Zikaden übertragen Krankheitserreger
Landwirte in der Ortenau in Sorge

Zikaden, auch Zirben genannt, können in der Landwirtschaft und beim Pflanzenbau, beispielsweise beim Kartoffelanbau, Probleme verursachen.  | Foto: cao
  • Zikaden, auch Zirben genannt, können in der Landwirtschaft und beim Pflanzenbau, beispielsweise beim Kartoffelanbau, Probleme verursachen.
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Ortenaukreis Was wäre eine laue Sommernacht ohne das Zirpen aus den Wiesen und Feldern? Doch was romantisch anmutet, kann für die Landwirtschaft eher zu einer Bedrohung werden. Denn die Zikaden, auch Zirpen genannt, stellen für Menschen und Haustiere zwar keine Gefahr dar, sie können jedoch in der Landwirtschaft und beim Pflanzenbau Probleme verursachen.

Gefahr für Kartoffeln

"Die Zikade selbst ist kein Schädling im klassischen Sinn. Sie ernährt sich, indem sie Pflanzensäfte aus verschiedenen Pflanzenteilen saugt. Die eigentliche Gefahr geht jedoch davon aus, dass sie beim Saugen krankheitserregende Bakterien überträgt", erklärt Florian Würth vom Landratsamt Ortenaukreis.

Wie der Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beschreibt, ist aktuell die sogenannten Schilf-Glasflügelzikade besonders problematisch, die sich zunehmend im Zuckerrüben- und Kartoffelanbau ausbreite und dort eine große Herausforderung darstelle.
Ursprünglich stamme die Schilf-Glasflügelzikade aus dem Mittelmeerraum. Vermutlich sei sie über Frankreich nach Deutschland gelangt. Diese Zikadenart übertrage unter anderem die Krankheiten Syndrome Basses Richesses (SBR) und Stolbur.
"Inzwischen kommt es deshalb bundesweit auf vielen zehntausend Hektar Ackerfläche zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen", berichtet Würth. Auch einige Gemüsesorten – wie etwa Karotten oder Rote Beete – seien davon betroffen.
Bislang seien keine Zuckerrüben- oder Gemüsesorten bekannt, die gegen die Zikade resistent oder besonders widerstandsfähig beziehungsweise tolerant sind. "Es laufen jedoch bereits verschiedene Versuchs- und Forschungsprojekte, um solche Sorten zu züchten", sagt der Referent.

In der landwirtschaftlichen Praxis versuche man außerdem, den Schädlingsdruck durch gezielte Fruchtfolge-Maßnahmen zu verringern.

"Aktuell sind in Deutschland keine Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Glasflügelzikaden als Überträger bakterieller Krankheitserreger zugelassen", betont Würth. Deshalb habe das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf Grundlage von Artikel 53 der EU-Pflanzenschutzmittelverordnung für bestimmte bereits zugelassene Insektizide eine sogenannte Notfallzulassung erteilt. Diese gelte für 120 Tage und erlaube den zeitlich befristeten Einsatz der Mittel – jedoch nur, wenn zuvor eine Warnmeldung durch den amtlichen Warndienst erfolge.

Qualitätsverluste

In der Ortenau seien bis jetzt zwar noch keine Schäden aufgetreten, allerdings müsse zukünftig auch hier mit Schäden gerechnet werden. Vor allem genau diese Schilf-Glasflügelzikade sei aktuell in der Ortenau von Bedeutung.
"Sie überträgt sogenannte Stolbur-Phytoplasmen – Krankheitserreger, die bei Nutzpflanzen wie Rüben, Kartoffeln und verschiedenen Gemüsearten massive Qualitätsverluste verursachen. Die betroffenen Pflanzen können kaum noch Zucker einlagern, werden gummiartig und ungenießbar. Die Ernte ist dann wirtschaftlich nicht mehr verwertbar", ergänzt Padraig Elsner, Pressesprecher des BLHV in Freiburg.
Besonders problematisch sei, dass die Zikade ein relativ neuer Schädling ist. Den Landwirten würden derzeit kaum wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten, also zugelassene Insektizide, zur Verfügung stehen.
"Derzeit können lediglich über Notfallzulassungen gezielt Insektizide eingesetzt werden, und auch das nur dann, wenn ein konkreter Befall in der jeweiligen Region festgestellt wird. Und ist die Zikade erst einmal etabliert und hat sie die Phytoplasmen in einem Gebiet verbreitet, lassen sich die Schäden kaum noch eindämmen", beschreibt Elsner.

Dynamik

Zwar seien in der Ortenau und in Südbaden laut aktuellem Monitoringbericht bisher keine Exemplare gesichtet worden, "da es sich aber um ein sehr dynamisches Ausbreitungsgeschehen handelt, besteht berechtigte Sorge", so Elsner. Der Monitoringbericht erfasse den Zuflug der Schilf-Glasflügelzikade auf Zuckerrübenflächen. Die hier dargestellten Befallserhebungen würde dazu dienen, die regionalen Flughöhepunkte zu bestimmen: "Ob sie sich in unserer Region festsetzt, ist zurzeit offen – doch leider ist es wohl nur eine Frage der Zeit."

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