Fußnote, die Glosse im Guller
Das nenne ich mal Chuzpe, Verdi

Keine Frage, es ist die Aufgabe der Gewerkschaften, für ihre Mitglieder möglichst viel rauszuholen. Höhere Löhne seien auch jedem von Herzen gegönnt. Sie müssen aber von den Arbeitgebern bezahlt werden können. Und die haben viele Gesichter.
Da gibt es nicht nur skrupellose Konzerne, die ihren Top-Managern Millionen-Boni dafür auszahlen, dass sie durch Entlassungen und andere für Mitarbeiter schmerzhafte Maßnahmen möglichst viel einsparen. Arbeitgeber sind ebenfalls Inhaber kleiner Betriebe, die nach einem Zehn-Stunden-Arbeitstag nachts noch im Büro Rechnungen schreiben oder über der Buchhaltung sitzen, weil sie sich dafür keine Bürokraft leisten können. Außerdem gibt es den öffentlichen Dienst. Da sind sozusagen wir Steuerzahler die Arbeitgeber.

4,8 Prozent mehr Lohn

Verdi verlangt aktuell für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens 150 Euro für kleinere Einkommen und auch die Auszubildenden sowie Praktikanten sollen einen Hunderter im Monat mehr haben. Begründet wird das von Verdi damit, dass die Beschäftigten sich das verdient haben. Das will ich gar nicht in Abrede stellen. Höhere Löhne würden allerdings viele Menschen verdienen, bekommen aber trotzdem weniger ausbezahlt, weil mehr einfach nicht drin ist.
Tatsächlich sind höhere Lohnforderungen für einen Großteil der Menschen, die in der Privatwirtschaft arbeiten, derzeit so was von abwegig. Mancher wäre ja schon froh, hätte er dasselbe wie vor der Coronakrise. Dabei muss man sogar noch dankbar sein, wenn Kurzarbeitergeld wenigstens einen Teil der Einbußen auffängt oder Arbeitslosengeld bezogen werden kann. Nicht wenige Freiberufler leben derzeit vom Ersparten oder stehen in der Warteschlange vor dem Sozialamt.

Öffentlicher Dienst

Da blickt mancher schon etwas neidisch auf den öffentlichen Dienst, der solche Sorgen kaum kennt. Hier empört sich Verdi-Chef Frank Werneke sogar ernsthaft darüber, dass ein "faires Angebot für Lohnsteigerungen" nicht in Sicht ist und Bund sowie Kommunen über die "angeblich angespannte Kassenlage jammern". Das nenne ich Chuzpe! Ich stelle mir gerade das Gesicht beispielsweise eines kleinen Restaurantbesitzers vor, dem die Kellnerin erklärt: "Ist mir doch wurst, ob die Einnahmen wegen der Coronapandemie und der vielen Auflagen nicht mehr ausreichen, alle Kosten zu decken, ich will jetzt trotzdem 4,8 Prozent mehr Lohn."A. Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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