Dominik Fehringer
Der Facharbeiterbedarf hat deutlich zugenommen

Dominik Fehringer, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Ortenau | Foto: WRO
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Wichtiges Kapital für jedes Unternehmen sind Fachkräfte. Dominik Fehringer, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO), geht im Interview mit Anne-Marie Glaser auf die aktuelle Situation in der Ortenau ein.

Welche Bedeutung hat das Thema Fachkräftemangel derzeit für die Ortenauer Unternehmen?
Die derzeitige Nachfrage nach Fachkräften ist branchenabhängig. Während des Lockdowns Anfang Mai waren bei den WRO-Unternehmen über 900 Stellen ausgeschrieben. Manche Unternehmen müssen aufgrund der Situation nun Mitarbeiter entlassen, andere haben Einstellungsbedarf. Bislang hat der regionale Arbeitsmarkt diese Schwankungen aufgrund der hohen Diversifizierung der Branchen gut aufgefangen.

Ist es in Zeiten von Corona schwieriger geworden, neue Fachkräfte von außerhalb zu gewinnen?
Die erzwungene Reduktion von Mobilität erschwert die Anwerbung von Fachkräften, insbesondere im internationalen Kontext. Das Gelingen eines europäischen Arbeitsmarktes setzt die uneingeschränkte Freizügigkeit der Arbeitnehmer voraus. Dies ist aktuell nicht möglich. Die Ortenau ist seit Jahren stabil auf Wachstumskurs. In den vergangenen Jahren stieg die Anzahl an Beschäftigten in den Jahren 2000 bis 2018 um 33.000. Berechnet man auf dieser Grundlage die demographische Entwicklung der kommenden Jahre ein, benötigen wir in der Ortenau jedes Jahr eine hohe Zahl an Fachkräften, die aus anderen Regionen geworben werden müssen – eine Mammutaufgabe.

Was empfehlen Sie Unternehmen, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern?
Unsere Empfehlung ist, Kooperationen einzugehen und ein gemeinsames Arbeitgebermarketing im Verbund auch anzunehmen. Gerade die Internationalisierung des Arbeitsmarktes, die weiter fortschreiten wird, stellt Unternehmen vor besondere Herausforderungen. Im Alleingang wird es immer schwieriger, Akzente setzen zu können, um bei den Zielgruppen erfolgreich zu sein.

Wie unterstützt die WRO ihre Mitgliedsunternehmen hierbei?
Die WRO ist mit der Marke "Arbeiten bei Weltmarktführern" seit über zehn Jahren im Personalmarketing aktiv. Wir richten unsere Aktivitäten am aktuellen und künftigen Bedarf unserer Mitgliedsunternehmen aus. Wir werben für eine Beschäftigung in den Ortenauer Betrieben und auch für die wunderbar vielfältigen Produkte aus unserer Region. Dazu sind wir europaweit aktiv, die letzten Aktivitäten haben sich schwerpunktmäßig auf Südosteuropa und Balkan-Staaten konzentriert. Zu den von uns gesteuerten und umgesetzten Maßnahmen gehören insbesondere Messeauftritte – auch digital –, Plakatkampagnen, umfangreiches Onlinemarketing und Kooperationen mit regionalen Medien.
Reden wir über Fachkräfte im Wandel der Zeit. Wie haben sich die Anforderungen der Unternehmen geändert?
Ich sehe hier zwei Linien. Die umfassende Digitalisierung erfordert von Mitarbeitern zunehmend Kompetenzen in den Bereichen Coding und Software-Programmierung. Und es braucht deutlich mehr Facharbeiter mit Berufsausbildung.

Welche Anforderungen werden in Zukunft stärker gefragt sein?
Ganz sicher die Bereitschaft zu stetigem Wandel. Mitarbeiter – gleich welchen Lebensalters – sind heute gefordert, Themen der Digitalisierung anzupacken. Man kann das nicht mehr wegdrücken und hoffen, es ginge schon irgendwie gut. Das wird es nicht!

Welche Unterstützung wünschen Sie sich seitens der Politik in puncto Fachkräftesicherung?
Der Bund hat zu Beginn des Jahres einen großen Schritt getan und die qualifizierte Zuwanderung nach Deutschland mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz deutlich vereinfacht. An der ein oder anderen Stelle müsste aus unserer Sicht nochmal nachgearbeitet werden – insbesondere ist das erforderliche sprachliche Kompetenzniveau eine kaum zu überbrückende Hürde. Als Exportnation in einer Welt mit internationalem Arbeitsmarkt ist Deutschland darauf angewiesen, dass qualifizierte Zuwanderung ohne Hindernisse und ausufernde Bürokratie möglich ist. Hier gibt es noch viel Luft nach oben.

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