OP nur als letzter Ausweg
Fast jeder Fünfte ist inzwischen fettleibig

AOK-Versicherte, die sich zwischen 2016 und 2020 in Baden-Württemberg wegen Adipositas behandeln ließen – Gesamtzahl blauer, Frauen roter, Männer grüner Balken.
  • AOK-Versicherte, die sich zwischen 2016 und 2020 in Baden-Württemberg wegen Adipositas behandeln ließen – Gesamtzahl blauer, Frauen roter, Männer grüner Balken.
  • Foto: Grafik: AOK
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Ortenau (ag). Immer mehr Menschen werden immer dicker. Das ist nicht gut. Denn wie das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt: "Übergewicht und Adipositas sind Mitursache für viele Beschwerden und können die Entwicklung chronischer Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.

Folgeerkrankungen

Über die Hälfte der Menschen in Deutschland sind zu dick, fast jeder Fünfte ist sogar fettleibig. Das ergab bereits eine Studie 2015, so das RKI auf Anfrage der Guller-Redaktion. Übergewichtig gelten Menschen mit einem Body Mass Index (BMI) ab 25. Von Fettleibigkeit oder Adipositas spricht man ab einem BMI von 30. "Je höher der BMI, desto größer ist das Risiko für Folgeerkrankungen", so Oecotrophologin Sabine Forster, Ernährungsberatung im AOK-Kundencenter Offenburg, und ergänzt: "Aber nicht nur das Übergewicht an sich, auch die Verteilung des Körperfetts beeinflusst die Gesundheit."

Hohe Dunkelziffer

2020 waren im Ortenaukreis 16.365 AOK-Versicherte wegen Adipositas in Behandlung, 9.599 Frauen und 6.766 Männer. 2016 waren es noch 15.569, im Jahr 2019 16.722. Diese Schwankungen müssen aber nichts über die eigentliche Zahl der fettleibigen Menschen im Ortenaukreis aussagen. Zumal es laut AOK-Pressestelle im Pandemiejahr 2020 eine deutlich reduzierte Arzt-Kontaktrate gab. Im Klartext: "Nur diejenigen erscheinen in der Statistik, die auch tatsächlich wegen Adipositas in Behandlung waren. Die Dunkelziffer dürfte vermutlich recht hoch sein."

Letzter Ausweg OP

Viele Krankenkassen unterstützen ihre Versicherten mit Kursen, so auch die AOK. „Jeder Versicherte hat die Möglichkeit, bei Gewichtsproblemen über eine ärztliche Verordnung – das sogenannte grüne Rezept – einen Termin für eine individuelle und kostenfreie Ernährungsberatung in unseren Kundencentern zu vereinbaren,“ erklärt Sabine Forster.
Bei der Ernährungsberatung gelte das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Ziel sei es den Lebensstil dauerhaft zu ändern. Aber nicht jedem gelingt das. Mancher sieht als letzten Ausweg nur noch eine Operation.
"Ob und wann eine bariatrische OP Sinn macht, lässt sich pauschal nicht beantworten", heißt es seitens der AOK-Pressestelle. Laut einer Patientenleitlinie kann ein chirurgischer Eingriff bei Patienten mit einem BMI ab 35 und entsprechenden Begleiterkrankungen in Frage kommen, wenn alle anderen Therapieversuche erfolglos waren, ohne Begleiterkrankungen bei einem BMI ab 40. Doch Achtung: "Es ist ein irreversibler Eingriff an einem gesunden Organ, der eine lebenslange Veränderung des Essverhaltens und des Lebensstils nach sich zieht und sollte deshalb nie vorschnell in Erwägung gezogen werden." Es könne zu postoperativen Komplikationen kommen. In der Regel sei eine lebenslange Supplementierung von Vitaminen und Mineralstoffen nötig. Außerdem seien nur noch kleine Essensportionen möglich, da es ansonsten zu Übelkeit und Erbrechen kommt. „Die AOK rät immer dazu, die Gewichtsreduktion auf konventionelle Art in Angriff zu nehmen, also mit Ernährungsumstellung und mehr Bewegung", so Forster.
Benedikt Spether hat dies sogar im Alleingang geschafft. Er ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie mit Disziplin, bewusster Ernährung und Sport drastisch Gewicht reduziert werden kann. Wir haben mit ihm gesprochen.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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