Fußnote, die Glosse im Guller
Nikolaus geht mit der Zeit

Eigentlich sollte ich nichts gegen Franken sagen, an dieser Stelle schon gar nicht. Aber das sind rein private Gründe. Daran halte ich mich, dass der Norden Bayerns auch dieses Mal nicht schlecht wegkommt. Denn die Vielfalt der Biere, der Sportartikel und der Lebkuchen suchen ihresgleichen meist vergebens. Kreativ können die Franken sein – und auch stur, meist erst recht, wenn sie im Gegenwind stehen.

Diesen erfährt gerade ein Konditor, der, so lassen es die kursierenden Fotos erscheinen, sein Handwerk versteht. Er macht, der Jahreszeit angemessen, gerade eine Reihe von Nikoläusen. Die haben alles, was so ein Mann braucht: einen Mantel, Handschuhe, eine Mütze oder wahlweise eine bischöfliche Mitra auf dem Kopf und einen beladenen Sack auf dem Rücken. Er schaut mit freundlichen Augen seine Betrachter an. Vielmehr sieht man nicht von dem Schoko-Nikolaus. Denn genau wie sein menschlicher Betrachter hat das gegossene Ebenbild des Nikolauses eine Maske über Mund und Nase – allerdings nicht aus Stoff, sondern aus süßem Marzipan. Die Maske sticht ins Auge, weil sie nicht in Braun und Weiß wie die Schokolade gehalten ist, sondern in sattem Rosa.

In Bad Königshofen im Grabfeld, so heißt der fränkische Ort in der Rhön, scheint man Humor zu haben, sonst hätte der Konditormeister es sicher nicht gewagt. Zumal er betont, niemandem auf die Füße treten zu wollen mit diesem kleinen Gag. Doch inzwischen ist die ganze Welt ein Dorf und so erntete der Beitrag der lokalen Tageszeitung über die Schokokreation übelste Beschimpfungen und Beleidigungen ob der maskenhaften Verunglimpfung. Bis den Humorlosen wohl die Luft ausgegangen ist. Dann gewannen die Freunde des gepflegten Zeitgeistes die Überhand. Es folgte jede Menge Zustimmung und, in Zeiten der Krise besonders erfreulich, die Belohnung in Form von Bestellungen.

Sucht man auf der Landkarte diese Gemeinde, findet man sie nahe der früheren innerdeutschen Grenze. Beheimatet ist dort zudem ein Museum für Grenzgänger. Im übertragenen Sinn erweist sich der Konditor diesem Ansatz als gerecht.

Im Frühjahr war der Mundschutz für viele Menschen noch befremdlicher und, im Gegensatz zu heute, kein Muss. Der Zuckerbäcker war aber schon damals ein humoristischer Grenzgänger und der Zeit weit voraus. Sein Osterhase mit Mundschutz blieb damals ohne diese negative Resonanz und hat ihn offensichtlich dazu verleitet, seine Idee zu kopieren. Ob jetzt das Kind in der Krippe mit Maske kommt? Die Welt schaut nach Franken. rek

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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