Weltliteratur des Barocks aus der Ortenau
Grimmelshausen und Moscherosch hinterließen ihre Spuren

Der Grimmelshausenbrunnen in Renchen zeigt das Fabelwesen Phönix und den Simplicissimus als Scholar
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  • Der Grimmelshausenbrunnen in Renchen zeigt das Fabelwesen Phönix und den Simplicissimus als Scholar
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Offenburg (tf). In der Ortenau wurde im 17. Jahrhundert durch Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen und Johann Michael Moscherosch Literaturgeschichte geschrieben. Beide erlebten den 30-jährigen Krieg und schrieben über die Verrohung von Militär und Bevölkerung. Der von Grimmelshausen verfasste „Simplicissimus“ gilt als wichtigstes barockes Prosawerk in deutscher Sprache.

Nach dem verheerenden Krieg arbeitete Grimmelshausen als Regimentsschreiber, wurde Verwalter, Burgvogt und 1665 Wirt des „Silbernen Stern“ in Oberkirch-Gaisbach. Die Gaststätte gibt es noch heute, die regelmäßig dort stattfindenden Grimmelshausen-Gesprächsrunden erinnern an den Dichter und sein Schaffen. Im Oberkircher Heimat- und Grimmelshausenmuseum gibt es eine Abteilung, die dem berühmten Bürger der Stadt gewidmet ist.

Ab 1667 lebte er in Renchen als Schultheiß, wo bis zum heutigen Tag seine Spuren in Form verschiedenster Denkmäler zu finden sind. Mit seinem Werk und der Zeit beschäftigt sich das Simplicissimus-Haus im Herzen der Stadt.

Nachdem er vorher überwiegend höfische Romane verfasste, schrieb Grimmelshausen 1668 in Renchen den von eigenem Erleben inspirierten Schelmenroman mit abenteuerlichem Inhalt, derb-drastischer Sprache und voll hintergründigem Humor. Diese Gegend wird auch heute noch als simplicianische Landschaft bezeichnet. Ebenso befindet sich in Bad Peterstal-Griesbach ein Gedenkstein, der an eine Episode aus dem „Simplicissimus“ erinnert, die dort spielt. Sein weniger bekanntes Werk "Trutz Simplex" gilt als erster großer und bedeutender Frauenroman der deutschen Literatur und als Vorlage für Brechts "Mutter Courage".

Große Inspiration erhielt Grimmelshausen durch seinen Zeitgenossen, den Dichter Johann Michael Moscherosch. Dessen „Wunderliche und warhafftige Gesichte Philanders von Sittewalt“ aus dem Jahr 1640 gilt als die bedeutendste satirische Erzählsammlung der frühen Neuzeit in deutscher Sprache. Die Träume und Visionen seines Titelhelden und Alter Egos eröffnen ein Panorama des kriegsversehrten Europas und halten Grausamkeit und Scheinheiligkeit seiner Zeitgenossen einen Zerrspiegel vor.

Auch wenn er heute nicht mehr so bekannt ist wie sein Zeitgenosse aus dem Renchtal, gilt der 1601 in Willstätt geborene Moscherosch als herausragender Vertreter des südwestdeutschen Späthumanismus. Moscherosch war Pädagoge und Lexikograph und zu seinen Lebzeiten der meistgelesene deutschsprachige Satiriker. Er schrieb unzählige Aufsätze, Gedichte, Satiren und Erzählungen und auch einen Erziehungsratgeber.

Seine Geburtsgemeinde Willstätt ehrte ihn 1907 mit einem Denkmal und seit 2018 gibt es eine Dauerausstellung im dortigen Rathaus. Auf dem 2015 eröffneten „Literarischen Radweg 11" kann man im sogenannten "Barocken Dreieck" von Oberkirch, Renchen und Willstätt den Spuren der beiden Dichter mit dem Fahrrad folgen.

Der Grimmelshausenbrunnen in Renchen zeigt das Fabelwesen Phönix und den Simplicissimus als Scholar
Im Rathaus der Gemeinde Willstätt findet sich ein Museum für Johann Michael Moscherosch. Unser Foto zeigt Werner Hetzel als Moscherosch bei der Eröffnung.
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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