Illenau-Exkursion
Exklusive Einblicke für Studenten in Kommunalpolitik

Studenten der Hochschule Kehl zu Besuch in der Illenau | Foto: Stadt Achern
  • Studenten der Hochschule Kehl zu Besuch in der Illenau
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  • hochgeladen von Matthias Kerber

Achern (st) Als „Highlight“ haben die Studenten des Vertiefungskurses Kommunalpolitik der Hochschule Kehl die fünfstündige Exkursion in die Illenau bewertet. Oberbürgermeister Manuel Tabor nahm sich Zeit, um zahlreiche Fragen zur Arbeit des Oberbürgermeisters zu beantworten.

Sein Amtsvorgänger Klaus Muttach führte durch die Illenau und das Arkadenmuseum. Dabei erläuterte er den kommunalpolitischen Entscheidungsprozess zur Revitalisierung der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt. Die Ausgangslage für den 2008 im Gemeinderat verabschiedeten Rahmenplan zur Revitalisierung der Illenau war nach dem Abzug der französischen Streitkräfte 1994 ein langjähriger „Dornröschenschlaf“ sowie mehrere gescheiterte Revitalisierungsversuche. Deshalb entwickelte man in der Stadtverwaltung ein Konzept, um die Stadt und Kreisverwaltung, die damals auf acht verschiedene Gebäude verteilt waren, sowie die unzureichend untergebrachte Musikschule in der Illenau zusammenzuführen und um ein Kulturforum, das Inklusionsbistro, ein neues Trauzimmer sowie weitere Dienstleister zu ergänzen. Die dadurch freiwerdenden Verwaltungsräume boten Perspektiven für die neue Stadtbibliothek und die Ansiedlung des Landesgrundbuchamtes. Außerdem brachten sie durch Veräußerung oder Vermietung nennenswerte Einnahmen. Besonders interessierten die Studierenden beim Blick hinter die Kulissen, wie die Zivilgesellschaft eingebunden wurde und sich bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert, mit welchen Strategien Verhandlungen mit Zuschussgebern, dem Denkmalschutz oder beim Kauf der Illenau Wiesen geführt wurden und wie politische Mehrheiten im Gemeinderat gefunden wurden. Dass in den vergangenen 20 Jahren über 200 Millionen Euro von Stadt, Land, Bund und privaten Investoren investiert wurden, ohne dass die Stadt hierfür Darlehen aufnehmen musste, wurde dann nochmals besonders intensiv besprochen. Mit Blick auf die ursprüngliche, den bedürftigen Menschen zugewandte Philosophie der Heil- und Pflegeanstalt mahnte Muttach beim Gang durch das Museum, dieses geistige Erbe mit dem Leitspruch „Liebe! Diene!“ in Zeiten einer Verrohung der Gesellschaft zu verteidigen.

Im Arkaden Bistro stieß dann Rathauschef Manuel Tabor zur Gruppe. Er erläuterte seinen beruflichen Werdegang vom Hochschulabsolventen in Kehl über seine Kämmerertätigkeit in einer kleinen Gemeinde bis zum Bürgermeister in Appenweier, sowie sein frühes politisches Engagement. Tabor verglich dies mit der Situation von „Quereinsteigern“ und sah in seinem Werdegang eine gute Vorbereitung mit nachhaltiger Wirkung für die Aufgabe des Oberbürgermeisters in Achern. Mit diesem Hintergrund könne man mit den Verwaltungsmitarbeitern fachlich auf Augenhöhe diskutieren und zielorientiert führen. Eine Stadtverwaltung sei kein Unternehmen, sondern diene der Daseinsvorsorge für die Menschen. Der Gemeinderat sei kein Aufsichtsgremium, sondern gemeinsam mit dem Oberbürgermeister das für die grundsätzlichen kommunalpolitischen Entscheidungen zuständige Hauptorgan. Den Unterschied zur früheren Bürgermeistertätigkeit in Appenweier sieht Tabor in der „höheren Flughöhe“ einer Großen Kreisstadt und in der Zuständigkeit für die regionale Entwicklung über die Stadtgrenzen hinaus. Dafür sei eine Mitwirkung in Gremien wie dem Kreistag oder bei Energieversorgern unverzichtbar, um Projekte wie die stationäre medizinische Versorgung und die Energiewende voranzubringen, nannte Tabor zwei aktuelle Schwerpunkte. Die Vereinbarkeit des Amtes mit dem Familienleben nannte Tabor manchmal herausfordernd, aber machbar. Für die zahlreichen Fragen zum Arbeitsalltag als Oberbürgermeister gewährten der aktuelle und der frühere Acherner Rathauschef sehr persönliche Einblicke. Klaus Muttach und Manuel Tabor ermunterten die Studenten, sich zu gegebener Zeit mit der Möglichkeit einer Bürgermeisterbewerbung auseinanderzusetzen. Der Beruf biete vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten beim Dienst für die Gesellschaft. Gerade in herausfordernden Zeiten brauche es Rathauschefs mit fachlicher und charakterlicher Eignung.

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