Chefarztwechsel in der Klinik an der Lindenhöhe
Andrea Temme folgt Ulrich Frommberger

Dr. Andrea Temme tritt am 1. Januar die Nachfolge von Prof. Dr. Ulrich Frommberger an.
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  • Foto: "MEDICLIN"
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Offenburg (st). Am 1. Januar 2020 startet Dr. Andrea Temme als Chefärztin an der "MEDICLIN" Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg. Sie übernimmt den Bereich Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik für Erwachsene und ist damit Nachfolgerin des langjährigen Chefarztes PD Dr. Ulrich Frommberger, der sich Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet. Frommberger war von Anfang an Mitarbeiter der Klinik an der Lindenhöhe und hatte 1999 noch auf der Klinik-Baustelle sein Chefarzt-Büro bezogen. Öffentlich verabschiedet wird er im Rahmen eines Fachsymposiums am 22. November 2019.

Seine Nachfolgerin Dr. Andrea Temme war zuletzt zwölf Jahre lang Chefärztin und Stellvertretende Medizinische Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Psychiatrie Reichenau. Die 57-Jährige ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie. Die noch neue Chefärztin im Kinder- und Jugendbereich der Klinik an der Lindenhöhe, Dr. Reta Pelz, die seit Januar 2019 in der Klinik ist, konnte sie bereits kennenlernen. „Wir haben die Absicht, den Erwachsenenbereich zukünftig noch stärker mit dem Kinder- und Jugendbereich zu verzahnen“, berichtet Temme. „Daher sind wir bereits im Austausch. Es ist wichtig, eine gemeinsame Versorgung aufzubauen und den interdisziplinären Austausch zu fördern.“

Enge Zusammenarbeit

Enge Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendpsychiatrie fördert Früherkennung und soziale Integration
Eine sehr enge und intensive Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendbereich sichert die Behandlungskontinuität über die Adoleszenz, das heißt die Zeitspanne zwischen dem 14. und 20. Lebensjahr. Viele psychische Erkrankungen wie Psychosen, Angsterkrankungen und bipolare Störungen beginnen in diesem Alter und typische Krankheiten des Kindheits- und Jugendaltes wie ADHS bestehen noch fort. „Um die großen Veränderungen in diesem Alter bewältigen zu können, braucht es eine kontinuierliche Begleitung“, erklärt Temme. „Das ist wichtig, damit eine soziale Integration gelingt und die Prognose günstig beeinflusst werden kann.“

Deshalb wäre es beispielsweise denkbar, eine Adoleszentenstation oder eine sogenannte Soteria-Station an der Klinik an der Lindenhöhe zu etablieren – eine milieutherapeutische Station für erstmals an einer Psychose erkrankte junge Menschen. Diese Station bietet die Möglichkeit einer sehr alltagsnahen Therapie, indem sich Patienten in einer Art Wohneinheit selbst versorgen und sich an der Haushaltsarbeit beteiligen. „Viele psychotische Patienten haben krankheitsbedingt keine Tagesstruktur mehr“, führt Temme aus. „Diesen Patienten hilft es, alltagsrelevante Tätigkeiten zu trainieren und einen festen Tagesablauf zu haben, zu dem Einkaufen, Kochen und Essen gehören.

Ausbau von bedarfsorientierten Behandlungsmethoden

„Die größte Fragestellung für uns in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung ist derzeit und auch in Zukunft: Wen behandeln wir wo und wie am besten?“, fasst Temme die Herausforderungen für den Bereich der psychischen und psychosomatischen Erkrankungen zusammen. „Die Schwierigkeit ist, den unterschiedlichen Schweregraden der Erkrankungen in der Versorgung gerecht zu werden und jeweils die richtigen Ressourcen bereit zu halten.“ Für manche Patienten kann ein stationärer Aufenthalt das richtige sein, für andere die Therapie in einer Tagesklinik oder eine ambulante Behandlung.

„Doch wir müssen noch weiter denken“, fordert Temme. Möglich sei es beispielsweise, Patienten mit psychischen Erkrankungen zu Hause zu betreuen. „Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel wenn es um Eltern geht, die zu Hause kleine Kinder zu versorgen haben, oder um altersdepressive Patienten. Oder auch Menschen, die Angst haben, in eine Klinik zu gehen.“ Dann gibt es die Möglichkeit einer stationsäquivalenten Behandlung zu Hause, bei der die komplette Behandlung, also auch die Ergotherapie oder die Visite durch den Facharzt, in den eigenen vier Wänden stattfindet. „Das sind Überlegungen, die wir auch für die Versorgung in der Ortenau anstellen sollten“, sagt Temme. „Denn der Bedarf an solchen neuen Behandlungsmethoden steigt.“

Investieren in Fort- und Weiterbildungen

Für ihren Start in der "MEDICLIN" Klinik an der Lindenhöhe bringt Dr. Andrea Temme also viele Ideen mit, die sie in den nächsten Jahren angehen möchte. „Voraussetzung dafür sind eine gute Personalausstattung, auskömmliche Budgets, aber auch ein gutes Arbeitsklima in der Klinik“, weiß die neue Chefärztin. „Flache Hierarchien und ein kollegiales Miteinander sind mir wichtig. Darüber hinaus sind regelmäßige Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeiter ein großes Thema, um die Klinik konsequent weiterentwickeln zu können.“

Karlheinz Schneiderchen, Kaufmännischer Direktor der Klinik an der Lindenhöhe, ist sich jedenfalls sicher, mit Dr. Andrea Temme dir Richtige für den frei werdenden Chefarzt-Posten gefunden zu haben: „Wir sind sehr froh, dass wir Frau Dr. Temme für uns gewinnen konnten und ich bin davon überzeugt, mit ihr gemeinsam die kommenden Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können!“

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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