Fußnote, die Glosse im Guller
Von Graffitis in Konstantinopel

Die alten Ägypter haben es gemacht, die Römer sowieso und laut Wikipedia hat im neunten Jahrhundert im damaligen Konstantinopel ein Wikinger seinen Namen Halvdan in die Balustrade der Hagia Sophia geritzt. Ob er mit seiner Liebsten auf einer Brücke über den Bosporus auch ein Schloss befestigt hat, ist nicht überliefert.

Stadt Offenburg gewährt Zuschüsse

Nun weiß ich natürlich nicht, wie die Einstellung zu solcher "Kunst" an Bauwerken in Konstantinopel früher war, im heutigen Offenburg wird sie weniger gerne gesehen. Die Stadt gewährt privaten Hausbesitzern deshalb sogar einen Zuschuss, wenn sie Schmierereien entfernen lassen. 40.000 Euro hat sie dafür schon zur Verfügung gestellt. Weil die Nachfrage wohl groß ist, wurde der Topf jetzt noch weiter aufgestockt.

Stefan Strumbel

In der Graffiti-Szene tummeln sich halt keineswegs nur Leute, die das Talent eines Stefan Strumbel besitzen. Die wenigsten sind Kunstschaffende, sondern schlicht Schmierfinken. Ihr Ziel ist es mitunter ohnehin, nur Botschaften wie "FaB" großflächig unter das Volk zu bringen. Da ich unsere Polizei sehr wertschätze, möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, für was die Abkürzung wörtlich steht. Umschreiben wir "FaB" mal mit despektierlicher "Feindansage an Beamte".
Manche dieser Aufrufe sind bunt gestaltet. Oft steht aber weniger die künstlerische Qualität im Vordergrund, sondern mehr die Quantität. Klar, wer von Lörrach bis Lübeck jeden Laternenpfahl bepinseln will, hat keine Muse für filigrane Ausarbeitung, wenn er vorankommen möchte.

Beobachtung im Tierreich

Ja, die Motivationen sind durchaus vielfältig. Beispielsweise gibt es auch Gruppierungen, die mit Hilfe von Graffitis ihr Gebiet kennzeichnen. Eine ähnliches Verhalten ist übrigens im Tierreich zu beobachten. So hob mein kleiner West Highland Terrier zu Lebzeiten immer gerne überall sein Hinterbeinchen, um sein Revier zu markieren. In der Graffiti-Szene werden dafür halt Spraydosen verwendet.

Halbstarke

Da kommt mir der Gedanke: Vielleicht war Halvdan in Wirklichkeit gar kein einzelner Wikinger, sondern eine Gruppe von Halbstarken, die im einstigen Konstantinopel die Gegend um die Hagia Sophia unsicher machte. Solche gab es im neunte Jahrhundert nämlich auch schon, genauso wie im alten Ägypten und in Rom sowieso. Tja, die Jugend war früher halt auch nicht besser als heute.

Straftat

Das ist betroffenen Hausbesitzern natürlich kein Trost. Und bevor hier der Eindruck entsteht, ich wollte Sachbeschädigungen bagatellisieren, sei klar gesagt: Hier geht es um Straftaten, die mit Recht geahndet werden. Wenn die Täter denn erwischt werden, was oft genug nicht der Fall ist. Dann bleiben die Opfer auf dem Schaden sitzen. Dass die Stadt Offenburg finanziell hilft, ist absolut richtig. Schließlich ist hier das Stadtbild betroffen.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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