Interview mit Simon Kaiser
Vielfältige Berufe mit hohem Praxisbezug

Simon Kaiser, Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein
  • Simon Kaiser, Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein
  • Foto: IHK Südlicher Oberrhein/Klaus Polkowski
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Simon Kaiser, Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein, spricht im Interview mit Anne-Marie Glaser über die Zukunftsperspektiven der Auszubildenden in Industrie und Handel.

Vor einem Jahr sprachen wir im Ortenaukreis noch vom Fachkräftemangel. Wie hat Corona das Thema beeinflusst?
Der Fachkräftemangel bleibt für die Unternehmen in der Ortenau auch in den kommenden Jahren ein zentrales Thema. Grundsätzlich gibt es in diesem Zusammenhang immer zwei zentrale Einflussfaktoren: den demografischen Wandel und die aktuelle konjunkturelle Entwicklung. Während sich die Konjunktur von Quartal zu Quartal ändert und damit mal mehr und mal weniger Fachkräfte gesucht werden, ist der demografische Wandel eine langfristige und kaum zu beeinflussende Entwicklung. Die geburtenstarken Jahrgänge wechseln nun in den Ruhestand und die jüngeren Jahrgänge sind quantitativ zu schwach besetzt, um dies auszugleichen. Auch Zuwanderung kann diese Entwicklung nur abmildern, jedoch nicht vollständig kompensieren. Die Covid-19-Pandemie hat in einigen Branchen sicherlich dazu geführt, dass aktuell weniger Fachkräfte benötigt werden. Wenn die Krise überwunden ist und die Konjunktur wieder anzieht, werden wir uns aber in der gleichen Lage wie vor der Pandemie befinden.

Warum ist eine Ausbildung in Industrie und Handel für junge Menschen attraktiv?
Das sind ganz eindeutig die hervorragenden Zukunftsperspektiven – auch in diesem Jahr. Denn die Absolventen einer dualen Berufsausbildung sind sehr gefragt, jetzt und auch in den kommenden Jahren. Mit dem Ausbildungszeugnis in der Tasche verläuft der Berufseinstieg für die jungen Leute fast immer reibungslos. Hinzu kommt, dass Industrie und Handel vielfältige und spannende Berufsbilder mit hohem Praxisbezug bieten. Das Erlernte können Azubis unmittelbar anwenden. Das motiviert, weil man sich nur selten die Frage stellen muss „Wofür lerne ich das eigentlich?“. Und diese Unmittelbarkeit sorgt auch dafür, dass das erlernte Wissen bis zur Anwendung tatsächlich noch seine Gültigkeit hat.

Warum kann eine Ausbildung für Abiturienten empfehlenswert und sinnvoll sein?
Mehr als jeder dritte Azubi, der diesen Herbst seine Ausbildung in einem IHK-Beruf begonnen hat, hat Abitur. Insofern ist die Ausbildung auch für Abiturienten längst eine durchaus verbreitete Karriereoption. Attraktiv ist, dass man mit Abitur die Ausbildungsdauer um ein Jahr verkürzen kann. So ist es möglich, bereits nach zwei bis zweieinhalb Jahren den Abschluss in der Tasche zu haben. Und auch danach gibt es attraktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten, etwa die Aufstiegsfortbildung zum Fachwirt, Betriebswirt (IHK) oder zum Industriemeister. Der Vorteil: Währenddessen verdient man bereits ein gutes Gehalt. Und am Ende eines Berufslebens, darüber gibt es Studien, haben Hochschul- und Weiterbildungsabsolventen sogar ein vergleichbares Lebenseinkommen erzielt. Die Unterschiede sind minimal! Sich also wegen des Geldes gegen eine Ausbildung zu entscheiden, ist unsinnig.

Was raten Sie ehrgeizigen Auszubildenden hinsichtlich der Karriereplanung?
Mein Rat geht an alle Azubis: Nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten, neben dem Pflichtprogramm auch über den Tellerrand zu blicken. In vielen Berufen gibt es Zusatzqualifikationen, die die Chancen auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessern und aus Azubis schnell Spezialisten machen. Nach der Ausbildung wiederum kommen die jungen Leute über die Aufstiegsfortbildung berufsbegleitend bis zum Masterniveau.

Wie wichtig sind eigentlich gute Schulnoten?
Das ist pauschal schwer zu beantworten. Formal gibt es keine Eingangshürden wie etwa beim Studium. Aber natürlich spielen Noten in der Bewerbungsphase eine Rolle. Die Ansprüche der Ausbildungsbetriebe variieren dabei stark, insbesondere auch abhängig vom Berufsbild. Ich denke jedoch, wenn ein Schulabgänger sein großes Interesse und Talent für einen bestimmten Ausbildungsberuf deutlich macht, beispielsweise während eines freiwilligen Praktikums oder durch eine berufsrelevante Wissensaneignung vor einem Vorstellungsgespräch, kann das manch schlechte Note ausgleichen.

Was raten Sie Schulabgängern, die kein so gutes Zeugnis haben und auf Ausbildungsplatzsuche sind?
Nur Mut! Vielen Unternehmen ist es vor allem wichtig, dass die Person überzeugt. Schulabgänger sollten sich in Vorbereitung einer Bewerbung darüber klar werden, wo jenseits von Schulnoten die eigenen Stärken liegen und diese hervorheben. Gerade die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass auch Bewerber mit auf den ersten Blick nicht idealen Startvoraussetzungen am Ende ebenfalls eine passende Ausbildungsstelle finden. Helfen könnte vielleicht auch die Teilnahme am IHK-Berufsprofiling, einem kostenlosen dreistündigen Kompetenztest, der eine Liste mit den Berufen ausspuckt, für die der Teilnehmer besonderes Talent zeigt. Das schriftliche Ergebnis kann möglicherweise bei der Bewerbung unterstützend wirken, wenn der potenzielle Arbeitgeber sieht, dass der Bewerber wirklich für den Beruf geeignet ist. Infos zum IHK-Berufsprofiling gibt es unter www.suedlicher-oberrhein.ihk.de/berufsprofiling. Der nächste Termin in Offenburg ist übrigens am 21. November.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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