Bohnen- oder Bollensuppe?
Heißes und Deftiges erfreut das närrische Genießerherz

Mit Bohnensuppe und anderen heißen Eintopfgerichten halten sich Narren ab dem Schmutzigen Donnerstag fit.
  • Mit Bohnensuppe und anderen heißen Eintopfgerichten halten sich Narren ab dem Schmutzigen Donnerstag fit.
  • hochgeladen von Daniela Santo

Ortenau (gro). Wenn am Donnerstag die fünfte Jahreszeit in der Ortenau in die heiße Phase geht, dann gibt es für die Narren nur eines, um sich zu stärken: eine heiße Suppe. Denn die bildet eine gute Unterlage für jedwedes närrisches Treiben, sie sorgt aber auch – gerade bei der Straßenfastnacht – für Wärme: an den Händen und von innen.

In Offenburg und Umgebung gibt es nur eine Wahl, was Hexen und Spättle zu sich nehmen: Bohnensuppe. Kein Wunder, dass das Oberzentrum in der närrischen Zeit in "Bohneburg" umgetauft wird. Diese Spezialität wird allerdings nicht aus grünen Bohnen gekocht, sondern aus weißen Bohnenkernen. Angereichert mit Suppengemüse und Speck macht sie satt und hält lange vor. Denn in Offenburg beginnt der schmutzige Donnerstag bekanntlich mit der Narrentaufe am Brunnen auf dem Lindenplatz. Wer um 5 Uhr in der Frühe als Hemdglunker schon gespannt auf die Namen der diesjährigen Fasentskinder wartet, der braucht unbedingt eine Schale Bohnensuppe, um bei Kräften zu bleiben. Anderenorts wird die beliebteste aller Narrenspeise auch im Rahmen der Dorffasent ausgegeben. Denn wer um Eier und Speck bettelt oder zum Schnurren und Schnaigen geht, der weiß das wärmende Gericht natürlich zu schätzen. Nicht alle Zünfte setzen auf diese Variante. In Sundheim bereiten die Hexen am Rosenmontag ihren Hexenfraß zu. Hier wird ein klassischer Erbseneintopf mit Wienerle angeboten, der in der Regel schon kurz nach der Mittagsstunde ausverkauft ist. Doch nicht alle Zünfte bieten den Narren Hülsenfrüchte an: Im Hanauerland gibt es "Bollesupp" zu jeder Gelegenheit, vom Dorffest bis zur Hochzeit. An Fastnacht wird aus der "Bollesupp" eine "Ille-Supp": Klare Fleischbrühe wird mit leckeren Fleischklößchen als Einlage gereicht.

Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Linsen sind klassische Zutaten für sättigende Eintopfgerichte im Winter. Es gibt sie in zweierlei Varianten: Getrocknet müssen sie vor dem Kochen erst in Wasser eingelegt werden. Oder man greift zur ebenso weit verbreiteten Konservenware. Das ist die Lösung für Kurzentschlossene. Mit Erbsen funktioniert der Trick aber nicht, die typische sämige Konsistenz und der Geschmack der Suppe sind bei Trockenerbsen einfach anders als bei Dosen- oder Tiefkühlware.

Bei getrockneten Hülsenfrüchten handelt es sich um den klassischen Wintervorrat aus alten Tagen. Hülsenfrüchte sind Proteinspender, sie gelten in der vegetarischen oder veganen Küche als sehr guter Eiweißlieferant mit dem tierisches Eiweiß kompensiert werden kann. Sie enthalten aber auch Spurenelemente wie Eisen, Kalium, Zink und Mangan – und sie machen satt. Es gibt zahlreiche Sorten, hier eine kleine Übersicht über die wichtigsten: Grüne Linsen, auch "Puy-Linsen" nach der französischen Stadt genannt, haben einen aromatischen Geschmack und eine etwas geringere Kochzeit als die klassischen braunen Linsen. Besonders edel sind die fast schwarzen Beluga-Linsen, die schnell gar sind, aber dennoch beim Kochen nicht zerfallen. Da sie sehr klein sind, ähneln sie Kaviar im Aussehen. Gelbe Linsen werden vor allen Dingen in der indischen Küche verwendet, sie zerfallen schnell und binden Gerichte gut ab. Rote Linsen, die eigentlich eher orange wirken, werden in der arabischen und östlichen Mittelmeerküche verwendet. Sie sind klein und schnell gar.

Bohnensorten gibt es so viele, dass sie gar nicht alle genannt werden können. Am bekannesten sind die weißen Bohnen, die eben in der fastnächtlichen Bohnensuppe zum Einsatz kommen. Weit verbreitet sind mittlerweile auch die aus Amerika stammenden rotbraunen Kidney-Beans, ohne die ein Chili nicht denkbar ist. Adzukibohnen aus Asien überzeugen mit einem lieblich-milden Geschmack. Cannellini-Bohnen sind die Nummer eins in Italien. Sie werden dort gerne in Suppen und Eintöpfen verwendet. Pintobohnen, die wegen ihres gesprenkelten Aussehens auch Wachtelbohnen genannt werden, werden gerne zu Püree oder Chili verarbeitet. Dicke oder Fava-Bohnen sind uralt und nicht jedermanns Sache, da sie ein sehr festes Häutchen um den Kern haben. Erbsen werden in Strauch- und Spalterbsen unterschieden. Kichererbsen, die rund ums Mittelmeer, vor allem im arabischen Raum verwendet werden, sind auch hier in der Küche auf dem Vormarsch.

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