Fußnote, die Glosse im Guller
Alles ufert irgendwie aus

Seit März ist die Welt und das Miteinander anders als wir es uns je vorstellen konnten. Anfangs sammelten wir täglich neue Erfahrungen, was alles möglich und nötig ist, um das öffentliche und private Leben einzuschränken. Inzwischen gehören Hygiene, Abstand sowie Mund- und Nasenmasken zum Alltag. Manche Einrichtungen sind weiterhin geschlossen, Großveranstaltungen bleiben vorerst untersagt.

Nein, es war nicht immer gerecht, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Was etwa Kinder und Jugendliche erleiden mussten, bis ihr Alltag sich auch nur ansatzweise wieder in Richtung Normalität bewegte, bleibt schwer erträglich. Elsässische Pendler wurden angefeindet, als sie es wagten, in ihrer Mittagspause oder auf ihrem Heimweg über den Rhein schnell etwas einzukaufen. Die Politik hatte es ihnen untersagt. Heute tun sich die Nachbarn von drüben schwer damit, dass hier – zumindest zu Zeit – die etwas strengeren Corona-Regeln gelten.

Gerecht, welch großes Wort, ist es nie. Wenn schon Bordell-Betreiber einen Tag der offenen Tür machen, um auf ihre tätigkeitslose Zeit aufmerksam zu machen, ist es weit gekommen. Menschen, egal ob Urlauber, Pendler oder Einkaufende, aus zwei westfälischen Landkreisen, wurden von der Ostsee bis Österreich und selbst wenige Kilometer jenseits der Kreisgrenze beschimpft. Anlass war die Missachtung jeglicher Regeln eines einzelnen mehr als großen fleischverarbeitenden Betriebs. Während hier die Diskos zwar öffnen dürfen, ohne dass die Besucher tanzen dürfen, haben deutsche Touristen auf den Balearen mal schnell gezeigt, wie überbordende Stimmung und sinnloses Besaufen früher ein unverständliches Kopfschütteln ausgelöst haben und heute auf ganz andere Reaktionen stoßen.

Vor diesem Hintergrund haben der Bund und die Länder beschlossen, dass "Beschränkungen nicht erforderlicher Mobilität in die besonders betroffenen Gebiete hinein und aus ihnen heraus ... geboten sind", wenn bestimmte Infektionszahlen erreicht würden. Aufgrund der westfälischen Erfahrungen sollen die Gebiete kleiner als Landkreise gefasst werden. Wenn also in A-heim das Virus wütet, sollen die Bewohner nicht mehr ins benachbarte B-bach gehen dürfen. Was passiert künftig mit heimkehrenden Mallorca-Reisenden: Quarantäne oder Pranger?

Das alles ist nicht lustig, zeigt aber: Wir haben die Lage nicht im Griff. Das sollte aber bald geschehen. rek

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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