Vorteile persönlicher Betreuung
Darum braucht es Apotheken vor Ort
- In der Apotheke vor Ort sind die Kunden bei den qualifizierten Mitarbeitern in besten Händen.
- Foto: Apotheke Haaß, Offenburg
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Offenburg (cao) Apotheken vor Ort sind wichtig: "Nach wie vor kennen wir unsere Kunden besser als es die Versender von Online-Apotheken tun. Wir hören zu, wir beraten und wir prüfen, ob sich die Medikamente, die ein Patient einnimmt, vertragen oder ob es zu schädlichen Wechselwirkungen kommen könnte", erklärt Apotheker Klaus Haaß, Inhaber der Apotheke Haaß in Offenburg. Online-Apotheken seien "rein profitorientierte Gesellschaften". Apotheken vor Ort müssten zwar auch Geld verdienen, "wir sind aber immer noch Heilberufler, auch unsere Mitarbeiter sind hoch qualifiziert." Auch seien Versandhäuser nachts oder am Wochenende nicht da.
Individuelle Rezepturen
"Apotheken vor Ort hingegen bilden aus, bezahlen in Deutschland Steuern, stützen das deutsche Rentensystem und Krankenkassen. Wir machen Nacht- sowie Notdienste und stellen patientenindividuelle Rezepturen her, von Salben über Kapseln bis hin zu Zäpfchen." In einer Apotheke dürfen Arzneimittel bei maximal 25 Grad Celsius gelagert werden, "nur so sind Stabilität und Wirksamkeit der Inhaltsstoffe garantiert." Abweichungen könnten zu Wirkverlusten führen, sich Abbauprodukte bilden und unerwünschte Reaktionen beim Patienten hervorrufen. Auf dem Postweg seien Präparate mitunter Hitze oder Kälte ausgesetzt, was die Qualität des Produkts beeinflussen könne.
Tatsächlich sei es nicht nur der Online-Handel, der den Apotheken zu schaffen macht: "Wir verdienen pro verschreibungspflichtiges Medikament, unabhängig vom Preis, immer den gleichen Betrag, der seit 2013 nicht mehr angehoben wurde. Die Kosten für Personal, Miete, Energie und anderes sind jedoch um 65 Prozent gestiegen." Zum 1. Juli sei der Fixaufschlag zwar leicht erhöht, gleichzeitig aber angekündigt worden, dass der Rabatt, den Apotheken schon immer den Krankenkassen gewähren mussten, sich um fast den gleichen Betrag anhebt.
Ungewisse Zukunft
Potentielle Nachfolger müssten ihr Auskommen haben und Gewinn aus ihrer Selbstständigkeit ziehen können: "Das ist bei vielen leider nicht mehr der Fall, weshalb die Anzahl der Apotheken weiter sinkt und die Wege zum Notdienst weiter werden." Klaus Haaß ist seit 26 Jahren selbständig, bis 2025 organisierte er 30 Jahre lang den Notdienst. Seit vergangenem Jahr ist der Apothekennotdienst nicht mehr in kleinen Kreisen organisiert, wie vorher Offenburg-Ried, Kinzigtal oder Kehl-Renchtal, sondern zentral über Baden-Württemberg verteilt. "Es wurde notwendig, weil die Zahl der Apotheken in den vergangenen 15 Jahre deutschlandweit um mehr als 20 Prozent auf etwa 16.000 sank. Im Stadtgebiet Offenburg gibt es aktuell elf Apotheken, früher waren es 16." Leider hätten viele Menschen die genannten Aspekte nicht mehr im Blick: "Erst wenn etwas nicht mehr da ist, erkennt man den Wert dessen, was früher selbstverständlich war."






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