Landwirtin des Jahres Anne Körkel
Landwirtschaft und Tierwohl sind vereinbar

Ihre artgerecht gehaltenen Hähnchen brachten Anne Körkel die Auszeichnung "Landwirtin des Jahres" beim Ceres Award ein.
  • Ihre artgerecht gehaltenen Hähnchen brachten Anne Körkel die Auszeichnung "Landwirtin des Jahres" beim Ceres Award ein.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Christina Großheim

Kehl. Wer mit Anne Körkel spricht, merkt gleich: Sie kommt nicht aus dem "Ländle", ihr Akzent ist norddeutsch. Die 33-Jährige lacht, als sie darauf angesprochen wird: "Ich bin in Hamburg geboren, bin aber in Lüneburg auf einem großen Bauernhof aufgewachsen." Schon früh war sie sicher, Landwirtin, das ist ihr Traumberuf: "Das Draußensein, die Arbeit mit den Tieren, das war es für mich." Doch ihr Vater schüttelte nur den Kopf und empfahl der Tochter: "Lerne etwas Vernünftiges." Denn damals, so Anne Körkel, hätten Landwirte ohne einen eigenen Hof keine Perspektive gehabt. "Heute ist das anders", macht sie deutlich.

Hinzu kommt, dass der Beruf bis vor kurzem eine reine Männerdomäne war. Doch ihren Wunsch ausreden, ließ sie sich nicht. "Wir mussten erst einmal einen Lehrbetrieb finden, der überhaupt Frauen nahm", erinnert sie sich. Anne Körkel suchte und wurde fündig: "In meiner Heimat gab es nur zwei Betriebe: ein Viehbetrieb mit 30 Sauen und 30 Kühen und einen mit 10.000 Hühnern, damals noch in Käfighaltung." Schon zu dieser Zeit zeigte sich eine ihrer herausragenden Eigenschaften – die Neugier auf etwas Neues, der Wunsch, sich auf möglichst vielen Gebieten auszukennen: "Ich wollte mir alles angucken und mich möglichst breit aufstellen." Deshalb lernte sie in beiden Betrieben.

Nach ihrem Abschluss entschied sie sich für ein Studium an der Fachhochschule. Und sie engagierte sich schon immer ehrenamtlich in der Bundeslandjugend. "Da habe ich zum ersten Mal Landwirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit zusammengebracht", so Anne Körkel. Denn die junge Frau verschloss die Augen vor den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht. "Irgendwie habe ich verstanden, warum die Menschen begannen, die Landwirtschaft so kritisch zu hinterfragen."

Aus Liebe vom hohen Norden in den Süden

Nach Südbaden brachte sie die Liebe: "Mein Hobby ist Leistungspflügen. Ich war Landesmeisterin in Niedersachsen." Bei einem Wettbewerb auf Bundesebene lernte sie ihren Mann, Sebastian Körkel vom Kirschhof in Bodersweier, kennen, der selbst schon den Titel im Leistungspflügen geholt hatte. Aus Liebe zog sie vom hohen Norden in den Südwesten der Republik. "Von 2011 bis 2015 arbeitete ich beim Bauernverband Südbaden (BLHV) in der Öffentlichkeitsarbeit", so Anne Körkel. "Ich hatte den Job immer als Brücke zwischen den Landwirten und den Verbrauchern gesehen. Das hat mir stets gefallen." 

Als ihre Tochter Lotte 2015 auf die Welt kam, hing sie ihren Beruf als Pressesprecherin an den Nagel. "Ich dachte, wenn ich Mutter bin, dann bin ich Mutter", erzählt sie. Doch die umtriebige und ideenreiche junge Frau merkte schnell, dass ihr etwas fehlte. "Also dachte ich darüber nach, was ich tun könnte." Auf jeden Fall etwas in ihrem Beruf als Landwirtin, denn sie hatte nie vergessen, was ein Bauer bei einem ihrer Vorträge beim BLHV zu ihr sagte: "Sie haben gut reden, sie müssen das nicht machen."

Die Grundidee war etwas mit Hühnern zu machen. "Zunächst wollte ich Legehennen halten, die die Verbraucher mieten können, um so frische Eier zu bekommen", schildert Anne Körkel, wie die Idee zu ihren "Ha(h)nauern" enstanden ist. Nachdem sie sich in der Region umgehört hatte, stellte sie fest: "Was fehlt sind Hähnchen." Das war kurz nach dem "Wiesenhof-Skandal". "Mir war von Anfang an klar, dass ich keine 40.000 Tiere halten wollte." Sie stieß auf das Konzept eines mobilen Hühnerstalles, in dem nur eine bestimmte Anzahl von Tieren Platz hat. "Das hat mir zusagt, denn ich vernichte keine Ressourcen. Schließlich wird der Stall nach jedem Durchgang versetzt und der bereits genutzte Standort wird ein Jahr sich selbst überlassen." Dank dieses Systems hatte sie bislang keine Probleme mit Krankheiten – und das seit drei Jahren. Denn sie kümmert sich intensiv um "ihre" Hähnchen: "Anders geht es nicht."

Das Vertrauen ihrer Kunden hat sie sich durch große Transparenz, auch in den sozialen Netzwerken, erworben. Dass ihr Konzept aufgeht, macht sie stolz. "Mit dem, was ich den Landwirten immer vermitteln wollte, habe ich recht gehabt", stellt die zweifache Mutter fest. Wie gut und erfolgreich ihre Arbeit ist, beweist der Ceres Award in der Kategorie Unternehmen, der ihr im Oktober verliehen wurde.  Christina Großheim

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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