Stabwechsel bei ba.sic
Josef Lieb löst Jörg Armbruster als Geschäftsführer ab

Josef Lieb (l.) übernimmt von Jörg Armbruster (Mitte) die Geschäftsführung.
  • Josef Lieb (l.) übernimmt von Jörg Armbruster (Mitte) die Geschäftsführung.
  • Foto: Stadt Kehl
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl/Neuried. Der interkommunale Zweckverband ba.sic für das Gewerbegebiet hat einen neuen Geschäftsführer: Josef Lieb, im Hauptberuf Hauptamtsleiter der Gemeinde Neuried, löst Jörg Armbruster ab, der den Zweckverband seit seiner Gründung im Jahr 2002 geführt hat.

Unter seiner Ägide und mit Unterstützung der achtköpfigen Zweckverbandsverwaltung hat sich die jahrelange Hängepartie in eine Erfolgsgeschichte verwandelt. 2018 sind mit den Firmen G.U.T, Graf und Grossmann drei große Ansiedlungen im gemeinsamen Gewerbepark der Stadt Kehl und der Gemeinde Neuried gelungen. Sechs Hektar Fläche sind von weiteren Interessenten reserviert – werden diese Optionen gezogen, stehen nur noch 1,8 Hektar an vermarktbarer Fläche zur Verfügung.

Josef Lieb hat wie Jörg Armbruster das interkommunale Gewerbegebiet von seinen jüngsten Anfängen an begleitet. 1987 hat er bei der Gemeinde Neuried zu arbeiten begonnen; Jörg Armbruster wurde 1989 bei der Stadt Kehl zum Beigeordneten für Bauen, Umwelt und Soziales gewählt. 1990 führte er bereits erste Gespräche mit dem damaligen Neurieder Bürgermeister Herrmann Mild mit dem Ziel, ein gemeinsames Gewerbegebiet auszuweisen. Zwar waren sich Deutschland und Frankreich zu diesem Zeitpunkt schon einig, dass eine Rheinbrücke südlich von Kehl und Straßburg errichtet werden sollte, um die Europabrücke zu entlasten – wann tatsächlich gebaut werden würde, stand jedoch nicht fest. Ohne diese Brücke, die Altenheim mit Eschau verbinden sollte, schien ein gemeinsames Gewerbegebiet südlich von Goldscheuer wenig erfolgversprechend.

Nachdem der Planfeststellungsbeschluss für die heutige Pierre-Pflimlin-Brücke auf der deutschen Seite rechtskräftig geworden war, gaben Kehl und Neuried im Jahr 2000 eine Machbarkeitsstudie für das spätere Gebiet ba.sic in Auftrag. „Die hat viel Geld gekostet und nichts gebracht“, urteilt Jörg Armbruster 18 Jahre später. Von Leitbranchen des 21. Jahrhunderts, also Unternehmen in den Bereichen Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnik, habe man damals vor allem in Kehl geträumt und auch den Bebauungsplan von einem Stuttgarter Büro machen lassen, das ebenso großstädtisch gedacht habe, wie die Verfasser der Machbarkeitsstudie. „Es waren zu viele Rosinen in den Köpfen, weil man dachte, die DAX-Unternehmen rennen uns die Bude ein.“

Nachdem die Pierre-Pflimlin-Brücke im Oktober 2002 schließlich eröffnet worden war, verhandelte Jörg Armbruster 2003 und 2004 gemeinsam mit seinem Neurieder Stellvertreter Klaus Person mit der Starkenburger Grundstücksgesellschaft Essen, in deren Eigentum sich das gesamte Gelände westlich der ehemaligen B36 befand. 2004 wurde ein städtebaulicher Rahmenvertrag geschlossen; im Jahr darauf starb der Inhaber und Geschäftsführer – und wieder kam das ehrgeizige Projekt ba.sic ins Stocken. 2006 legte die Starkenburger Grundstücksgesellschaft mit einer neuen Führungsmannschaft für den westlichen Teil des Gewerbeparks ein Konzept mit einem 70 Meter hohen Hotelturm und einer extrem verdichteten Bebauung vor. Diesen Vorstellungen konnte der Zweckverband nicht folgen.

Als die Gemeinde Neuried 2006 den Bau eines Hybrid-Kraftwerks am Rande des gemeinsamen Gewerbegebiets zulassen wollte, kam es zum offenen Konflikt zwischen den beiden Kommunen, also auch dem damaligen Bürgermeister Gerhard Borchert und Kehls Stadtoberhaupt Dr. Günther Petry. Während man das Biomassekraftwerk in Neuried als Lieferanten von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen als Pluspunkt für ba.sic sah, fürchtete man in Kehl hauptsächlich Geruchsbelästigungen sowie eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und daraus resultierend sinkende Chancen für die Ansiedlung qualitativ hochwertiger Betriebe.

Nachdem sich die Wogen geglättet hatten und die ersten fünf Hektar Fläche in ba.sic erschlossen waren und damit zum Verkauf standen, traf man sich 2007 zu einem interkommunalen Workshop und beschloss, die Erwartungen der Nachfrage anzupassen. Für Jörg Armbruster brachten zwei auf den Workshop folgende Entscheidungen den Durchbruch: Zum einen entschloss sich der Zweckverband, das Gelände westlich der damaligen B36 zu kaufen – heute ist dort unter anderem die Spedition Gutmann ansässig –, zum anderen sollte in ba.sic endlich gebaut werden. So war es die Städtische Wohnbaugesellschaft Kehl, die im interkommunalen Gewerbegebiet das erste Gebäude errichtete. Mit ECG zog siebeneinhalb Jahre nach der Gründung des Zweckverbandes 2010 die erste Firma in ba.sic ein. Ein holpriger Start, „der uns in den Köpfen in Kehl und Neuried noch immer nachhängt“, sind sich Jörg Armbruster und Josef Lieb einig.

Obwohl spätestens 2012 die Wende geschafft war: 14.300 Quadratmeter Fläche wurden an drei Betriebe veräußert – so viel wie noch nie zuvor in der Geschichte des Zweckverbands. Damit wuchs die Zahl der in ba.sic ansässigen Unternehmen auf 18 – sieben davon waren Kehler Firmen, fünf weitere stammten aus einem Umkreis von 30 Kilometern und sechs waren Neugründungen. Knapp die Hälfte des 26,8 Hektar großen Areals, das der Bebauungsplan damals umfasste, waren Anfang 2013 noch frei verkäuflich, ein Jahr später waren es noch knapp 40 Prozent.

Für Jörg Armbruster gehörten Unternehmen aus Kehl von Anfang zum Zielpublikum: Firmen, die Flächen in anderen städtischen Gewerbegebieten freimachten, ermöglichten dort neue Entwicklungen. Als Beispiel nennt er die Firma Adelmann, deren Umsiedlung 2014 in den Gewerbepark ba.sic der Firma Maja an ihrem Standort in Goldscheuer Erweiterungsmöglichkeiten verschaffte. Dennoch zählt der Geschäftsführer 2014 und 2015 zu den „zähen Jahren“. Die Hafenverwaltung habe stets gesagt, erinnert er sich, von zehn Interessenten komme einer. „Ich habe immer gedacht, die machen es falsch“, schmunzelt Jörg Armbruster heute.

Inzwischen läuft es jedoch rund im interkommunalen Gewerbepark – drei große Ansiedlungen sind innerhalb eines Jahres gelungen: Die Firma G.U.T. hat drei Hektar Fläche erworben, Grossmann 1,1 Hektar und die Firma Graf zehn Hektar. Das Unternehmen aus Teningen stellt Tanks und Becken für die Regenwasserrückhaltung und –nutzung her und möchte in ba.sic Kleinkläranlagen für den französischen Markt bauen. Dass der Kaufpreis für das Grundstück am Tag der Amtsübergabe überwiesen wird, ist für Jörg Armbruster wie ein Abschiedsgeschenk. 500 Arbeitsplätze gebe es in Kürze in ba.sic, „langfristig darf man mit 1000 Arbeitsplätzen rechnen“, schätzt der 75-Jährige. Weitere sechs Hektar Fläche sind von Interessenten im interkommunalen Gewerbegebiet bereits reserviert – sollten sich alle Vorhaben konkretisieren, bleiben noch 1,8 Hektar Restfläche, „ba.sic ist praktisch ausverkauft“, konstatiert Jörg Armbruster.

„Wir haben vier Bebauungsplanänderungen im Laufen“, berichtet der Noch-Geschäftsführer, die Firma Maguti wolle zwei große Hallen errichten, eine für Kunststoff-Recycling, eine zur Lagerung von sogenanntem Schwergut – auch hier müssten die Genehmigungsvoraussetzungen noch geschaffen werden. „2019 werden wir in ba.sic wohl vier Großbaustellen haben“, freut sich Jörg Armbruster.

Seinen Stolz auf die erfolgreiche Entwicklung eines Gewerbegebietes, das solche Startschwierigkeiten zu überwinden hatte und auf dessen positive Entwicklung nicht mehr viele zählten, kann er in seinem letzten Bericht als Geschäftsführer nicht verbergen. In seiner Stimme schwingt er ihm eigene Elan mit, er klingt, als wolle er noch jahrelang so weitermachen. Er hört auf, wie er es auch 2006 als erster Beigeordneter der Stadt getan nicht: Nicht, weil ihm die Arbeit keinen Spaß mehr macht, nicht weil er keine Pläne und Ziele mehr hätte, sondern „weil ich mir das vorgenommen habe“. Es sei sein Alter meint er, vor wenigen Wochen hat er seinen 75. Geburtstag gefeiert, jetzt sei es Zeit, die letzte bezahlte Tätigkeit aufzugeben. „Solange die anderen noch sagen, ‚schade, dass er geht‘.“

Nachfolger Josef Lieb, der schon seit 2011 stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbandes ist, macht sich keine Sorgen, dass die Arbeit für ba.sic ausgehen könnte. Die Ansiedlung der Firmen G.U.T. (Fachgroßhandel rund um die Gebäude- und Umwelttechnik) und Graf „waren sehr intensiv in der Vorbereitung“, vor allem weil in beiden Fällen die ba.sic-Flächen allein nicht ausreichten und Erweiterungen sowohl auf Kehler als auch auf Neurieder Gemarkung nötig waren. „Dies zu erreichen, hat viel Anstrengung gekostet“, er sei froh, dass Jörg Armbruster noch dabei gewesen sei. „Ich freue mich sehr, dass die Verträge unter Dach und Fach sind, das Geld ist da, der Knopf ist drauf.“

Jetzt gingen die Gespräche mit Grossmann weiter, die Verhandlungen mit den neuen Interessenten, hier und dort gebe es Änderungswünsche – „wenn es etwas ruhiger wird als in den vergangenen zwei Jahren, ist es nicht schlimm“, konstatiert der neue Geschäftsführer. Jörg Armbruster gibt seinem Nachfolger noch einen Abschiedswunsch mit auf den Weg: Gerade jetzt, wo es so gut laufe, könne man nicht aufhören – ba.sic müsse vergrößert werden. „Die Lage ist optimal, aber der Wille muss da sein“, appelliert er an die Gemeinderäte in Kehl und Neuried.

Josef Liebs neuer Stellvertreter ist ebenfalls einer, der sich schon viele Jahre mit ba.sic beschäftigt: Guido Karsten, Leiter des Bereichs Liegenschaften bei der Stadt Kehl, hat Jörg Armburster 2010 in die Zweckverbandsverwaltung geholt, als Klaus Person aus Neuried aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. „Interkommunale Zusammenarbeit kann man selten erleben, das ist spannend und zum Wohle aller“, nennt er die Gründe dafür, dass er in führender Rolle gerne mitwirken möchte. Wie schon Jörg Armbruster und Josef Lieb lobt auch Guido Karsten das Klima in der achtköpfigen Zweckverbandsverwaltung: „Es ist eine schlagkräftige Truppe, der Austausch funktioniert, man zieht an einem Strang.“ Außerdem könne man die Früchte seiner Arbeit im überschaubaren Verbandgebiet besser wahrnehmen als im Wirkungskreis Stadt.

Mit Jörg Armbruster scheidet auch Martin Krausbauer aus der Verwaltung des interkommunalen Zweckverbands aus. „Er war der Mann, der alles Praktische richtig gemacht hat.“ Jörg Armbruster ist voll des Lobes über den Projektingenieur, für den noch kein Nachfolger gefunden ist. „Auf ihn war immer Verlass“, sagt der scheidende Geschäftsführer. Selbst die Gemeindeprüfungsanstalt habe in Martin Krausbauers Arbeit keinen Fehler finden können.

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