Großer Zulauf in Kehl
Jugendfeuerwehr knackt die Hundertermarke

- Nachwuchsförderung wird bei der Feuerwehr Kehl groß geschrieben.
- Foto: Stadt Kehl
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Kehl (st) Die Jugendfeuerwehr Kehl verzeichnet einen enormen Ansturm: Mehr als hundert Jungen und Mädchen treffen sich inzwischen zu den regelmäßigen Übungsabenden und damit so viele, dass laut einer Pressemitteilung der Stadt Kehl drei Gruppen gebildet werden mussten: Geübt wird im Kehler Norden mit 21 Mitgliedern, in der Mitte mit 57 Mitgliedern und im Süden mit 22 Mitgliedern. Noch vor wenigen Jahren war die Jugendfeuerwehr eine überschaubare Gruppe von etwa 40 Zwölf- bis 17-Jährigen, doch zwei Dinge haben alles verändert.
Eintrittsalter
Zum einen wurde das Eintrittsalter abgesenkt, so dass seit 2018 Kinder ab einem Alter von zehn Jahren mitmachen können. Zum anderen hatte Feuerwehrkommandant Viktor Liehr eine zündende Idee: Sven Hertrich, der Verantwortliche für die Brandschutzerziehung und – im Ehrenamt – für die Jugendfeuerwehr, bietet zusammen mit seinen Teamkollegen der hauptamtlichen Wache den Grundschulen eine Brandschutzerziehung an, die sich in zwei Teile gliedert: einen theoretischen Unterrichtsblock in den vierten Klassen in den jeweiligen Schulen und einen Besuch in der Feuerwache in der Kernstadt.
Zwar werden schon seit Jahrzehnten Schulklassen von der Feuerwehr empfangen; die Kinder schauten sich die Wache und die Fahrzeuge an, durften spritzen und verbrachten einen schönen Vormittag. Den Weg zur Jugendfeuerwehr aber fanden nur wenige Jungen und Mädchen. Mit dem jetzigen Programmpaket kann die Feuerwehr nicht nur besser für den Brandschutz sensibilisieren, der Effekt für die Jugendfeuerwehr ist ungleich größer. Ein Beispiel: Nach der Unterrichtseinheit in der Söllingschule und dem Besuch der Zehnjährigen in der Wache „hat sich die halbe Klasse angemeldet“, berichtet Sven Hertrich, „und es sind tatsächlich alle gekommen“.
Überleitung in aktive Wehr
„Nachwuchsprobleme in der Jugendfeuerwehr haben wir keine mehr“, freut sich Sven Hertrich, und das stärkt auch die aktive Feuerwehr: Konnten in früheren Jahren ein bis zwei Mitglieder der Jugend in die aktive Wehr übergeleitet werden, „sind es jetzt sechs oder sieben“, wie Feuerwehrkommandant Viktor Liehr nicht ohne Stolz berichtet. Und das, obwohl der Jugendfeuerwehr naturgemäß gerade Jugendliche in der Pubertät abhandenkommen: Die größte Gruppe der Mitglieder stellen heute die Elf- bis 14-Jährigen. Während bei den 14-Jährigen noch 13 Jungen und zwei Mädchen dabei sind, bringen es die 15- bis 17-Jährigen zusammengenommen auf zehn Mitglieder, davon zwei Mädchen.
Das ist die Zeit, in denen erste Beziehungen geknüpft werden, die Anforderungen durch die Schule wachsen und andere Hobbys dazukommen. Viktor Liehr und Sven Hertrich, der selbst von der Jugendabteilung in die aktive Wehr gewechselt hat, kennen das Phänomen, wissen aber auch, dass noch weitere Gründe eine Rolle spielen. Zwar werden die Jugendproben „immer so gestaltet, dass sie Spaß machen“, sagt Sven Hertrich, aber dennoch werden die Kinder und Jugendlichen an die Struktur der Feuerwehr herangeführt. Und das bedeutet: Handys sind an den Übungsabenden nicht erlaubt, wer zu spät kommt, wird nach den Gründen gefragt und wenn jemand vom Betreuerteam spricht, herrscht Ruhe. Wenn alle stehen, sitzt keiner auf dem Boden. „Das muss sein, wenn wir die Überleitung in die aktive Wehr wollen“, erklärt Viktor Liehr, dem die Vermittlung der Werte, allem voran Disziplin und Kameradschaft, mindestens so wichtig ist, wie das Erlernen der Brandbekämpfung. „Die Betreuer spielen hier eine wichtige Rolle, sie müssen es vorleben.“
Teamarbeit
Sven Hertrich freut sich über „das tolle Team“, das, ihn mitgerechnet, aus 26 Kameraden besteht. Vier Jugendgruppenleiter sind für die Jugendgruppe Mitte verantwortlich, jeweils zwei leiten die Gruppen Nord und Süd. Unterstützt werden sie von 15 Jugendbetreuern. Die im Mai gegründete Kindergruppe Feuerkehlchen mit ihren acht Kindern im Alter ab sechs Jahren wird von zwei Kindergruppenleitern geführt und von drei Kinderbetreuern unterstützt. Nur weil so viele Feuerwehrangehörige bereit sind, mit dem Nachwuchs zu arbeiten, konnten die Feuerkehlchen gegründet und die Jugendfeuerwehr in drei Gruppen aufgeteilt werden. Fast alle haben selbst in der Jugendfeuerwehr angefangen und wissen um deren Bedeutung für die aktive Wehr. „Ich habe ein relativ junges Team“, sagt Sven Hertrich, und schätzt sich glücklich, „dass auch ein Feuerwehropa“, also ein altgedienter Feuerwehrmann dabei ist. Wenn noch zusätzliche Betreuer gefunden werden, können die Feuerkehlchen geöffnet werden; bislang ist die Gruppe Kindern von Feuerwehrangehörigen vorbehalten.
Trotz der Aufteilung in drei Gruppen wird im Sommer und vor Weihnachten weiterhin gemeinsam gefeiert. Auch am Berufsfeuerwehrtag, an dem die Jugendfeuerwehr einen 24-Stunden-Dienst simuliert, sind alle zusammen. Die Kameradschaft soll unter der Trennung schließlich nicht leiden. In der Jugendfeuerwehr ist sie auch deshalb wichtig, weil der Alters- und Entwicklungsunterschied zwischen Zehn- und 17-Jährigen enorm ist. Das funktioniert nur, wenn die Älteren die Jüngeren unterstützen. Oder die Kinder, die in irgendeinem Bereich Einschränkungen haben. „Wir schicken niemanden weg, jede und jeder darf mitmachen“, das ist Viktor Liehr wichtig. „Jeder hat irgendwo eine Stärke“, ist der Kommandant überzeugt – das gilt auch für die aktive Wehr. „Wenn es am Strahlrohr nicht reicht, dann kann man die Person vielleicht in der IT oder zum Bespielen der Social-Media-Kanäle einsetzen.“ Wer in die Feuerwehrfamilie hineinwächst, kann sich auch in schwierigen Lebenssituationen darauf verlassen, dass es für ihn einen Platz gibt. Viktor Liehr nennt nur eine Einschränkung, die für Kinder und Jugendliche gleichermaßen gilt: „Wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus.“
Proben nach den Sommerferien
Die Jugendgruppe Mitte, also Kernstadt, Neumühl, Kork, Odelshofen, trifft sich am Donnerstag, 18. September, um 19 Uhr in der Feuerwache Am Läger. Die Jugendgruppe Nord (also Bodersweier, Auenheim, Leutesheim, Querbach und Zierolshofen) übt ebenfalls am Donnerstag, 18. September, von 19 Uhr, aber im Feuerwehrhaus in Bodersweier. Die Jugendgruppe Süd (also Goldscheuer, Marlen, Kittersburg, Hohnhurst) kommt am Mittwoch, 24. September, um 18.30 Uhr im Feuerwehrhaus in Marlen zusammen.
Die Proben finden immer im Zwei-Wochen-Rhythmus statt. Ansprechpartner für den Erstkontakt ist der Leiter der Jugendfeuerwehr Sven Hertrich, E-Mail jugend@feuerwehr-kehl.de oder Telefon 07851/883348.


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