Aufstehen gegen Rassismus kontra AfD
Gegendemo verblüffte mit schweigendem Protest

Die Polizei achtete auf Trennung der Lager.
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Offenburg (ag). Damit hatte der AfD-Abgeordnete Stefan Räpple nicht gerechnet. Als der Zug der Gegendemonstranten vor dem Offenburger Rathaus am Samstag ankam, hielten diese zwar Schilder und Plakate hoch, sagten aber kein Wort. Selbst als ihnen aus dem Räpple-Lager Provokationen entgegenrufen wurden, blieben sie weitgehend still.

Yannik Hinzmann, Mitinitator der Gegendemo von Aufstehen gegen Rassismus Offenburg hatte zuvor die Parole ausgegeben: "Es ist ein Schweigemarsch aus Respekt vor dem Mordopfer und den Hinterbliebenen. Trillerpfeifen und Sprechchöre wären nicht angebracht." So wurde gegen die Demo von Stefan Räpple schweigend ein Zeichen gesetzt. Dieser hatte nach dem Mord an dem Offenburger Arzt (wir berichten) zur Mahnwache und zum Protest gegen die Asylpolitik aufgerufen. Tatverdächtiger ist ein Asylbewerber aus Somalia.

Beide Lager konnten jeweils etwa 300 Teilnehmer aktivieren, die durch ein Absperrgitter und Polizisten getrennt waren. Dazwischen am Rand standen zahlreiche Zaungäste und staunten. "Ich sehe zwei Lager, die sich unter Polizeibeobachtung schweigend gegenüber stehen und böse anschauen", wunderte sich Rolf Leonhardt als einer der zufällig dazugestoßenen Passanten.
Es sollte aber nicht so ruhig bleiben. Räpple hatte zunächst kein Mikrofon dabei. Das Auto mit der Technik stecke auf der Autobahn. Mit halbstündiger Verspätung kam dieses aber doch an und die AfD nutzte das Schweigen der Gegner für Reden. Tatsächlich fiel es manchem Gegendemonstranten sichtlich schwer, sich diese einfach nur anzuhören. Immer mal wieder gab es doch höhnisches Gelächter, Buhrufe oder Einwürfe. Yannik Hinzmann nahm immer mal wieder Einzelne beiseite und bat um Mäßigung. Und tatsächlich hielten sich die meisten daran.

Selbst Stefan Räpple zeigte sich gegenüber dem Guller vom Schweigen der Gegner beeindruckt. Gegen 15.30 Uhr löste sich das Ganze dann mit halbstündiger Verspätung, aber friedlich auf. Wie viele Beamte vor Ort waren oder bereitstanden, darüber wollte die Polizei keine Angaben machen. Die Einsatzkräfte hatten die Situation aber immer gut im Griff.

Auf die Frage warum sie Räpples Aufruf gefolgt war, sagte Valentina Hansen: "Es geht hier um den sinnlosen Tod eines Menschen, aber auch um eine verfehlte Asylpolitik. Ich habe Angst." Eine Frau, die namentlich nicht genannt werden wollte, erklärte: "Ich bin enttäuscht, dass die Oberbürgermeisterin heute nicht hier vor Ort ist und persönlich zu dem Fall Stellung nimmt."

Im Lager der Gruppe Aufstehen gegen Rassismus Offenburg zeigten sich die Teilnehmer im Gespräch mit der Guller-Redaktion ebenfalls entsetzt über den Mord. Sie warfen Räpple aber vor, den Mord zu instrumentalisieren, um Ausländerhetze zu betreiben. "Jeder ist individuell für seine Taten verantwortlich. Wir dürfen aufgrund einer fürchterlichen Tat nicht gleich auf eine ganze Gruppe schließen", sagte Nicolas Uhl.

Natali Bergen engagiert sich in der Flüchtlingshilfe Rebland und betreibt mit ihrem Ehemann eine Facharztpraxis in Offenburg. Sie kenne bislang "nur" verbale Angriffe. Einmal sei ihr mit der Faust gedroht worden. "Ich weiß nicht, was das Mordmotiv war", betonte sie, aber eine zunehmende Zahl an Patienten reagiere aggressiv, weil sie monatelang auf einen Termin warten oder Medikamente selbst bezahlen müssten. Trotzdem wehre sie sich dagegen, wenn pauschal behauptet werde, es seien die Flüchtlinge, die unser Land aus dem Gleichgewicht brächten.

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