Stefan Rendler im Porträt
Kämpfernatur mit großem Freiheitswillen

Stefan Rendler setzt sich seit vielen Jahren für die Belange sehbehinderter Menschen in der Ortenau ein. Dabei geht es ihm vor allem um die Sensibilisierung seiner Mitmenschen. Sein Blindenhund Elias begleitet ihn seit 2019 dabei.  | Foto: Michael Bode
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  • Stefan Rendler setzt sich seit vielen Jahren für die Belange sehbehinderter Menschen in der Ortenau ein. Dabei geht es ihm vor allem um die Sensibilisierung seiner Mitmenschen. Sein Blindenhund Elias begleitet ihn seit 2019 dabei.
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Offenburg "Ich genieße das Leben, solange ich lebe", sagt Stefan Rendler mit voller Überzeugung. Dass ist mitunter alles andere als leicht. Denn Stefan Rendler ist sehbehindert. Er leidet an Retinitis pigmentosa, einer erblichen Augenkrankheit, bei der die Erblindung schleichend erfolgt und sich beispielsweise durch Nachtblindheit, Tunnelblick oder Blendempfindlichkeit äußert. Bei dem 53-jährigen Offenburger setzt die Krankheit Anfang der 90er-Jahre ein.

Ein Optimist, der das Leben genießt

1994 muss der gelernte Gas- und Wasserinstallateur seinen Beruf aufgeben. Auch seine sportlichen Aktivitäten wie Judo, Ski- und Fahrradfahren kann er nicht mehr ausüben. "Natürlich war das keine schöne Zeit, aber mir blieb einfach nichts anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen", betont Stefan Rendler. "Ich war schon immer eine Kämpfernatur", sagt er über sich selbst. Seinen Optimismus lässt er sich nicht nehmen, auch nicht als eine Umschulung in Würzburg zum Industriemechaniker für Sehbehinderte letztlich doch in der Frühverrentung im Jahr 2000 endet.
Dieses Jahr bedeutet auch eine Wendung in einem anderen Lebensbereich Rendlers. Er trifft seine heutige Ehefrau kennen. "Wir haben uns beim Spazierengehen kennengelernt", erzählt er. Die damals vierjährige Tochter seiner heutigen Ehefrau wird auf seinen Blindenstock aufmerksam und löchert ihn mit Fragen. Der Beginn einer mittlerweile 26-jährigen Beziehung, davon 20 Jahre als Ehepaar. "Die klassische Rollenverteilung haben wir getauscht", erzählt Rendler mit einem Lachen.
Was Stefan Rendler seit dem Ausbruch seiner Krankheit besonders wichtig ist, ist seine Selbstständigkeit. "Ich will niemandem zur Last fallen und meine Freiheit nicht hergeben." Diese Freiheit ermöglicht ihm auch sein Blindenhund Elias. "Wir sind richtig gute Kumpel. Bei uns stimmt einfach die Chemie", so Rendler stolz. Aber auch der technische Fortschritt ermöglicht ihm seine Selbstständigkeit. "Auf meinem Smartphone habe ich eine Reihe von Apps, die mir helfen. Mit einer kann ich einen Videoanruf starten und ein ehrenamtlicher Helfer schaltet sich über meine Handykamera zu, um mir bei der Suche nach etwas zu helfen", gibt er ein Beispiel.
Auf die Frage, was ihn an seiner Behinderung am meisten stört, muss Stefan Rendler nicht lange überlegen: "Am meisten nervt mich die Rücksichtslosigkeit meiner nicht sehbehinderten Mitmenschen. Das ist keine böse Absicht, sondern oft Überforderung in der konkreten Situation", weiß er aus Erfahrung zu berichten.
Doch das will er nicht hinnehmen und fängt an, sich zu engagieren. Im Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden ist er seit 1999 Mitglied, seit 2010 Delegierter und seit 2016 der Bezirksgruppenleiter für die Ortenau. Über den Verein erlernt er auch die Blindenschrift. "Wenn man sich nicht bemerkbar macht, kann man auch nicht erwarten, dass sich etwas zum Besseren wandelt", begründet er sein Engagement. Außerdem ist der Familienmensch gerne unter Menschen.

Sensibilisierung anstatt Belehrung

Ihm geht es allerdings nicht um Belehrung, sondern um Sensibilisierung. "Ich gehe in Schulen und wir schulen beispielsweise Busfahrer, um auf die Bedürfnisse Sehbehinderter hinzuweisen", so Rendler. Er nimmt teil an den Runden Tischen Behindertenfreundliches Offenburg mit Jule Marschner und am Expertengremium bei der Inklusionsbeauftragten des Landkreises, Anita Diebold. Als sachkundiger Bürger im Verkehrsausschuss der Stadt Offenburg bringt er sich beispielsweise bei den Planungen des neuen Zentralen Omnibusbahnhofs ein.
"Mein Alltag zu bewältigen, ist eine Lebensaufgabe", so Stefan Rendler abschließend.

Stefan Rendler setzt sich seit vielen Jahren für die Belange sehbehinderter Menschen in der Ortenau ein. Dabei geht es ihm vor allem um die Sensibilisierung seiner Mitmenschen. Sein Blindenhund Elias begleitet ihn seit 2019 dabei.  | Foto: Michael Bode
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