Dabei sind die Tiere nicht wählerisch. Jedes Gefäß, in dem auch nur ein zentimeterhoher Wassersatz schwimmt, wird von den Tigermücken genutzt. Die Beispiele, die Artur Jöst den Zuhörern zeigte, reichten von Topfuntersetzern, Blumenkästen, Gießkannen und Sonnenschirm-Fußständern bis hin zu verstopften Dach- und Ablaufrinnen, Falten im Gartenpavillon, Grabvasen auf dem Friedhof, Tiertränken, Aschenbechern und achtlos weggeworfenen Joghurtbechern oder Trinkdosen. Selbst in Kabelschächten sowie den Schmutzauffangkörben in Gullys konnten Asiatische Tigermücken nachgewiesen werden. „Alle natürlichen oder künstlichen Behältnisse, in denen mindestens ein Zentimeter hoch das Wasser steht und innerhalb von einer Woche nicht wegtrocknet, sind potenzielle Brutstätten“, brachte es Artur Jöst auf den Punkt.
Gefäße regelmäßig entleeren
Seine Empfehlung: besagte Behältnisse regelmäßig und kontinuierlich zu entleeren, zu säubern und trocken zu legen, und das in einem wöchentlichen Rhythmus. Denn die Larve der Asiatischen Tigermücke entwickelt sich innerhalb von sieben Tagen zum adulten Tier. Ohne Wasser trocknen die geschlüpften Larven allerdings innerhalb weniger Minuten aus und sterben ab. Bei Gefäßen, die sich nicht oder nicht regelmäßig entleeren lassen, wie beispielsweise Zisternen, Regentonnen oder hohlen Baumpfählen, rät der Biologe dazu, diese abzudichten, damit kein Tigermücken-Weibchen hineinschlüpfen kann. Als Eiablagegebiet für die Stechfliegen unattraktiv sind hingegen Pools mit chlorhaltigem Wasser sowie natürliche Gewässer, in denen Fische, Molche oder Libellenlarven leben. Auf deren Speiseplan finden sich auch die Larven der Asiatischen Tigermücke.
Larvengift in Tablettenform
Ebenfalls wirksam gegen die Stechmückenlarven ist der Wirkstoff Bti. Dabei handelt es sich um Eiweißkristalle eines Bakteriums. Für die Larven der Asiatischen Tigermücke, aber auch anderer Schnakenarten, ist Bti giftig. Für Haustiere und Menschen, aber auch für Eidechsen und sonstige Gartenbewohner ist der Wirkstoff hingegen unbedenklich. Eine Bti-Tablette genügt für bis zu 50 Liter. Das Präparat kann zudem in warmem Wasser aufgelöst und anschließend mit der Gießkanne verteilt werden. Artur Jöst empfahl, stehende Gewässer zwischen April und Oktober in einem 14-Tage-Rhythmus mit Bti zu behandeln. Die Tabletten gibt es kostenfrei im Bürgerservice an der Großherzog-Friedrich-Straße. Doch bei dieser Ausgabestelle soll es nicht bleiben: „Wir werden gemeinsam mit der KABS weitere städtische Mitarbeitende schulen, damit die Bti-Tabletten auch auf den Ortsverwaltungen ausgegeben werden können“, kündigte Kora Herrmann, Leiterin der Stabsstelle für Nachhaltige Stadtentwicklung, an.
Wer trotz aller Maßnahmen nach wie vor auf Probleme mit Tigermücken hat, kann sich direkt an die KABS wenden. Unter www.kabsev.de gibt es die Möglichkeit, die Schnakenbekämpfer zu kontaktieren. Die Aktionsgemeinschaft finanziert sich über die Beiträge ihrer insgesamt 94 Mitgliedskommunen, zu denen seit 1996 auch die Stadt Kehl zählt.









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