Minijobs vor dem Umbruch
Warum viele Branchen vor den Folgen warnen

Ein Bummel durch offene Geschäfte und ein Besuch in der Gastronomie – Minijobber machen so manchen verkaufsoffenen Sonntag wie in Offenburg erst möglich.  | Foto: Archivbild: gro
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  • Ein Bummel durch offene Geschäfte und ein Besuch in der Gastronomie – Minijobber machen so manchen verkaufsoffenen Sonntag wie in Offenburg erst möglich.
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Ortenau (gro) Bei Minijobs könnten höhere Kosten zu Buche schlagen: Der pauschale Krankenversicherungsbeitrag für Arbeitgeber steigt zum 1. Januar 2027 von derzeit 13 auf voraussichtlich 17,5 Prozent. Gleichzeitig wird im Zuge der geplanten Rentenreform über weitere Belastungen und über eine mögliche Abschaffung des steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus vorgeschlagen. Noch sind nicht alle Pläne geltendes Recht, doch in vielen Branchen wächst die Sorge vor den möglichen Folgen. Im vierten Teil unserer Serie "Deshalb Minijob" kommen Branchenvertreter zu Wort.
"Wir sehen den Vorschlag, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Status von Minijobs generell abzuschaffen, sehr problematisch", so die Handwerkskammer Freiburg auf Guller-Nachfrage. "Minijobs sind ein unverzichtbares Flexibilitätsinstrument." Sie würden es Betrieben ermöglichen, auf schwankende Auftragslagen, personelle Engpässe und Kundenwünsche zu reagieren. "Hier braucht es definitiv andere Lösungen, um dieser Funktion von Minijobs gerecht zu werden."
"Es gibt große Auswirkungen in der Hotellerie", stellt Christina Gehri, Leiterin des Fachbereichs Standort und Branchen der IHK Südlicher Oberrhein, fest. Die Industrie sei weniger stark betroffen. Sie hat Verständnis dafür, dass die Sozialversicherungssysteme gestärkt werden müssen, hält die diskutierten Lösungen mit Blick auf geringfügig Beschäftigte aber für falsch. "Die Arbeit sollte nicht einfach nur für alle teurer gemacht werden", so Gehri, die eine unternehmensgerechte Lösung fordert. "Mit der faktischen Abschaffung hilft man niemandem."
"Gut ein Drittel der Beschäftigten in der Gastronomie und im Handel in Offenburg ist Minijobber", erklärt Fiona Härtel, Geschäftsführerin der City Partner Offenburg. "Dank ihnen können Randzeiten und Samstage abgedeckt werden. Sie arbeiten aber auch an den verkaufsoffenen Sonntagen oder leisten Urlaubsvertretungen." Diese Form der Beschäftigung ermögliche den Unternehmen Flexibilität. "Die meisten von ihnen haben einen Hauptjob und verdienen sich etwas dazu", macht sie deutlich. Wenn die Minijobs unattraktiv würden, dann würde auch Kaufkraft wegfallen. Möglicherweise müssten sich die Kunden an reduzierte Öffnungszeiten gewöhnen.
"Im Europa-Park Erlebnis-Resort sind in nahezu allen Geschäftsbereichen Aushilfen im Einsatz – im Freizeitpark, im Wasserpark ebenso wie in der Hotellerie, Gastronomie und bei Veranstaltungen", teilt der Park auf Guller-Anfrage mit. Die Tourismusbranche sei geprägt von saisonalen, wetterbedingten und auslastungsabhängigen Schwankungen wie beispielsweise kurzfristigen Besucherspitzen. "Minijobs geben uns die notwendige Flexibilität, diesen schwankenden Personalbedarf abzudecken und unseren Gästen über das gesamte Resort hinweg einen verlässlichen Service anzubieten." Zwei Drittel der Beschäftigten in der Gastronomie und Eventgastronomie seien Aushilfen: "Minijobs sind daher kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil unserer Personalplanung und für einen touristischen Betrieb unverzichtbar."
Höhere Abgaben würden die Minijobs für die Betriebe verteuern und zugleich für die Aushilfen deutlich unattraktiver machen. "Sinkt dieser Anreiz, ist mit einer geringeren Zahl verfügbarer Arbeitskräfte zu rechnen", so der Europa-Park. Das wäre für die gesamte Tourismusbranche problematisch, da sie bereits heute unter Fachkräftemangel leide.

Schwarzarbeit

Für Dominik Müller, Dehoga-Vorsitzender und Inhaber des Hotels "Ritter" in Durbach, sind Menschen mit einem Minijob echte Leistungsträger. "Im Gastgewerbe, im Handel und im Tourismus hängen Saison- und Spitzenbetriebe maßgeblich an flexibel einsetzbaren Minijobs." Er hält die Abschaffung oder Verteuerung für einen Fehler: "Das legale Modell verhindert effektiv die Flucht in nicht versicherte Schwarzarbeit", mahnt er. Zudem würden aufgrund der demografischen Situation künftig ohnehin weniger Menschen für die Arbeit zur Verfügung stehen: "Deshalb müssen wirkungsvolle Anreize für zusätzliches Arbeiten geschaffen oder zumindest das bestehende Instrument Minijob zwingend beibehalten werden."
"Aus Sicht unserer Einrichtungen haben Minijobs durchaus eine praktische Bedeutung, insbesondere für Personen, die bewusst nur in sehr geringem Umfang tätig sein möchten oder die sich etwas hinzuverdienen möchten", so Louise Enz, Stabstellenleitung Organisation & Digitalisierung im Paul-Gerhardt-Werk. "Dennoch sind für soziale Dienstleister wie uns verlässliche und sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in der Regel die nachhaltigere Lösung – sowohl für die Beschäftigten als auch für die Arbeitgeber." Die Herausforderungen lägen derzeit darin, Arbeitszeiten flexibel und bedarfsgerecht zu gestalten. "Wir würden uns daher eher Regelungen wünschen, die flexible Beschäftigungsmodelle und den niedrigschwelligen Einstieg in sozialversicherungspflichtige Arbeit fördern."
Auch in der Landwirtschaft werden Minijobber beschäftigt. Dies betreffe weniger die Erntehelfer, so Otmar König, Fachreferent der Rechtsabteilung des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands in Freiburg. Dies sei ein eigenes Thema. Minijobber würden in Bauernläden oder auf dem Markt eingesetzt werden. "Würden diese Stellen wegfallen, würde das unsere bäuerlichen Betriebe treffen", ist er sich sicher.

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