Objekte für Ausstellung über die Goldenen Zwanziger-Jahre gesucht
Warum ein Hobel eine Kehl-Geschichte erzählt

Objekte der 1920er-Jahre wie Schaukelpferd oder Hobel
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Kehl (st). Manchmal sind es die unscheinbarsten Dinge oder einfache Gebrauchsgegenstände, die eine Kehl-Geschichte erzählen. So wie der Hobel aus dem Jahr 1923. Er gehörte einst Theodor Bäumle, zuerst gelernter Schreiner und dann Zolldeklarant (heute: Speditionskaufmann). Theodor Bäumle brachte sich nicht nur engagiert in die damalige Siedlungsgenossenschaft Selbsthilfe e.G.m.b.H. ein; er hat im Kronenhof auch selber ein Siedlerhaus errichtet. Sein Hobel wird ebenso wie ein Schaukelpferd aus dem Besitz der Familie Stech Eingang in die Ausstellung im Hanauer Museum finden, die sich mit den sogenannten Goldenen Zwanziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Kehl beschäftigt. Archiv- und Museumsleiterin Ute Scherb hofft auf weitere derartige Leihgaben von Einwohnerinnen und Einwohnern der Kernstadt und der Ortschaften.

Beim Aufräumen hat der ehemalige Kommandant der Kehler Feuerwehr, Gerhard Stech, zu Hause alte Bücher gefunden, die vom Opa seiner Frau Heike stammen. Er berichtete Ute Scherb von dem Fund; man traf sich und dabei zeigte Gerhard Stech den Hobel mit eingebranntem Herstellungsdatum 1923. Das Schaukelpferd entdeckte Ausstellungskurator Volker Ilgen eher zufällig auf Gerhard Stechs Werkbank – es war gerade mit Klarlack überzogen worden, damit die Kalkfarbe nicht weiter abblättern sollte.

Das Schaukelpferd ist eines, wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele hergestellt wurden, doch dieses gehörte der Familie von Theodor Bäumle und wurde über Generationen weitergegeben. Der in der französischen Schweiz geborene Theodor Bäumle lernte zunächst Schreiner und hat den Hobel auch dann noch in seiner heimischen Werkstatt benutzt, als er – begünstigt durch seine perfekten Französischkenntnisse – als Zolldeklarant bei der Firma Seegmüller & Cie. GmbH arbeitete, die damals in der Kinzigstraße ansässig war. Der Hobel dürfte ihm auch dann gute Dienste geleistet haben, als er im Kronenhof sein Siedlerhäuschen errichtete.

In einem Rechenheft hat Theodor Bäumle von Hand Zeichnungen von jedem Stockwerk seines Hauses angefertigt – zuerst als Balkengerippe, anschließend hat er jeden Zwischenraum mit Ziegelsteinen ausgemalt und die genauen Abmessungen eingetragen. Aus seinen Aufzeichnungen geht auch hervor, dass die heutige Kronenhofallee damals Kastanienallee hieß. Auch das Rechenheft wird sich in der Ausstellung „Goldene Zwanziger-Jahre? – Kehl in der Weimarer Republik“ im Hanauer Museum wiederfinden, die ab 30. Juni zu sehen sein wird.

Weil die Vorbereitungen inzwischen auf Hochtouren laufen und das Hanauer Museum aufgrund der besonderen Kehler Geschichte mit den Evakuierungen zu Beginn und am Ende des Zweiten Weltkriegs über wenig eigene Objekte verfügt, sind Museumsleiterin und Ausstellungsmacher Volker Ilgen dringend auf der Suche nach weiteren Gegenständen, die Geschichten aus der Stadt und ihren Ortschaften erzählen. „Für uns können die unscheinbarsten Dinge von Wert sein“, appelliert Ute Scherb an Kehler, sich bei ihr zu melden, wenn sie über Gegenstände verfügen, die in den 1920er-Jahren in Kehler Haushalten oder Unternehmen vorhanden waren.

Alle Leihgaben werden selbstverständlich nach dem Ende der Ausstellung an ihre Eigentümer zurückgegeben. Das Hanauer Museum ist telefonisch unter 07851/882650 oder per E-Mail u.scherb@stadt-kehl.de zu erreichen.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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