Fußnote, die Glosse im Guller
Fallstrick Schulranzen

Es war wirklich toll, das eigene Kind aufwachsen zu sehen. Trotzdem bin ich froh, manche Dinge inzwischen hinter mir gelassen zu haben – beispielsweise den Schulranzenkauf. Das Thema barg schon immer Fallstricke und scheint im Laufe der vergangenen 20 Jahre keineswegs an Brisanz verloren zu haben.

Ein gewisser Gruppendruck

So haben wohl viele Kinder in der südlichen Ortenau, die dieses Jahr nach den Sommerferien eingeschult werden, jetzt schon ihren Schulranzen. Dies weiß ich aus gut informierten Kreisen, nämlich von zwei Eltern, mit denen ich bei einem Essen in größerer Runde am gleichen Tisch saß. Beide haben Kinder im gleichen Alter, die sich schon darauf freuen, im Herbst die Schulbank zu drücken. Außerdem verbindet sie die Tatsache, dass entgegen dem Trend noch keine Büchertasche ausgesucht wurde. Die Essensgemeinschaft erwärmte sich schnell für das Thema. Grundsätzlich wurde erkannt, wie belastend ein gewisser Gruppendruck für eine noch schultaschenlose Kinderseele sein kann. Gleichzeitig bestand Einigkeit, dass weder in Deutschland noch im benachbarten Ausland in den nächsten Monaten ein Ranzenmangel droht. Mag sein, aber wird es auch noch die passenden Federmäppchen geben?

Schuld auf mich geladen

Tatsächlich habe ich vor 20 Jahren in dieser Hinsicht Schuld auf mich geladen. Das Töchterchen durfte sich selbst aussuchen, in was sie Hefte und Bücher auf dem Rücken transportieren wollte – allerdings erst im Frühsommer. Zu meinem Leidwesen fiel die Wahl auf einen Schulranzen, auf dem die Farbe Pink vorherrschte. Aber offensichtlich war der Farbton gefragt, denn es gab dazu zwar noch den passenden Turnbeutel, das Federmäppchen war jedoch schon ausverkauft. Mangels der Möglichkeiten im Internet zu recherchieren, besuchte der Herr Papa die folgenden Wochen deshalb zahllose Geschäfte auf der Suche nach dem richtigen Mäppchen. Glücklicherweise wurde er fündig, ich hätte die vorwurfsvollen Blicke nicht viel länger ertragen. Schließlich war ich es gewesen, die dachte, wir hätten noch viel Zeit.

Tägliche Diskussion

Meine Kollegin und auch deren Mann bekamen ihren eigenen Schulranzen zum Geburtstag geschenkt. So war es wohl damals auf dem Hunsrück Sitte. Jahrzehnte später bekam also auch das Patenkind zum Sechsten ein entsprechendes Präsent überreicht. Der war aber im Herbst und bis zur Einschulung noch lange hin. Fortan gab es täglich Diskussionen, sogar Streit darüber, warum das gute Stück nicht in den Kindergarten mitgenommen werden darf.

Einheitsranzen

Vielleicht wäre es gut, wenn es vergleichbar mit Schuluniformen einheitliche Schulranzen gäbe. Die werden am ersten Schultag offiziell ausgeteilt, dazu Mäppchen sowie Turnbeutel und Frieden wäre.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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