Leihmutterschaft
Warum ein Offenburger Paar seine Haltung änderte
- Der Klapperstorch – Symbol für die Erfüllung des Kinderwunsches
- Foto: Lea Wölfle
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Offenburg Hätte früher jemand Matthias und Karl H. gefragt, ob sie ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter realisieren würden, wäre die Antwort klar gewesen: Nein! Ja, das Paar wünschte sich immer schon Kinder. "Aber nicht zu jedem Preis", wie Karl H. im Gespräch mit der Guller-Redaktion betont. Damals kannten die beiden nur Berichte über Länder, in denen Leihmütter auf menschenunwürdige Art und Weise ausgebeutet wurden – für sie ein absolutes No-Go. Inzwischen sind sie glückliche Väter von dem fast vierjährigen Leon und dem zweieinhalbjährigen Dominik. Beide wurden von Mary geboren, einer Leihmutter in den USA.
Adoption
Das Paar steht zu sich und seiner Entscheidung. Da es aber nicht nur um sie selbst, sondern auch um ihre zwei Söhne geht, wurde vereinbart, die Namen in diesem Bericht zu ändern. 2010 kamen Matthias und Karl H. zusammen. 2021 wurde standesamtlich geheiratet. Und sie wollten eine Familie gründen. "Keinem von uns war es wichtig, leibliche Kinder zu bekommen", sagt Matthias H. Gerne hätten sie ein Mädchen oder einen Jungen adoptiert. Aber das Jugendamt machte ihnen laut Karl H. keine große Hoffnung. Die Warteliste in Deutschland war endlos lang, eine Auslandsadoption sahen sie de facto wegen ihrer Homosexualität zum Scheitern verurteilt.
Schließlich war es dann sein Partner Matthias, der eher zufällig im Internet auf den Beitrag einer Kinderwunschklinik in den USA aufmerksam wurde und Karl H. überredete, weitere Informationen einzuholen. Dabei staunten die beiden, wie streng reglementiert die Leihmutterschaft in US-Bundesstaaten ist. "Die Frauen müssen nachweisen, dass sie finanziell abgesichert sind, also nicht aus finanzieller Not heraus handeln", erklärt Matthias H. "Weiter müssen sie bereits ein eigenes Kind haben." Es wird die körperliche Gesundheit untersucht, unter anderem aber auch ein psychologisches Gutachten erstellt, bevor sie eine Agentur vermittelt.
Was Matthias und Karl H. darüber hinaus beeindruckte: Sie mussten sich mit einer PowerPoint-Präsentation bewerben. Diese wurde von der Agentur potenziellen Leihmüttern gezeigt, die dann entschieden, ob es zu einer Kontaktaufnahme per Videocall kommt. "Wir wissen, dass es Ablehnungen gab, weil wir Deutsche sind, andere wegen unserer Homosexualität", so der IT-Spezialist. Die 40-jährige Mary, Single und Mutter einer Neunjährigen, fand die beiden Offenburger sympathisch und wollte ihnen zu ihrem Kinderwunsch verhelfen. Zuvor musste aber noch ein individueller Vertrag ausgehandelt werden. Die Anwaltskosten für Mary trugen Matthias und Karl H. Darin wurden alle Einzelheiten festgelegt, beispielsweise auch, dass eine psychologische Betreuung während der Schwangerschaft bezahlt wird. Die Eizelle, die sie austrug, stammte übrigens nicht von der Leihmutter. In diesem Fall war Lucy die Spenderin. Mehrere wurden künstlich befruchtet und dann eingefroren, bis eine Leihmutter gefunden war. Auch in diesem Fall war dem Paar ein persönliches Kennenlernen der genetischen Mutter wichtig.
Bei der Geburt dabei
Während der Schwangerschaft hielten sie engen Kontakt zu Mary. Drei Wochen vor der Entbindung reisten sie in die USA, verbrachten viel Zeit mit der Texanerin und deren Tochter. Natürlich waren sie auch bei der Geburt dabei, durften die Nabelschnur durchschneiden. Eine Stunde blieben sie noch bei Mary, bevor sie sich dann mit dem Neugeborenen ins Nachbarzimmer zurückzogen.
Diese wollte das Baby erst am nächsten Tag selbst halten. "Sie war sehr liebevoll mit ihm. Hatte aber auch keine Probleme, uns das Kind wieder zu geben", erinnern sich die beiden Offenburger. Und dann sagte sie: "Jungs, das war eine schöne Erfahrung. Ich mache das noch einmal für euch."
Als Matthias und Karl H. zwei Jahre nach ihrer standesamtlichen Trauung ihre große freie Hochzeit feierten, war Mary dabei. Und sie war mit dem zweiten Kind der beiden schwanger.
Leon und Dominik kennen sowohl Lucy als auch Mary. Der Kontakt wird vor allem über Videocall gehalten. "Eine Voraussetzung für uns war, dass beide bereit waren, die Kinder kennenzulernen", sagt der 40-jährige Matthias H. "Unsere Söhne sollen ihre Wurzeln kennen."
Nein, früher konnten sich Matthias und Karl H. nicht vorstellen, ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter zu realisieren. Wenn sie aber heute jemand fragt, ob es so, wie es geschehen ist, gut und richtig für alle Beteiligten war, ist ihre Antwort ein klares: Ja!






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