Ortenau Klinikum in Oberkirch
Schließung ab Oktober rückt näher

Das Klinikum in Oberkirch soll seinen stationären Betrieb zum 30. September einstellen.
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Offenburg/Oberkirch (mak). Der Krankenhausausschuss des Ortenaukreises hat am vergangenen Donnerstag, 15. April, bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung mehrheitlich beschlossen, den stationären Klinikbetrieb in Oberkirch zum 30. September einzustellen. Folgt der Kreistag dem Empfehlungsbeschluss in seiner Sitzung am 4. Mai, wird der Standort Oberkirch in ein Zentrum für Gesundheit umgewandelt. 

Bedingung für die Schließung

Die Schließung der Betriebsstätte erfolgt aber nur dann, wenn eine Notfallsprechstunde - wochentags von 19 bis 21 Uhr, an Wochenenden jeweils zwei Stunden am Samstagvormittag und Sonntagnachmittag sowie feiertags zwei Stunden am Tag - in Oberkirch eingerichtet und eine Durchgangsarzt-Zulassung der Berufsgenossenschaft innerhalb des kreiseigenen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Oberkirch vorliegt. Nach intensiven Gesprächen und Vorbereitungen mit allen Beteiligten gehen der Landkreis, das kreiseigene Medizinische Versorgungszentrum sowie das Ortenau Klinikum davon aus, dass diese in einem Ergänzungsantrag von Kreisräten aus dem Renchtal formulierten wesentlichen Voraussetzungen für eine Umwandlung bis zum 1. Oktober umgesetzt sind.

Die Umwandlung in ein Zentrum für Gesundheit soll Mitte des Jahres 2023 abgeschlossen sein. Zu den Gründen, warum die Schließung jetzt doch deutlich früher als ursprünglich geplant erfolgen soll, erklärte Landrat Frank Scherer:  "Zum einen geht das Patientenaufkommen zurück und zum anderen sind wir mit Personalengpässe konfrontiert, da junge Nachwuchskräfte insbesondere im ärztlichen Bereich kleinere Standorte aufgrund des geringen Leistungsspektrums zunehmend meiden. Es ist gelungen, ein tragfähiges Konzept für eine lückenlose medizinische Versorgung zu entwickeln. Ein positiver, aber kein vorrangiger Aspekt ist die Tatsache, dass wir damit Einsparungen beziehungsweise eine Reduzierung des Schuldenaufwuchses erreichen. Je früher, desto besser." Es sei ihm lieber, der Kreistag investiere zehn Millionen Euro in die Zukunft, als in die Vergangenheit.

Diese Kosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro seien bereits in der Agenda 2030 eingepreist, erklärte Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau Klinikums.

Modellprojekt

Das Medizinische Versorgungszentrum soll nach seiner Fertigstellung über 44 Genesungsbetten verfügen. Hierbei handelt es sich um ein Modellprojekt, dessen Finanzierung noch weder im Bund oder Land geklärt ist. Landrat Scherer sei der Kreis jedoch bereit, diese Kosten gegebenenfalls zu stemmen. 

Gegner der Klinikschließung wie der Runde Tisch Oberkirch, die sich für einen Erhalt des Standortes engagieren, bezeichneten in einem offenen Brief an Landrat und Kreistag am Morgen der Ausschusssitzung das Nachnutzungskonzept als "Etikettenschwindel". 

Dem widersprach Oberkirch Oberbürgermeister Matthias Braun. Der Runde Tisch habe Unrecht, wenn er behaupte, dass es keine medizinische Versorgung im chirurgischen und internistischen Bereich gebe. "Es entsteht kein medizinisches Vakuum", so Braun. Und weiter: "Ich würde heute auch lieber über einen Klinikneubau in Oberkirch sprechen, aber Politik muss sich am Machbaren orientieren. Wir haben eine Nachnutzung mit innovativen Ansätzen auf den Weg gebracht."

Betrieb von Hebammenpraxis bleibt unberührt

Sollte der Kreistag eine Schließung des stationären Krankenhausbetriebes in Oberkirch zum 1. Oktober beschließen, wäre damit ein Baubeginn für die Bereiche MVZ und Pflegeheim im August 2021 mit Eingriffen im Bestand sowie erforderlichen Rückbauten möglich. Die Inbetriebnahme der MVZ-Praxen im Klinikgebäude ist bereits für Oktober 2021 vorgesehen. Das Pflegeheim ist voraussichtlich ab März 2023 bezugsfertig.

Der Betrieb der Hebammenpraxis bleibt von den baulichen Umbaumaßnahmen unberührt Auch der ambulante OP kann durchgängig während der Bauzeit betrieben werden. Die im Konzept des „Zentrum für Gesundheit Oberkirch“ vorgesehenen Genesungsbetten sollen gemeinsam mit den stationären Pflegebetten ab 2023 in Betrieb genommen werden. Die bis dahin verbleibende Zeit soll für eine Klärung zur möglichen Finanzierung genutzt werden.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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