20 Jahre Goldenes Buch der Stadt
Erinnerung für die Stadtgeschichte

Reinhold Schäfer bei seiner Arbeit am Goldenen Buch.
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  • Reinhold Schäfer bei seiner Arbeit am Goldenen Buch.
  • Foto: Gabriel/Stadt Offenburg
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Offenburg (st). Das Gästebuch der Stadt Offenburg gibt es seit 2001. Es ist hier das erste Buch dieser Art. Der erste Eintrag erfolgte am 14. Januar 2001 – anlässlich der Gründung der Offenburger Bürgerstiftung St. Andreas. Seither haben sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Kunst, Kirche, Kultur und Sport sowie Gäste der Stadt bei Jubiläumsveranstaltungen und anderen Festlichkeiten eingetragen. Mehrere Seiten sind anlässlich der 60. BAMBI-Verleihung 2008 in Offenburg den dortigen Preisträgern gewidmet.

Ein „Goldenes Buch“ ist ein in Kommunen häufig verwendetes Buch, in dem sich Ehrengäste während eines Besuchs oder zu einem besonderen Anlass eintragen dürfen – in der Regel im Rahmen eines festlichen städtischen Empfangs. Die Bezeichnung ist sinnbildlich, aber auch wörtlich in Bezug auf den Goldschnitt der Seiten und Vergoldungen am Einband zu verstehen. Oftmals sind die Bücher schwere, in Leder gebundene Folianten. In Offenburg ist es, passend zur Stadtfarbe, rot. Roter Ledereinband mit goldenen Lettern und dem Stadtwappen. Gewicht: mehr als drei Kilogramm. Die Gäste-Einträge werden bei der Stadt Offenburg von Reinhold Schäfer, einem extern beauftragten Kalligraphen in zeitintensiver, feiner Handarbeit gestaltet, nachdem der Eintrag erfolgt ist.

Dort geht der 74-Jährige routiniert vor: Nachdem die Gestaltung am PC erfolgt ist, wird die Buchstabenhöhe mit dem Stechzirkel abgemessen. Die Linien werden ganz leicht mit dem Bleistift vorgezeichnet, ebenso die Schrift. Hierbei verwendet der Grafikdesigner eine klassische Antiqua-Schrift mit Serifen. Mit einer Bandzugfeder wird nun Buchstabe für Buchstabe aufgetragen – den Anthrazit-Farbton mischt sich Schäfer selbst aus der Gouache, einem wasserlöslichen Farbmittel aus gröber vermahlenen Pigmenten unter Zusatz von Kreide.

Sind alle Textzeilen fertig, werden mit einer Ziehfeder die Schmuckelemente und das Stadtwappen übertragen. Letzteres wird mit Gold auf einem roten Untergrund gemalt, erhält noch einen Lack mit Spezialeffekt – so wirkt es noch hochwertiger.
Schäfer muss hier hochkonzentriert arbeiten, klassische Musik zur Begleitung tut ihm dabei gut.

"Ehrenvolle Aufgabe"

Dass er Seiten von Besuchen mit hochrangigen Persönlichkeiten gestalten darf, wie beispielsweise der Bundeskanzlerin Angela Merkel, macht Schäfer stolz. „Es ist schon eine besonders ehrenvolle Aufgabe“, sagt er. Bereits in der Schule bekam er für die Heftführung immer Sternchen, sein Talent lag hierbei schon im Zeichnen und im Werken. Der Berufswunsch Richtung Grafik stand also schon früh fest. Nach seiner Ausbildung zum grafischen Zeichner, was vergleichbar mit dem heutigen Mediengestalter ist, folgte an der Fachhochschule für Gestaltung ein acht Semester langes Studium, das er als Grafikdesigner abschloss. Besonders freut es den Senior, dass er noch ohne Brille oder Vergrößerung solche Arbeiten machen kann. Aber die Konzentration lasse langsam nach, muss er sich eingestehen. Um fit zu bleiben, sind zwei Mal wöchentlich morgendliche Joggingrunden um Goldscheuer Pflicht. „Hier kann ich die innere Ruhe schöpfen, die ich für meine ‚Arbeit‘ brauche“, so Schäfer.

Für die "Narhalla nelraM" entwirft er die Bühnenbilder, fertigt Holzschnitte an und gestaltet Urkunden für besondere Anlässe der Gemeinde. Orden und Einladungen entspringen ebenfalls seiner Feder. Seine große Liebe zum Handwerk ist auch einem weiteren Hobby anzumerken: als Mitglied der Modellflugsportgruppe Schutterwald/Müllen geht er dem Flugmodellbau nach.

Reinhold Schäfer bei seiner Arbeit am Goldenen Buch.
Eine fertig gestaltete Seite des Goldenen Buches
Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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