Gesundheit
Gewichtzunahme, psychische Belastung und andere Entwicklungen

Überweisungen und Krankschreibungen: Seit Beginn der Pandemie lassen sich Veränderungen im Gesundheitswesen feststellen.
  • Überweisungen und Krankschreibungen: Seit Beginn der Pandemie lassen sich Veränderungen im Gesundheitswesen feststellen.
  • Foto: AOK Mediendienst
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Ortenau (rek). Ausgangssperren sowie die Pflicht zum Homeoffice und -schooling sind Vergangenheit. Die Menschen bewegen sich wieder freier, auch wenn das Gesundheitsministerium derzeit vor dem zu erwartenden Anstieg der Hospitalisierungsinzidenz eindringlich warnt. In der vergangenen Woche allein stieg der Wert von 2,2 um deutlich mehr als einen Prozentpunkt an. Doch wie hat sich das Gesundheitsverhalten der Menschen in den vergangenen Wochen verändert?

Folgen des pandemiebedingten Bewegungsmangels

"Interessant ist, dass die AOK aktuell eine deutliche Zunahme bei unserem Angebot für individuelle Ernährungsberatung verzeichnen. Dabei geht es vielfach um das konkrete Thema ,Abnehmen'. Das lässt den Schluss zu, dass Homeoffice und pandemiegeschuldeter Bewegungsmangel für so manches überflüssige Pfund verantwortlich ist", berichtet Frank Kölble, Leiter der Kommunikation bei der AOK Südlicher Oberrhein. Nach dem aktuellen Fehlzeiten-Report von 14,1 Millionen AOK-Versicherten blieb der Krankenstand im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr unverändert und lag bei 5,4 Prozent. Am häufigsten waren Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 22,1 Prozent, es folgten psychische Erkrankungen (zwölf Prozent) und Atemwegserkrankungen (11,8 Prozent). Damit ist der Anteil der psychischen Erkrankungen, wenn auch nur leicht, erneut gestiegen, während der Anteil aller anderen Krankheiten gesunken oder gleichgeblieben ist.

Grippeschutzimpfung

Auch wenn die Corona-Impfung nach wie vor im Mittelpunkt steht: Im Herbst ist es Zeit, auch an die reguläre Grippeschutzimpfung zu denken. Sie bietet den besten Schutz gegen die Influenza. Im vergangenen Winterhalbjahr, in dem die Corona-Pandemie begann, haben sich erheblich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen als in der Wintersaison zuvor. Das zeigt eine Datenerhebung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). So entschieden sich deutschlandweit mehr als 300.000 Versicherte für die Impfung gegen diese schwere Infektionskrankheit und damit rund jeder sechste (plus 14 Prozent). Frauen haben hier deutlich die Nase vorn.

Experten rechnen damit, dass diese Saison eine stärkere Grippewelle bevorsteht, da sich die Menschen wieder vermehrt begegnen. Das Immunsystem ist durch die Kontaktbeschränkungen nicht mehr so trainiert und daher anfälliger auch für Erkältungsviren. So registrierte die KKH bundesweit lediglich rund 4.000 ärztlich diagnostizierte Influenza-Fälle. Im Vergleich zum Winterhalbjahr 2019/2020 litten damit 73 Prozent weniger Versicherte unter der Grippe, die mit hohem Fieber, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen einhergeht.

Von den über 60-Jährigen ließen sich im vergangenen Jahr rund acht Prozent mehr impfen. Unter den Jüngeren ließen sich sogar rund 36 Prozent mehr Menschen immunisieren als im Winterhalbjahr davor. „Hier wirkt sich der Corona-Effekt aus“, ist sich der KKH-Experte Sven Seißelberg sicher. „Wegen der schweren Covid-19-Fälle war die Versorgungssituation in vielen Krankenhäusern angespannt. Eine Corona-Impfung gab es noch nicht. Das hat viele aus Vorsicht dazu bewogen, sich wenigstens vor einer Grippe zu schützen.“ Auch für die kommenden Monate rechnet die KKH mit einer hohen Impfquote. Wer sich impfen lässt, mindert sein Erkrankungsrisiko und entlastet so indirekt das Gesundheitswesen – insbesondere für den Fall einer schweren Grippewelle parallel zu einer möglicherweise erneut angespannten Corona-Situation in Kliniken.

Weniger Krebsvorsorge

Auch bei langwierigen Erkrankungen haben sich Menschen anders verhalten. Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge erkrankt in Deutschland fast jeder Zweite im Laufe seines Lebens an Krebs: Pro Jahr werden in Deutschland rund 490.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass im Bewusstsein der Menschen die Erkrankung in den Hintergrund gerückt ist, wie eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg zeigt, so Kölble. Danach hätten insgesamt 20 Prozent der Befragten seit Beginn der Pandemie eine oder mehrere geplante Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung nicht wahrnehmen können oder wollen. Diese Entwicklung unterstreichen starke Fallzahlrückgänge bei Krebsoperationen. Beispielsweise seien Darmkrebs-Operationen in der zweiten Pandemiewelle laut AOK-Analyse um 20 Prozent zurückgegangen.

Psychische Belastungen

Und die psychische Belastung oder Erkrankung? Knapp die Hälfte der Erwachsenen in Baden-Württemberg fühlte sich durch die Lockdown-Maßnahmen psychisch stark oder gar sehr stark belastet. Das ergibt eine weitere repräsentative AOK-Umfrage. Studierende leiden öfter unter den Kontaktbeschränkungen als alle anderen Gruppen, fühlen sich am häufigsten antriebslos, einsam und müde.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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