Fußnote, die Glosse im Guller
Stichwort Weihnachtsfeier

Die einen lieben, die anderen hassen sie. Eins ist aber klar: Weihnachtsfeiern sind in unserem Kulturkreis nun einmal in vielen Unternehmen eine feste Tradition. Tatsächlich gibt es sechs Kategorien von Weihnachtsfeier-Typen.

Enthusiast

Da ist der Enthusiast. Sobald die Supermärkte im September die ersten Spekulatius anbieten, stellt er Überlegungen an, was er an dem großen Abend anziehen soll. Am Tag des Geschehens nimmt er sich den Nachmittag frei – die Dame, um den Friseur zu besuchen, der Herr, weil er sich zu Hause noch einmal rasieren will. Auf dem Fest wird selbst die größte Kitschdeko als große Kunst gefeiert und Tränen der Dankbarkeit stehen ihm in den Augen, wenn er aus dem Krabbelsack ein Senfglas in Toilettenform zieht.

Raffzahn

Für den Raffzahn ist das Fest nur dann gelungen, wenn es die Firma viel Geld kostet. An der Weihnachtsfeier zeigt sich, was er der Chefetage wert ist. Damit er ordentlich zulangen kann, hat der Raffzahn den ganzen Tag nichts gegessen. Dann passt auch richtig was rein. Mandarinen und Nüsse, die eigentlich der Zierde dienen sollten, verschwinden blitzschnell in Hand- oder Hosentaschen. Nur nichts verkommen lassen.

Schnapsdrossel

Bei manchen begrenzt sich die Maßlosigkeit dagegen nur auf den Alkoholkonsum. Wenn Bier und Wein nichts kosten, dann dürfen sie auch in Strömen fließen. Wohl dem, dem es bekommt. Ist das nicht der Fall, dann werden Dinge gezeigt, die mancher von seinem Kollegen nie sehen wollte. Es ist nicht immer schön, wenn die sonst so seriöse Dame aus der Buchhaltung zum Rauschgoldengel mutiert. Kommen mehrere von der Kategorie Schnapsdrossel zusammen, gleicht die Feier eher einem Ausflug des Kegelclubs "Durstige Brüder" zum Ballermann. Da wird gefeiert bis zur Bewusstlosigkeit. Am nächsten Tag fehlt die Erinnerung. Und das ist vielleicht auch besser so!

Nörgler

Keine Firmenfeier ohne Nörgler – ihnen ist der Wein zu sauer, das Fleisch zu zäh und überhaupt: Was ist das nur für eine unmögliche Location? Alle Jahre wieder versauen sie den anderen die Feierlaune. Da sind einem die Verweigerer, die ganz wegbleiben, doch wesentlich lieber.

Was vergessen?

Habe ich eine Kategorie vergessen? Ach ja, die ganz Normalen – die freuen sich einfach, wenn sie mit ihren Kollegen mal im lockeren Rahmen zusammen sitzen können und die Firma das auch noch bezahlt. Das ist die Mehrheit, nur fällt sie nicht so auf.
Anne-Marie Glaser

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