Stichwort Photovoltaik
Was tun, wenn Abnahmevertrag endet?

Eine große Dachfläche kann komplett mit Solarzellen genutzt werden.
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  • Eine große Dachfläche kann komplett mit Solarzellen genutzt werden.
  • Foto: Foto: E-Werk Mittelbaden
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Ortenau (djä). Die schwarz-schimmernden Platten sind auch in der Ortenau überall präsent. Meist stehen sie auf Dächern: Solarzellen, die Sonneneinstrahlung in Strom umwandeln. Mit dem ersten Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) wurden im Jahr 2000 die Weichen für die Einspeisung des so erzeugten Stroms ins Leitungsnetz gestellt. Es verpflichtete die Netzbetreiber zur Abnahme des Stroms und sicherte Mindestvergütungen für einen Zeitraum von 20 Jahren. Damit wurden den kleinen Unternehmen und Privatpersonen der Zugang zu den Verteilernetzen der großen Stromerzeuger geöffnet.

Seither wurde das EEG mehrmals angepasst und beispielsweise die Vergütung pro eingespeister Kilowattstunde gesenkt, da Solarzellen längst nicht mehr so teuer sind. In rund eineinhalb Jahren werden die ersten Einspeiseverträge nun auslaufen. Da wird sich so mancher private Stromerzeuger bereits Gedanken gemacht haben, wie er danach seinen Strom nutzen kann. Denn mit Ablauf des Vertrages gelten die in den Anfangsjahren vereinbarten hohen Einspeisevergütungen nicht mehr. Wir haben bei einem regionalen Energieversorger und einem Elektrofachbetrieb einmal nachgefragt, welche Lösungen sich hier bieten.

Vergütung wirtschaftlich uninteressant

"Natürlich könnten Erzeuger ihren Strom weiterhin ins Stromnetz einspeisen. Die Vergütungen dafür sind heute allerdings wirtschaftlich nicht mehr interessant. Die Kosten für den bezogenen Strom liegen darüber", erklärt Thomas Fleischmann vom Elektrizitätswerk Mittelbaden (E-Werk). Heute lohnt es sich, den eigenerzeugten Strom selbst zu nutzen. Neu in Betrieb genommene Anlagen berücksichtigen die Wirtschaftlichkeit und stellen den Strom im Haus zur Verfügung. Wenn Waschmaschine, Klimaanlage oder Staubsauger laufen, kommt der Strom vom eigenen Dach.

Eigenproduktion schafft Autarkie und die Gewissheit, umweltfreundlich produzierten Strom einzusetzen. Diesen kann man  mit zwei technischen Möglichkeiten nutzen. Der erzeugte Strom kann entweder tagsüber sofort und direkt verbraucht werden, wenn die Sonne scheint. "Bei den meisten durchschnittlichen Haushalten ergibt sich damit bereits ein Anteil des Eigenverbrauchs von bis zu 40 Prozent des Jahresverbrauchs", weiß Gunnar Weigel von der Elektrotechnikfirma Schwarz GmbH. Dieser Anteil könne mit einem Speichersystem sogar mit zirka 80 Prozent auf das Doppelte erhöht werden. Aus dem Solarspeicher können Geräte nachts oder bei zu wenig Sonnenschein versorgt werden, Elektroautos und das E-Bike können geladen werden. "Die Solarspeicher, die wir anbieten, sind mittlerweile sehr leistungsfähig. Die Akkus haben auch keinen Memory-Effekt", betont Michael Matthuni, der beim E-Werk im Bereich Energiedienstleistungen berät.

Anstieg bei neuen Anlagen

Nach einem ersten Boom in den Jahren 2010 bis 2013 und einem leichten Rückgang aufgrund der gesenkten Einspeisevergütung verzeichnet man beim E-Werk wieder einen Anstieg neugebauter Anlagen. Rund 300 waren es innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Das mag zum einen am technischen Fortschritt der Solarspeicher und deren Preisentwicklung zusammenhängen. Zum anderen bieten Stromversorger wie das E-Werk außer der Beratung für eigenfinanzierte neue Lösungen auch die Planung, Finanzierung, Installation und Wartung neuer Solardächer und Solarspeicher im Rahmen eines zehnjährigen Pachtvertrages. "Wir empfehlen Besitzern älterer Photovoltaikanlagen, sich rechtzeitig zu informieren, sonst fließt ihr Strom ohne Vergütung ins Leitungsnetz", sagt Fleischmann. Bei so viel Beratung könnte man sich fragen, warum ein Energieversorger die Eigenproduktion von Strom so unterstützt. "Immer mehr Geräte verbrauchen zwar einzeln immer weniger Strom. Trotzdem steigt der Bedarf gesamt und die Notwendigkeit der Erzeugung. Das E-Werk ist längst auch Dienstleister und Hardwarelieferant", betont Michael Matthuni.

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