49. Tag der Landesgeschichte
NS-Verbrechen in der Ortenau im Fokus

Rund 55 Lehrkräfte und Studenten beschäftigten sich beim 49. Tag der Landesgeschichte in der Schule mit den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen in der Ortenau und deren Vermittlung im Unterricht.  | Foto: Denise Burkart/Stadt Oberkirch
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  • Rund 55 Lehrkräfte und Studenten beschäftigten sich beim 49. Tag der Landesgeschichte in der Schule mit den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen in der Ortenau und deren Vermittlung im Unterricht.
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Oberkirch (st) Die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen und ihre Auswirkungen in der Ortenau standen im Mittelpunkt des 49. Tags der Landesgeschichte in der Schule. Rund 55 Lehrkräfte und Studenten beschäftigten sich mit der regionalen Psychiatriegeschichte und der Vermittlung der NS-Verbrechen im Unterricht. Die jährliche Fortbildungsveranstaltung fand im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg am Hans-Furler-Gymnasium in Oberkirch statt.

Verantwortung der Schulen

Bürgermeister Christoph Lipps begrüßte die Teilnehmer in der Heimattagestadt und unterstrich die Bedeutung der regionalen Geschichtsvermittlung. „Geschichte umfasst weit mehr als nur die großen, bekannten Ereignisse“, erklärte Lipps. „Geschichte ereignet sich tagtäglich unmittelbar vor der eigenen Haustür.“ Schulleiter Ingo Kruse betonte die Verantwortung der Schulen. Es sei „unsere tiefste Überzeugung und Pflicht, die Erinnerung an die Gräueltaten in der NS-Zeit wach zu halten“. Regionale Biografien ermöglichten Schülern einen greifbaren, emotionalen Zugang zur Vergangenheit, der über die Theorie der Schulbücher hinausgehe.

Wie groß das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen war, verdeutlichte Florian Hellberg vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) in seinem Einführungsvortrag. „Rund 10.600 Menschen wurden alleine in Grafeneck im Rahmen der Aktion T4 von Januar bis Dezember 1940 umgebracht“, erklärte er. Anhand einer dreidimensionalen Visualisierung zeigte Hellberg die systematische Organisation und Ausweitung der Tötungen. Zugleich erläuterte er, wie eng die verschiedenen Maßnahmen der nationalsozialistischen Rassenpolitik miteinander verflochten waren und zahlreiche Lebensbereiche durchdrangen.

Weitere Fachvorträge geschichtswissenschaftlicher und -didaktischer Experten befassten sich mit den SS-Medizinern des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, der Arbeit mit NS-Sondergerichtsakten im Unterricht sowie gehörlosen Jugendlichen in der Hitler-Jugend.

Am Nachmittag stand mit einem Besuch in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Illenau in Achern ein regionaler Erinnerungsort im Mittelpunkt. Mindestens 260 Patienten der Illenau wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde getötet. Der damalige Anstaltsleiter Dr. Hans Roemer versuchte, Deportationen zu verhindern oder zu verzögern, befürwortete jedoch zugleich Zwangssterilisationen. Das Illenau Arkaden Museum und der Gedenkweg mit dem Mahnmal „Gedächtnislücke“ erinnern heute an die Opfer und ermöglichen eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes.

Veranstaltet wurde die Fortbildung vom Kompetenzzentrum für Geschichtliche Landeskunde im Unterricht am ZSL, der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Stadt Oberkirch.

Rund 55 Lehrkräfte und Studenten beschäftigten sich beim 49. Tag der Landesgeschichte in der Schule mit den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen in der Ortenau und deren Vermittlung im Unterricht.  | Foto: Denise Burkart/Stadt Oberkirch
Bürgermeister Christoph Lipps begrüßte die Teilnehmer des 49. Tags der Landesgeschichte in der Schule am Hans-Furler-Gymnasium und betonte die Bedeutung der regionalen Geschichtsvermittlung.  | Foto: Denise Burkart/Stadt Oberkirch

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