Jurist und Autor Dr. Gernot Joerger
In Sachen Schuhe ist er geübter Selbstputzer

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Kehl. Wer ein Buch mit "schuhputzigen geschichten" schreibt, dem schaut jeder zuerst auf die Fußbekleidung. Tatsächlich sind Dr. Gernot Joergers Schuhe bei seinem Besuch in der Redaktion tadellos sauber. Der 78-Jährige ist Selbstputzer, weniger aus Überzeugung, denn der Not gehorchend. Was soll er auch tun, wenn es kein anderer für ihn tut. Als Kind musste der gebürtige Acherner für die gesamte 14-füßige Familie die Schuhe putzen. Eine Verpflichtung, die ihn nachhaltig "traumatisierte", wie Gernot Joerger mit einem Augenzwinkern berichtet. Und genau dieses "Trauma" hat er nun mit teilweise sehr amüsanten Geschichten in seinem neusten Büchlein aufgearbeitet.

Bücher und Aufsätze hat der Jurist schon viele geschrieben. Dabei handelte es sich vor allem um Fachliteratur über Verwaltungsrecht, -management und Öffentlichkeitsarbeit. Aber er beschäftigte sich auch mit Karikaturen über Beamte oder Computokraten, außerdem schrieb er über seinen Vater "Max Joerger – Ein Acherner im Ersten Weltkrieg". Letzteres ist kein heiteres Buch, wie der Autor betont: "Es ist eine Geschichte, die deutlich macht, wie Normalbürger den Krieg erlebt haben."

"Ich weiß nicht, ob es ein Schreib-Gen gibt", so Gernot Joerger, "falls ja, dann habe ich es von meinem Vater." Max Joerger war Sparkassenbeamter, Revisor und Heimatforscher. In seiner Freizeit schrieb er viel für die Zeitung. Anlässlich des 150. Stadtjubiläums veröffentlichte er 1958 das Buch "Anekdoten, Schnurren und Geschichten um Alt-Acherner Originale". 1996 gab es eine Neuauflage mit einem Vorwort des Sohnes.

Erste Schreibversuche in der Schülerzeitung

Dieser liebäugelte sogar damit, Journalist zu werden. "Meine ersten Schreibversuche machte ich in der Schülerzeitung", erzählt der verheiratete zweifache Vater und vierfache Großvater. Dann studierte er Jura in Freiburg und Berlin, zuletzt aber mit immer weniger Überzeugung. Doch ein Professor gab ihm den Rat: "Jetzt sind Sie so weit gekommen, machen Sie auf jeden Fall das Examen." Joerger folgte ihm, um festzustellen: "Die Referendarzeit war so interessant, dass ich beschloss, da bleibe ich dabei." Immerhin promovierte er zu dem Thema Gefängnispresse. Außerdem arbeitete er nebenbei als Journalist, verfasste Radiofeatures oder Glossen über Amtmänninnen oder "Wie man Bürger als Beamter ärgern kann".

Hauptberuflich ging Gernot Joerger aber zur Landesverwaltung. Damals wurden die badischen Landesbeamten ins Schwabenland geschickt und umgekehrt. Das Ziel dahinter war, das Gefühl für das gemeinsame Baden-Württemberg zu stärken. So wurde der Acherner Assessor in Saulgau, wo er auch erste Lehrerfahrungen sammelte: "Ich durfte junge Menschen des gehobenen Dienstes in Verwaltungsrecht unterrichten." Die Lehre machte ihm so viel Freude, dass er später Professor für Verwaltungsrecht und -management an der Hochschule in Kehl wurde. Als solcher animierte Gernot Joerger seine Studenten auch immer, praktische Zeit im Ausland zu verbringen, um den eigenen Horizont zu erweitern. Das tat er selbst ebenfalls: "Ich wollte immer wieder Praxis schnuppern." So verbrachte der Jurist ein Viertel Jahr in Togo. An der nationalen Verwaltungshochschule in Lomé fielen regelmäßig überraschend viele Studenten durch das Examen: "Ich wurde gebeten, gemeinsam mit einer Psychologin einen Kurs zu entwickeln, wie man richtig lernt." Vor Ort stellte er dann fest, unter welchen Bedingungen dort teilweise studiert werden musste. So wurde es bereits um 18 Uhr dunkel und die Wohnungen waren ohne Strom. Die Studenten setzten sich dann mit ihren Büchern unter Straßenlaternen.

Seither besuchte er viele Länder auf nahezu allen Kontinenten, hielt Vorträge, war als Berater oder Dozent tätig, nahm an Konferenzen teil oder leitete Workshops, auch nach seiner Pensionierung 2005. Die Aufzählung der beruflichen Aktivitäten des überzeugten Europäers und Weltenbürgers Joerger, der in Kehl lebt, würde hier den Rahmen sprengen. Eins sei allerdings erwähnt: Er war immer mit tadellos geputzten Schuhen unterwegs. Seine "schuhputzigen geschichten" gibt es in den Buchhandlungungen Büchermehr in Achern und Baumgärtner in Kehl oder nach Mail an joerger@hs-kehl.de.
Anne-Marie  Glaser

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Gernot Joerger ist promovierter Jurist, Autor  und in Sachen Schuhe Selbstputzer. Über Letzteres hat er nun ein Büchlein geschrieben. Foto: Michael Bode

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