10. November 2017, 18:19 Uhr | 0 | 14 Leser

Fußnote – die Glosse im Guller
Nachhilfe vom Mathe-Rapper

Das Thema ist so alt wie die Mathematik-Hausaufgaben selbst. Es gibt Schüler, die können sie nicht lösen. Neu, zumindest für mich, sind Rapper als Nachhilfelehrer. Die Rede ist nicht von Bushido. Mag sein, dass der Gangster-Rapper ein echtes Genie in Sachen Bruchrechnen in der Schule war. Aber inzwischen steht er halt mehr für Schulabbruch und Abrechnungen ganz anderer Art. Es geht vielmehr um freundliche Mathe-Rapper, die mit jugendfreien Texten Schülern das oft ungeliebte Fach näherbringen wollen.

Nun muss ich gestehen, dass mich als Schülerin nicht nur die höhere Mathematik, sondern schon niedrigschwellige Aufgaben überforderten. Es reichte in der Oberstufe zwar immer für fünf Punkte, für mehr aber nie. Mein Mathematiklehrer nahm das persönlich. Zumal ich ansonsten im Zeugnis nur Zensuren mit zwei Ziffern stehen hatte.

Einmal konnte er mir eine Zehn-Punkte-Klausur zurückgeben und frohlockte schon. Nein, ich hatte nicht abgeschrieben! Obwohl er mir das vielleicht sogar hätte durchgehen lassen, nur um diese pädagogischen Pein zu beenden. Matritzenrechnung lag mir aber einfach. Doch sein Hochgefühl, mir endlich einmal etwas beigebracht zu haben, währte nicht lange. Unter der nächsten Arbeit stand nämlich erstmals eine rote Null, mein absoluter mathematischer Tiefpunkt in der Oberstufe. Und so kamen am Ende im Zeugnis wieder nur fünf Punkte raus. Für den Lehrer stand fest: Ich hätte absichtlich derart versagt, um ihn zu ärgern. Was für ein Quatsch! Für so viel Berechnung reichten meine Rechenkenntnisse gar nicht aus.

Mit diesem Hintergrund horchte ich sofort auf, als im Radio nun ein Beitrag über Mathe-Rapper lief. Neugierig wurde sofort das Internet bemüht. Der Bekannteste ist wohl "Dor-Fuchs" und der Mathematikstudent erinnert weder optisch noch in Sachen Vokabular an Bushido. Einer seiner braven Beiträge beschäftigt sich mit dem Addieren von Brüchen. Der schlaue "DorFuchs" weiß sogar einen besonderen Kniff und addiert besagte Brüche mit Hilfe der verdischen Mathematik. Was es alles gibt!

Mit einem Mausklick war das You-Tube-Filmchen aktiviert und los ging's. Tja, ich habe zum Takt der Musik mit dem Fuß gewippt, dazu rhythmisch ein bisschen die Schultern bewegt, aber wenig verstanden. Bei "Math Rap Dougie" erging es mir nicht viel besser. Letztendlich ist mir nur eines klar geworden. Ob gerappt oder konventionell erklärt: Mit mir ist als Mathematik-Genie nicht mehr zu rechnen.
Anne-Marie Glaser