Fußnote
Aus der Bütt in die Realität

So, der Aschermittwoch ist vorbei, jetzt darf man wieder lustig sein. Denn eine alte Narrenweisheit besagt: Nichts ist so ernst wie die Fastnacht. Das gilt übrigens auch für den Karneval, den Fasching und jede fünfte Jahreszeit – wie immer sie auch nach den örtlichen Gepflogenheiten benannt ist.

Bernd Stelter steht seit 30 Jahren auf den Bühnen – als Fernseh-Comedian und Moderator, Schriftsteller ist er auch und dazu ein alter Fahrensmann in den Bütten des Kölner Karnevals. So reißt er, wie viele andere, an einem Abend mindestens eine Handvoll an Terminen vor schunkelnden und witzsüchtigen Verkleideten ab. Um so verdutzter war er offensichtlich, als sein Witz mit langem Anlauf über weibliche Doppelnamen mit dem prominenten Opfer Annegret Kramp-Karrenbauer als Politikum endete. Eine weibliche Karnevalistin, die unterhalten, aber ob ihres eigenen Doppelnamens nicht als Witzfigur dargestellt werden wollte, sorgte dafür. Der Haussender WDR musste sich erklären, warum er die Sequenz nicht in deutsche Haushalte übertrug. Was war nun lustiger?

Spätestens zu dem Zeitpunkt hätte AKK erkennen müssen, wo die Bewährungsstrafen der deutschen Lustigkeit enden, auch vor dem Stockacher Narrengericht. Witze über das dritte Geschlecht – darf man fragen: wer hat diese Begrifflichkeit erfunden? – gelten damit ab jetzt als Tabu. Zugegeben: Ihre Erklärungsversuche machten das Drama nicht besser.

Es gibt Türken, die machen die besten Witze über ihre eigenen Landsleute. Behinderte finden durchaus Kalauer über Menschen mit Handicaps zum Lachen. Leider ist noch kein(e) Mann/Frau an die Öffentlichkeit gedrungen, die seine/ihre Randgruppe aufs Korn nimmt.

Dafür gibt es Pädagoginnen – hier ist die männliche Form nicht angebracht – die noch ganz andere Minderheiten vor Gespött schützen wollen, ob diese es wollen oder nicht. Indianerkostüme seien nichts für den Nachwuchs, sorgen sich die Kindergärtnerinnen um die Ureinwohner Amerikas.

Nähme man diese Entwicklung ernst, ergäben sich für die Kostümmacher und -innen ungeahnte Schwierigkeiten. Biene Maja ist in Zeiten des Insektensterbens auch zur Minderheit geworden. Piraten gibt es schon lange nicht mehr und auch die Wolfsmaske ist angesichts der reißerischen Taten des Tieres nicht länger ein sicherer Schutz vor Angriffen.

So wird jede Art zu einer Minderheit. Meldet sie sich nicht selbst zu Wort angesichts ihrer vermeintlichen Demütigungen, findet sich an der nächsten Ecke ein Experte, der den Mehrheiten erklärt, was sie nicht hören wollen.

Zum Glück sind die lustigen Wochen vorbei. Doch es wird nicht besser: Denn jetzt bedeutet jedes gesprochene Wort im Zweifel, dass der Aussprechende es so gemeint hat.
Was sagt eigentlich Herr Trump dazu, dass seine Frisur zum Kostüm wurde?
rek

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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