Edeltraut Böhler im Einsatz für Frauenrechte
Einzelkämpferin strickte ein Netzwerk

Der Baum als Abschiedsgeschenk erinnert Edeltraut Böhler an das gemeinsame Wachsen in den vergangenen Jahren des heutigen Frauen- und Familienzentrums.
  • Der Baum als Abschiedsgeschenk erinnert Edeltraut Böhler an das gemeinsame Wachsen in den vergangenen Jahren des heutigen Frauen- und Familienzentrums.
  • Foto: Michel Bode
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl. "Mein Ansatz ist nicht, dass ich weiß, was Frauen wollen. Mich interessiert, wo sie stehen und welche Unterstützung sie brauchen." Edeltraut Böhler hat 1992 das Frauen- und Mütterzentrum in Kehl als Leiterin aufgebaut und das heute bestehende Netzwerk auf die Beine gestellt. Nach 28 Jahren ist sie in Ruhestand getreten von ihrer Arbeit im Frauen- und Familienzentrum, wie es jetzt heißt.

"Von Anfang an ein Traumjob"

"Für mich war das von Anfang an ein Traumjob", berichtet die studierte Sozialarbeiterin. Aufgewachsen ist Böhler in Rheinfelden im Dreiländereck. Die Familie hat dort einen Landgasthof bewirtschaftet. Ihre Mutter und Oma sowie weitere Verwandte organisierten das Tagesgeschäft, zusammen mit ihren zwei Schwestern half sie natürlich immer mit. "Die Küche war unser Wohnraum", erinnert sie sich an  die ersten Erfahrungen in weiblichen Organisationsteams. Nach dem Abitur sucht sie ihre berufliche Zukunft und absolvierte für ein halbes Jahr ein Praktikum in einem Kinderheim in Baden-Baden. "Danach wusste ich, welchen Weg ich gehe." Sie studiert Soziale Arbeit und kommt zur Caritas Bühl. Nach den Geburten ihrer beiden Söhne Anfang der 1980er-Jahren widmet sie ihre Zeit der Familie.

Anfang der 1990er-Jahre fällt die politische Entscheidung für das Frauenzentrum. "Als die Stelle einer Leiterin in Teilzeit ausgeschrieben wurde, war ich sofort Feuer und Flamme", sprüht Edeltraut Böhler vor Energie. Es gilt, in Kehl eine Anlaufstelle für Frauen zu schaffen. Die inhaltliche Nähe zu Organisationen wie Caritas, Diakonie oder dem Sozialdienst katholischer Frauen ist der Anfang für das Netzwerk. Böhler bleibt nicht lange Einzelkämpferin: Auf den ersten verteilten Flyer melden sich 30 Frauen. "Diese Zeit war prägend", sagt Böhler. Viele der Frauen engagieren sich daraufhin als Ehrenamtliche oder über Minijobs für mehrere Jahre. Das offene Café als Ort sich unter Frauen auszutauschen oder die Gemeinschaft in der Nähstube: "Wir haben von Beginn an niederschwellige Angebote gemacht. Wir wollten, dass jede Frau ohne Bedenken zu uns kommen konnte", betont Böhler.

Vielfältige Angebote für alle Frauen

Es entwickeln sich aber auch Gruppen zum gemeinsamen Spielen ebenso wie zur Elternbildung und Erfahrungsaustausch. "Neue Angebote sind stets aus den Bedürfnissen der Besucherinnen heraus entstanden", sieht sich Böhler schnell durch das Konzept bestätigt. Immer gilt es dann auch für sie, die Finanzierung zu stemmen. In der Villa "RiWa", der Stätte für das Frauen- und Mütterzentrum, treffen sich schon damals Frauen unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituation. Vielfalt ist immer das Prinzip. Empathie und Wertschätzung sind für sie wichtige Grundlagen ihrer Berufung, die sie mit Herzblut und Leidenschaft ausübt.

Edeltraut Böhler entscheidet sich 2000, eine berufsbegleitende Fortbildung zur systemischen Familientherapeutin zu machen. Diese Erfahrungen helfen ihr auch beim Einsatz für die Rechte und die Gleichstellung von Frauen. Denn natürlich sind auch Gewalt und Notlagen bei den viele Gesprächen wichtige Themen. "Mein Anliegen war es immer, den Frauen bewusst zu machen, dass sie Unrecht und Unterdrückung nicht hinnehmen müssen und gemeinsam mit ihnen dagegen anzugehen, sowohl im privaten als auch im politischen Leben", sagt Böhler. So ist es für sie auch richtig, dass die Einrichtung inzwischen den Titel Frauen- und Familienzentrum trägt. Auch wenn derzeit Sozialarbeit unter den Einschränkungen leidet, weiß sie, dass der Übergang, bis eine Nachfolgerin ihr Amt übernimmt, gesichert ist. Dennoch gesteht Böhler: "Mit dem Loslassen habe ich mich schon schwer getan". Umso mehr hat sie sich über das Geschenk gefreut: "Der Baum mit den vielen Namen der Frauen und den Handabdrücken der Kinder zeigt, wie wir gemeinsam gewachsen sind. Alles spiegelt sich für mich in dem Bild wider." In den Wochen vor dem Renteneintritt stellt sich Böhler die Frage: "Was kommt, wenn ich plötzlich keine Termine mehr habe?" Sie hat viele Ideen, hat aber auch die Geduld, Dinge auf sich zukommen zu lassen. Tangotanzen mit dem Ehemann gehört zu den Vorhaben, Reisen mit dem Wohnmobil auch. "Zudem liebe ich unseren Garten", freut sie sich auf die Arbeit und Entspannung darin. rek

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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